hwk berlirgHanswerners BERLINALE Tagebuch (9)

Hanswerner Kruse

Berlin (Weltexpresso) - So, auch von mir mal etwas über Serien auf der Berlinale. „Bad Banks“, das ist eine der Serien von ZDF und ARTE, die vom Land Hessen mitfinanziert wurde. Vorgestern sah ich die ersten zwei Folgen, die auch in Frankfurt spielen, als Welturaufführung im legendären Zoo-Palast. Der Regisseur Christian Schwochow („Der Turm“) und sein Team wurden von den 800 Zuschauerinnen und Zuschauern frenetisch gefeiert.

Die aus der Finanzwelt erzählten Dramen um die ehrgeizige und skrupellose Bankerin Jana, sind spannend gemacht und haben alles, was erfolgreiche Serien brauchen: Konflikte zwischen privaten und politischen bzw. beruflichen Ansprüchen, Intrigen, Sex und Verrat - das garantiert Spannung und den nötigen Suchtcharakter. Aber experimentell ist an den Filmen nichts - außer extrem schnelle Schnitte und viel nicht übersetztes Englisch. Diese und andere Serien sind kein innovatives oder großes Kino.

Dennoch finde ich wichtig, dass die Berlinale das populär gewordene Format präsentiert. Im Rahmen des Festivals wurden an zwei Tagen sieben neue Serien uraufgeführt. Aber der Hype bleibt mir weiterhin ein Rätsel. Vor einiger Zeit hatte ich hier ja daran erinnert, dass Edgar Reiz bereits in den 1980er-Jahren, mit der TV-Serie „Heimat“, neue Wege des Films erkundete und seine Geschichten - auch in weiteren „Staffeln“ - ausgiebig erzählen konnte.

Nun noch etwas Selbstkritisches: Gestern schrieb ich, dass ich den langweiligen Film „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ nach zwei Stunden vorzeitig verlassen hatte. Doch wie ich später erfuhr, verpassten dadurch ich und viele Andere das Aufregendste: Nach zwei philosophischen Stunden in der Zeitlosigkeit des Sommers, schlug der Film in gewalttätige Aktionen der Zwillinge um - und wurde doch noch ziemlich spannend.

Manchmal braucht man im Kino doch einen langen Atem. Aber heute bin ich seit vier Wochen hier und war jeden Tag mehrfach im Kino - wahrscheinlich bin ich tatsächlich etwas filmmüde geworden.

Foto:
Christian Schwochow (und Team) im Zoo-Palast
© Hanswerner Kruse