hwk 9634Die ABBA-Show ließ die legendäre Popgruppe wiederauferstehen

Hanswerner Kruse

Fulda (Weltexpresso) - Pünktlich wird es dunkel im Saal: Zuckende Lichtblitze. Musikfetzen. Stimmengewirr. Radioknistern. Schließlich die berühmte Ansage: „The winner is Waterloo“: Dam. Dam. Dam. Dam. Zum monotonen Intro wird es hell. „My, my at Waterloo...“ singend, kommen Agnetha und Anni-Frid auf die Bühne. Die Show beginnt mit dem Hit, der beim Eurovision Song Contest 1974 den Weltruhm der Gruppe begründete. Es folgen „Voulez-Vous“, „Eagle“, „Mama Mia“ - spätestens jetzt reißt die Cover Band „ABBA Gold“ das Publikum von den Sitzen, fast alle klatschen den Takt, viele singen mit, einige tanzen. Die Zeitreise lässt die 1970er-Jahre wiederaufleben, als die meisten im Saal jung waren und das schwedische Quartett liebten.

Alle ABBA-Avatare ähneln den Originalen, den Paaren Agnetha Fältskog und Björn Ulvaeus sowie Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad. Die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen bildeten einst den Bandnamen. Deutlich im Hintergrund verstärken zwei Musiker die Gruppe, welche Originalsound, Gesänge und damalige Bühnenschau perfekt imitiert. Alle Lichteffekte sind bescheiden, die Sängerinnen wechseln häufig ihre flatterigen Kleider. Dominierend wie einst ist die blonde Agnetha, manchmal singt sie allein im Scheinwerferlicht beispielsweise „The winner takes it all.“ Viele Songs tragen sie und Ani-Frid im einstimmigen Duo vor. Die Männer halten sich wie früher zurück, brummen höchstens mal als Background-Sänger mit.

Die Texte wirken schlicht und eingängig, nach den gesungenen Strophen werden die Refrains vielfach wiederholt und zu mächtigen Ohrwürmern. Noch beim Schreiben hat der Rezensent ständig „Sup-p-per Troup-p-per“ im Kopf. Jedoch spätestens bei „Fernando“ oder „Chiquitita“ wird im Konzert deutlich, dass ABBA auch ernsthaft von persönlichem Trennungsleid und politischen Ereignissen erzählen konnte.

Im ersten Teil des Abends sind die Sängerinnen körperlich ziemlich zurückhaltend, bewegen sich synchron mit wenig Hüftschwung aber gleichen Schrittfolgen und wedelnden Händen. Das ändert sich nach der Pause, als die ganze Band in glamourösen Judo-Anzügen erscheint und sie zu „Gimme! Gimme! Gimme!“ oder „SOS“ aus dem engen ABBA-Korsett auszubrechen scheint, die Musik rockiger und die Bewegungen wilder und erotischer werden. Allerdings zeigen einige Klicks bei YouTube, dass ABBA live nicht immer so brav war wie in den Anfangsjahren.

Mit ihren Songs haben die Schweden kaum musikalische Erneuerungen angeregt und auch nicht den Glamrock begründet, wie die Veranstalter des Abends fälschlich behaupten. Doch zehn Jahre lang, bis zur Auflösung 1982, musizierte sich die Gruppe weltweit an die Spitze der Hitparaden und schuf ein beträchtliches Oeuvre, das bis heute unvergessen ist und die Menschen immer noch berührt und begeistert.

Erstaunlich ist im Nachhinein ABBAs schlichte Bühnenschau, denn immerhin gab es bereits 1972 bei der Bandgründung Alice Cooper, Roxy Music oder David Bowie, die ganz anders die Rampe beherrschten. Vielleicht haben aber auch die Musiker seit Michael Jackson mit ihren exzentrischen Inszenierungen unsere heutige Sichtweise verändert?

Jedenfalls nach zwei Dutzend gut bekannten und oft mitgesungenen Songs, ertrotzte das begeisterte Publikum als Zugabe natürlich noch „Thank you for the music“.

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© Hanswerner Kruse