EingeimpftSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 13. September 2018, Teil 16

Margarete Ohly-Wüst

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Die Tochter von David Sieveking und Jessica de Rooij kommt gesund zur Welt. Allerdings gab es durch eine Impf-Unverträglichkeit der Mutter während der Schwangerschaft einige Probleme. Jetzt soll die kleine Zaria selbst geimpft werden. Während David dafür ist, hat Jessica Bedenken. Sie hat Angst vor den Nebenwirkungen und vor Impfschäden.

Da Sieveking Dokumentarfilmer ist, geht er das Problem professionell an und beginnt nicht nur zu recherchieren, sondern auch über seine Recherchen einen Film zu drehen.

Dabei geht es im Film nicht nur um die Konflikte in der Familie oder Probleme, wenn ungeimpfte Kinder im Kindergarten oder auf Spielplätzen mit anderen Kindern in Kontakt kommen. Da der Film sehr privat ist, werden daneben auch die Schwierigkeiten als Selbständige ihren Lebensunterhalt neben einem Kind zu bestreiten oder die Suche nach einer neuen Wohnung außerhalb von Berlin-Kreuzberg behandelt.

Mehr und mehr beschäftigt sich der Regisseur aber auch wissenschaftlich mit dem Thema "Impfen". Er stellt seine Ergebnisse dann mit kleinen Animationsfilmen dar. Außerdem besucht er Wissenschaftler und wissenschaftliche Kongresse, die das Thema behandeln. Dabei zeigt sich, dass die Meinungen doch sehr konträr sind und dass es sowohl gute Gründe für eine Impfung als auch dagegen gibt.

Dann trifft David bei einem Kongress auf den schwedischen Arzt und Professor Dr. Peter Aaby trifft, der ihn zu einem seiner Projekte nach Guinea-Bissau einlädt und ihm dort die Ergebnisse seiner Langzeitstudien über Impfungen der dortigen Bevölkerung vorstellt. Zur gleichen Zeit bekommt die Familie ihr zweites Kind und in Berliner Kindergärten bricht eine Masern-Epidemie aus. Jetzt müssen sich die Eltern endlich entscheiden, ob, zu welchem Zeitpunkt und wogegen sie ihre Kinder impfen lassen sollen.


David Sieveking, der Regisseur von "Eingeimpft", ist vor allem durch die vielfach ausgezeichnete Dokumentation "Vergiss mein nicht" (2012) über die Demenzerkrankung seiner Mutter und die Auswirkungen auf die Familie bekannt geworden.

Der hier besprochene Film zeigt vor allem die Diskussionen ob überhaupt, in welchem Alter und mit welchen Impfstoffen geimpft werden soll. So wird z.B. gefragt, ob 7fach Impfungen kurz nach der Geburt sinnvoll sind. Dabei wird natürlich auch über Nebenwirkungen diskutiert, die nach Impfungen bei wenigen Kindern auftreten können. Es wurde auch darüber gesprochen, dass diese Fälle dann für die einzelnen Familien schlimme Folgen haben können. Dabei wurde die Bereitschaft der Eltern, dieses (geringe) Risiko zu tragen gegen den Wunsch der Allgemeinheit auf eine hohe Durchimpfung der Gesellschaft behandelt. Denn nur wenn große Teile der Bevölkerung gegen die jeweiligen Infektionskrankheiten geimpft oder immun sind, kann eine Ausbreitung der Krankheit und damit eine Epidemie verhindert werden.

Highlights des Films sind sicher die Ergebnisse des schwedischen Arztes Dr. Peter Aaby, der in Langzeitstudien (etwa 50 Jahre) nachweisen konnte, dass Impfen mit Lebendimpfstoffen (z.B. Masern, Mumps, Röteln, früher auch Pocken und Kinderlähmung) nicht nur einen Ausbruch genannten Krankheiten verhindern, sondern dass eine solche Impfung einen positiven Effekt auf die Krankheitsanfälligkeit der Kinder im Allgemeinen haben. Diese Wirkung konnte bei den Impfstoffen mit abgetöteten Erregern, die Aluminium als Wirkstoffverstärker enthalten (z.B. Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, jetzt auch Polio) nicht nachgewiesen werden. Hier traten teilweise sogar negative Ergebnisse auf.

Nach den Aussagen von Dr. Aaby hat der Regisseur in seinem Film folgendes Fazit gezogen: Kinder sollten unbedingt geimpft werden, vorzugsweise gegen Erkrankungen für die ein Lebendimpfstoff vorliegt. Kann nur mit abgetöteten Erregern geimpft werden, sollte einige Zeit danach eine Impfung mit Lebendimpfstoff erfolgen, denn dadurch wird auch die allgemeine Immunabwehr gestärkt. Das hat auch Auswirkungen auf die anderen Krankheiten von Kindern wie Schnupfen, Ohrenentzündung, Grippe, Husten etc. Denn auch diese Erkrankungen treten dann statistisch gesehen seltener auf.

"Eingeimpft" ist ein hervorragend gemachter Film. Er ist durch den autobiografischen Ansatz spannend anzusehen; er ist trotzdem gut recherchiert und besonders durch die animierten Erklärungen auch für Laien sehr gut verständlich. Dabei wurde im Film immer darauf geachtet, dass die Argumente von beiden Seiten - also Impfbefürworter als auch Impfgegner - ausgelotet werden. Deutlich ist aber auch, dass der Regisseur sich besonders mit den Vorbehalten kritisch auseinander gesetzt hat und dass am Ende eine Impfempfehlung ausgesprochen wird.

Der Dokumentarfilm wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) mit dem Prädikat besonders wertvoll versehen. Er ist gut recherchiert, spannend, sehr persönlich und auch für Laien verständlich. Negativ fällt eigentlich nur die leider manchmal doch etwas aufdringliche Musik von Jessica de Rooij auf, aber das sollte den Film nicht abwerten. Der Film richtet sich in erster Linie an betroffene Eltern, er ist aber für gesundheitspolitisch interessierte Laien unbedingt sehenswert.

Foto: David Sieveking mit Tochter Zaria © Farbfilm Verleih

Info:
Eingeimpft (Deutschland 2018)
Genre: Dokumentation
Filmlänge: 95 Min.
Drehbuch und Regie: David Sieveking
Verleih: Farbfilm Verleih
FSK: ab 0 Jahren
Kinostart: 13.09.2018