hwk frauenZwei weitere starke Frauenfilme im Berlinale-Wettbewerb (Tagebuch 7)

Hanswerner Kruse

Berlin (Weltexpresso) - Jetzt bin ich aber wirklich aufgeregt! Soeben komme ich aus der Pressekonferenz zu „Elisa Y Marcela“. Ein melancholischer Schwarz-weiß Film aus Spanien. Zwei Frauen versuchen zum Ende des 19. Jahrhundert ihre Liebe zu leben. Sicher eine bereits oft erzählte Geschichte, aber durch die großartige, auf die starken, mutigen Frauen konzentrierte S/W-Kamera, hat mich der Wettbewerbsbeitrag sehr berührt. Er ist für mich einer der besten Streifen des Festivals.

Leider ist er von Netflix produziert, deshalb wird er einige Wochen in Spanien zur Premiere laufen - und dann nie wieder ins Kino kommen. Auch nicht in die deutschen Arthouse-Lichtspiele, in denen bisher die Werke der Regisseurin Isabel Coixet („Der Buchladen“) so erfolgreich liefen.

Ich spreche sie in der Pressekonferenz darauf an, aber sie antwortet ausweichend: Jahrelang habe sie das Drehbuch realisieren wollen, erst durch Netflix sei der Dreh möglich geworden. Als ich nachfrage, Regisseure arbeiteten doch fürs Kino, antwortet Coixet lapidar: „Ich will Filme machen!“ Ich möchte das mit ihr diskutieren: „Angelina Jolies neuer Netflix-Streifen über Kambodscha, „First They Killed My Father“, wird nie im Kino laufen.“ Doch der Moderator würgt mich ab, wütend verlasse ich die Konferenz. Aber ein ARTE-Kollege folgt und macht mit mir ein 10-Minuten-Interview zum Thema Netflix. Vielleicht wird davon ja etwas in den Berlinale-Film einfließen, der im nächsten Jahr zum 70. Geburtstag des Festivals präsentiert wird. Gleich beginnt die öffentliche Uraufführung und draußen ist alles voller Polizisten, vielleicht hat die Festivalleitung ja Angst vor Demonstrationen.

Der Wettbewerb entführt das Publikum nicht nur in andere Länder, sondern manche auch in andere Zeiten. Dieser Frauenfilm ist - ebenso wie beispielsweise Fathi Akins „Der Goldene Handschuhe“ - eine Zeitreise in heute kaum noch vorstellbare Lebenssituationen von Menschen - besonders von Frauen.

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Das Künstlerleben der über 90-jährigen Regisseurin und Installationskünstlerin Agnès Varda ist dagegen durchweg positiv. Der Streifen „Varda par Agnès“, der die Geschichte dieser starken Künstlerin humorvoll und mit Filmausschnitten darstellt, stimmt mich hoffnungsvoll: Wieder zwei weitere starke Frauenfilme...



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Agnès Varda / Die Netflix-Bande © Hanswerner Kruse