hwk 4 1935Auf den Spuren zeitgenössischer Kunst in Thailand, Teil 2/2

Hannah Wölfel & Hanswerner Kruse

Thailand (Weltexpresso) - Durch Krabi im Süden kommen fast alle Touristen, die auf die beliebten Inseln wollen. An der Uferstraße überraschen uns wunderbare Kunstwerke im Freien: Riesige eiserne Krabben oder umgekehrt eingepflanzte Bäume, die unverdrossen weiterwachsen. Vor einigen Jahren fanden wir hier das leere verfallene Museum of Contemporary Art. Nur noch große goldene Ampelmännchen erinnerten an bessere Kunst-Zeiten. Doch nun will sich der Transitort als Kulturstadt etablieren.

„Edge of Wonderland“ heißt die mehrmonatige Freiluftausstellung, die im Landkreis Krabi stattfindet. Oft fühlt man sich tatsächlich wie am „Rande des Wunderlandes“, viele der Land-Art-Objekte verändern die Wahrnehmung: „Ist das jetzt Kunst oder Natur?“, fragt man sich häufig. Eine Bootsfahrt durch die Mangrovenwälder wird zum Nachtmahr, weil wir in den knorrigen Luftwurzeln Dämonen zu sehen meinen. Am überfüllten Ao Nang Beach stehen im Watt drei geflochtene hölzerne Gebilde vor der felsinselreichen Bucht. Die „Geisterinseln“ (Titel), beziehen sich auf die kleinen Geisterhäuschen, die in Thailand vor allen Häusern stehen.


Zurück in Bangkok die Suche nach verstreuter Kunst

hwk 5 9939Am Ende unserer Reise besuchen wir die in der Stadt verteilten Objekte der Biennale: Im alten Asienkontor sehen wir eine silbrige Rauminstallation, radikale Performances einer Künstlerin oder fliegende weibliche Engelskulpturen. In manch religiösen oder Finanz-Tempeln Bangkoks sind die Werke - als Environments - häufig auf die Orte bezogen. In den kolossalen gläsernen Hallen der Bank of Thailand prangern zusammengezimmerte, grell bemalte Holzhütten die Verdrängung der Bewohner an.

Auch in den luxuriösen Warenlandschaften um das BACC ist Biennale-Kunst installiert. Doch im reißerischen und hwk 5 1090159lärmenden Konsumrummel gehen selbst die zu einem Stern zusammengefügten Maschinenpistolen (aus Plastik) eines Künstlers unter: Warenästhetik und ambitionierte Kunst sind ununterscheidbar.

Neben den Werken der Land Art oder den Versuchen der Annäherung von Kunst und Realität gelingt den thailändischen Kunstschaffenden auch in vielen nicht ortsbezogenen, autonomen Arbeiten die Synthese von buddhistischer Tradition mit westlichen Einflüssen. Im riesigen, fünfstöckigen Museum of Contemporary Art (MOCA) sind zahlreiche sozialkritische, surrealistische und andere dieser Arbeiten ausgestellt. Die meisten Artefakte wirken allein durch sich selbst im „weißen Würfel“ des Sammlers Boonchai. Eine ganze Etage mit seinen Gemälden ist hier Duchanee, dem Erbauer des Black Hauses, gewidmet. Übergroße farbkräftige, fantastische Darstellungen von Menschen und Tieren machen das Ungezähmte der irdischen Fauna spürbar, legen die Unterströmung der modernen Thai-Welt bloß.

Boonchais Sammlung präsentiert eine umfassende exemplarische Übersicht der modernen Kunst in seinem Land, über die er sagt: „Die thailändische Kunst führt Sie unter die vordergründige Oberfläche der thailändischen Kultur und zeigt das wahre Thailändische in all seinen komplexen und faszinierenden Facetten.“


Fotos:
© Hanswerner Kruse

Info:
BACC Kunst- und Kulturzentrum Bangkok: http://en.bacc.or.th
MOCA Museum zeitgenössischer Kunst Bangkok: https://mocabangkok.com
MAIIAM Museum zeitgenössischer Kunst Chiang Mai: http://www.maiiam.com