hwk 2Fuldaer Kunstverein eröffnet sein neues Domizil

Hanswerner Kruse

Fulda (Weltexpresso) - Mit der sehr gut besuchten Ausstellung - „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...“ - eröffnete der Fuldaer Kunstverein am letzten Wochenende sein neues Domizil in der Habsburgergasse. Zur Vernissage kamen so viele Neugierige und Mitglieder des Vereins, dass die ausgestellten Kunstwerke zeitweilig kaum zu sehen waren. Doch dafür war die Freude über den gelungenen Umzug, die faszinierenden neuen Räume in dem alten Gemäuer sowie die hervorragend kuratierte Gemeinschaftsschau riesengroß.

Vergessen waren Ängste und Sorgen etlicher Zweifler, dieses Projekt auch organisatorisch und finanziell stemmen zu können; zahllose Helfer und Sponsoren trugen dazu bei.

hwk 1Nach den sanften Gesängen der Musikerinnen Soja Garcia Burgos und Helena Cruzate schilderte Dr. Tomas Heiler, Leiter des Kulturamtes, die Geschichte des im 13. Jahrhundert erbauten Hauses. Er hoffe darauf, dass der Kunstverein den über 40 freigelegten Putzfarbschichten der Vergangenheit einige weitere Schichten hinzufüge. Die strahlende Vorsitzende des Vereins, Anne Härtel-Geise, empfahl noch einmal zu kommen, um die gesamte Ausstellung in Ruhe zu genießen.

Das war ein sinnvoller Ratschlag, denn es ist faszinierend, wie sich die größtenteils vortrefflichen Arbeiten sowohl aufeinander beziehen, als auch mit den großartig restaurierten Räumen kommunizieren: Manche Kunstschaffenden zitieren den Titel der Ausstellung aus Hermann Hesses Gedicht „Stufen“ in ihren Objekten oder machen, wie Alexander von Pazatka, in seinem großen Doppel-Acrylbild „Steppenwolf“, den Dichter zum Thema. Andere erklären den Anfang, dem ein Zauber innewohne, als Beginn neuer Liebesbeziehungen - wie Birgit Hackbarth mit ihrem Objekt „Liebes Paar“ und Tanja Röder in ihrer Tuscheskizze „Paar“.

Viele Künstlerinnen und Künstler beziehen das Thema auf die Veränderung der Natur, etwa Hannah Wölfel mit ihren Keramikobjekten „Frühlingserwachen“ oder Monika Schmidt mit ihren Ölbildern „Sonnenaufgang“. Abstrakte Arbeiten wie Alexander Litwinows Metallskulptur „Entstehung“ oder Mona Löfflers geschichtete Fotografie „Meer“ runden die Exposition ab.

hwk 3Hesses hoffnungsvolles Gedicht verweist auf die Möglichkeit des Neuen: „...es wird vielleicht auch noch die Todesstunde / Uns neuen Räumen jung entgegen senden...“ Insgesamt zu kurz kam das Thema Abschied, den aber Britta Jacobi in ihrem großen Doppelporträt eines gestorbenen jungen Mannes ausdrückte: „What is behind the curtain?“, betitelte sie ihr Werk, was ist hinter dem Vorhang?

Die Gestaltung des kleinen Kemenatenraums (Kaminraum), gleich links neben dem Eingang, zeigt vielleicht die gelungenste Synthese von Kunst und Raum in diesem Projekt: Die unverputzte Wand gegenüber dem Eingang, mit ihren zahlreichen freigelegten Farbschichten, wirkt wie ein abstraktes Gemälde. Der Raum wird durch Spiegel in den alten Fensterhöhlen dieser Wand vergrößert, die abstrakten Skulpturen Litwinows und Pazatkas korrespondieren mit dem Hintergrund. Im Kamin steht das Objekt Hackbarths, in den Fensternischen zur Straße links und rechts je eine weiße Ton- Alabasterskulptur von Günther Heinisch.

Mit dieser Ausstellung von 56 Werken der 38 Kunstschaffenden und den neuen Räumen in der Altstadt betritt der Kunstverein gewiss eine weitere neue Stufe, die Inspiration und Verpflichtung zugleich ist.


Fotos :
© Hanswerner Kruse

Info:
Die Ausstellung ist bis zum 22. April von Donnerstag bis Sonntag von 15 - 18 Uhr geöffnet. Habsburgergasse 2 (am Dahliengarten zwischen Hexenturm und Bonifatiusplatz)