Bildschirmfoto 2018 11 10 um 22.02.28Wiesbadener Filmfestival vom 16. bis 25. November

Claus Wecker

Wiesbaden (Weltexpresso) - Ein Menschenleben ist nicht viel wert in dem philippinischen Neo-Noir-Thriller »Neomanila«. Toto, ein junger Mann in Manila, ist gerade Waise geworden. Er findet familiären Zusammenhalt in einer Bande, die verdächtige Drogendealer auf Geheiß des Präsidenten Rodrigo Duterte umbringt. Zu der Anführerin Irma, einer gewissenlosen Killerin, scheint sich eine Mutter-Sohn-ähnliche Beziehung zu entwickeln. Doch Sentimentalitäten sollte man sich von dem durchweg nachts spielenden Drama des philippinischen Regisseurs Mikhail Red nicht versprechen.

Mit seinem Independent-Werk wird er persönlich am 16. November das Festival in der Caligari FilmBühne eröffnen. »Neomanila« steht für die Art von Filmen, die exground zum heißen Tipp für Cinephile gemacht haben. Ohne großen Aufwand gedreht, schmutzig und kantig, aber mit viel Energie treiben sie oft einem ›unhappy ending‹ entgegen.

Die Philippinen, wo mehrere solcher Filme entstanden sind, bilden in diesem Jahr den Länderschwerpunkt. Auch Mikhails Vater Raymond Red, der Pionier des alternativen philippinischen Kinos und Palme d’or-Gewinner von Cannes, ist eingeladen, um seinen Film »Himpapawid« (Manila Skies, 2009) in Wiesbaden vorzustellen.

Wenn von den Independents die Rede ist, dürfen die US-Amerikaner nicht fehlen. »Under the Silver Lake« von David Robert Mitchell ist eine etwas lang geratene Hommage an Comics und klassische Hollywood-Filme, die zitiert und auch parodiert werden. Eine Menge Hitchcock, »Vertigo« vor allem, ist zu erraten, von »Invasion of the Body Snatchers« gibt es einen Ausschnitt, zum Schluss wird auf »Die Reifeprüfung« angespielt. Das sind nur drei Beispiele aus dem originellen und zudem glänzend von Mike Gloulakis fotografierten Film, der hierzulande auch einen Verleih bekommen hat.

Insgesamt werden rund 180 Produktionen einen Überblick über die Jahrgänge 2017/18 bieten. Neben Spiel- und Dokumentarfilmen gibt es wieder die legendären Kurzfilmprogramme, für viele Besucher die eigentlichen Höhepunkte von exground.

Das Festival widmet sich auch sozialen Belangen. Im Wettbewerb um DAS BRETT zeichnet eine Gefangenenjury aus der JVA Wiesbaden zum dritten Mal einen Film aus der Sektion »Made in Germany« aus.

Die 15. Ausgabe der »exground youth days« wird mit dem belgischen Debütfilm »Girl« von Lukas Dhont eröffnet. Die 15-jährige Transgender Lara versucht mit hartem Training eine Ballerina zu werden. Tänzer und Schauspieler Victor Polster verkörpert die aufstrebende Tänzerin in einer faszinierenden Performance.

Das 10. Kinderfilmfestival »Klappe 7« präsentiert am Sa., 24. November, Kurzfilme, die von Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren produziert worden sind.

Bei vielen Vorführungen in der Caligari FilmBühne und im Murnau Filmtheater, den Spielorten des Festivals, werden Filmemacher zugegen sein. Im Murnau Filmtheater sind Filmplakate zur Schwerpunktreihe »Fokus Philippinen« ausgestellt. Im Nassauischen Kunstverein sind unter dem Titel »Paradise Lost« drei Video-Installationen von der in Manila geborenen Martha Atienza zu sehen. Nach dem Eröffnungsfilm steigt eine Party im Kulturpalast. 

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