f ausgebrannt2Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 8. März 2018, Teil 7

N.N.

Berlin (Weltexpresso) – Fühlen sie sich manchmal ausgebrannt und leer? Und wenn ja, geht es einem nach dem Film besser?

Ja, nach dem Film geht es einem auf jeden Fall schon viel besser. Es ist ja immer beruhigend, wenn man sieht, dass andere das gleiche Problem haben und vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als man selbst. Und ich fühle mich tatsächlich manchmal ausgebrannt und leer. Eigentlich sogar ziemlich oft. Es ist sozusagen mein Grundgefühl. Aber wenn ich dann so leer bin, dann gibt es auch viel Platz für Euphorie und Arbeitswahn, als Kompensation sozusagen. Und dann bin ich wieder ausgebrannt und leer. Das passt natürlich gut zusammen und wechselt sich ab, Ausgebrannt sein und Euphorisch sein.


Ist das Burnout mittlerweile ein allgemeines gesellschaftliches Mittelstands-Phänomen oder sind wir halt alle ein bisschen „Bluna“?

Das Burnout wurde ja erst in den 70er Jahren erfunden, und bis er dann nach Deutschland kam, hat es noch einige Jahre gedauert. Dann wurde er aber schnell irgendwie modisch. Wer heute kein Burnout hat, der hat sich nicht richtig angestrengt, und man weiß ja, dass man sich nur richtig genug anstrengen muss, dann kann man alles erreichen. Und man muss auch alles erreichen wollen, das weiß ja jeder. Und genau davon handelt der Film. Burnout ist ein gesellschaftliches Phänomen, und ich bin gespannt, wie wir da wieder rauskommen. Es gibt ja schon tausende von Achtsamkeitsangeboten, die uns dabei helfen sollen. Aber das ist auch nur eine absurde Flucht, so kommt es mir vor. Was soll das für eine Idee sein, dass jeder Mensch zu sich selbst kommt und vor sich hinspricht, “Ich bin die wichtigste Person in meinem Leben”? Ein bisschen “Bluna” sind wir natürlich noch dazu, oder vielleicht sogar “Schwipp Schwapp”? Aber das ist die flippige Werbewelt der 80er und 90er Jahre und zuckerhaltige Limonaden sind gar nicht mehr angesagt. Jetzt sind wir alle eher ein bisschen Low-Carb und Quinoa. Und genau hier liegt das Spannungsfeld, in dem der Film steht. Was soll man sein, was könnte man nicht alles sein - und wie kommt man da noch hinterher mit dem ganzen „Sein“?


Welchen Bezug haben Sie zum Phänomen Burnout?

Ich selbst? Also entweder bin ich die ganze Zeit kurz davor oder mitten drin oder bereits drüber. Das kann ich nicht genau sagen und letztendlich kann ich auch nur mit Humor darauf reagieren. Zumindest vor Ihnen. Im Bett zu Hause muss ich dann vielleicht weinen. Humor ist ja oft eine Abwehrreaktion. Bei mir ist das jedenfalls so. Ich sitze nicht da und überlege mir, wie ich einen lustigen Witz machen kann. Aber im Ernst, ich denke, wenn man nicht weiß, ob man ein Burnout hat oder nicht, dann hat man keinen. Trotzdem: Es ist wirklich eine schwerwiegende Sache, wenn man einfach nicht mehr weiterkann. Und so lange ich es noch schaffe, darüber einen Spielfilm zu machen, habe ich wohl noch kein Burnout, oder?


Wo liegt der Schwerpunkt des Films: In der feinen Ironie, im Slapstick oder im derben Humor?

Ja, in der feinen Ironie liegt der Schwerpunkt. Aber nicht nur. Ich mag alles drei. Aber es darf nicht nur lustig gemeint sein, es muss einen Hintergrund haben, der einem wichtig ist. Der derbe Humor hat es natürlich am schwersten - vor allem bei etwas feineren Geistern - und ich bin mir nicht sicher, ob ich die richtige Person für derben Humor bin. Wenn, dann interessiere ich mich eher für die Scham, die er hervorbringt. Bei der Ironie fühle ich mich hingegen viel sicherer. Die Gegner der Ironie glauben ja, dass es dem Ironiker an Werten mangele. Aber ich sehe in der Ironie eine effektive Methode des Hinterfragens, quasi ein Spiel um die Wahrheitsfindung, ein „was wäre, wenn“, in das man sich hinein begibt. Die Wahrheit ist ja bekanntlich sehr schwer zu finden. Und wenn man glaubt, man hat sie, macht sie sich gerne aus dem Staub. Naja, und Slapstick: da kann ich noch dazulernen. Slapstick kommt erst mal etwas derb rüber, ist aber eigentlich extrem fein, wenn er gut choreographiert ist. Ich halte es für eine wundervolle künstlerische Ausdrucksform des Körpers, die im Film leider zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten ist.

Foto:
© Verleih

Info:
DARSTELLER
Luisa          Lina Beckmann
Richard      Charly Hübner
Leopold      Benno Fürmann
Ann             Lina Beckmann
Kassiopeia  Traute Hoss
Miriam         Inga Busch
Nachbar      Sebastian Weber
Dr. Lasalle    Rainer Egger
Steffi            Lina Beckmann

Filmteam
Regie: Lola Randl
Drehbuch: Lola Randl
Kamera: Philipp Pfeiffer
Schnitt: Andreas Wodraschke