Fusionsexperte Schweizer: Feindliche Übernahmen immer besonders riskant und: Kulturelle Differenzen nicht unterschätzen

 Manfred Schröder

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Während innerhalb der Redaktion von WELTEXPRESSO noch weiter über die Berichterstattung und Einschätzung der (noch dazu teuren) Übernahme von Riesenchemie/lebensmittelkonzern MONSANTO durch BAYER diskutiert wird, hat die Goethe-Universität längst eine Stellungsnahme herausgeben.

Lars Schweizer, Professor für BWL und Management an der Goethe-Universität Frankfurt, bezeichnet die geplante Übernahme von Monsanto durch den deutschen Pharmariesen Bayer als große Herausforderung. Neben der kulturellen Differenz und der strategischen Neupositionierung von Bayer, die durch die Übernahme nötig werde, weist Schweizer insbesondere darauf hin, dass es sich um eine im Ursprung feindliche Übernahme handelt.

 

„Das bedeutet, dass Bayer sich Monsanto bislang nur von außen anschauen konnte. Man kennt die Interna und genauen Zahlen des Konzerns gar nicht, sondern hat einfach ein Angebot auf Basis des Marktpreises gemacht.“ Ob dieser Preis tatsächlich gerechtfertigt ist, werde sich für Bayer erst nach und nach herausstellen. Im Durchschnitt scheitere rund die Hälfte aller Übernahmen (siehe Interview mit Lars Schweizer von Dezember 2015: www.wiwi.uni-frankfurt.de/forschung/forschung-aktuell/details/article/machen-und-ausbaden.html).

 

Mit Blick auf die kulturelle Distanz verweist Lars Schweizer auf das Beispiel Daimler-Chrysler. „Die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den USA sollte man nicht unterschätzen.“ Der zunächst als „Hochzeit im Himmel“ gepriesene Zusammenschluss des deutschen Autobauers Daimler mit dem US-Konzern Chrysler im Jahr 1998 wurde 2007 wieder rückgängig gemacht, nachdem sich die gesteckten Ziele nicht realisieren ließen und beide Unternehmensteile mehrere zig Milliarden Euro an Wert verloren hatten.

 

Darüber hinaus weist Schweizer darauf hin, dass die Übernahme von Monsanto die Gewichte im Bayer-Konzern verschieben und somit eine strategische Neupositionierung nötig machen werde. „Bei einer solchen Neuausrichtung ist immer die Frage, ob die Mitarbeiter und Kunden mitziehen.“ Der eher schlechte Ruf von Monsanto und insbesondere dessen umstrittenes Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat seien dabei sicherlich nicht sonderlich hilfreich.

 

Hinzu komme der beträchtliche Kaufbetrag, den Bayer erst einmal finanzieren müsse. Schweizer betont in dem Zusammenhang, dass diesem Betrag keine sorgfältige Buchprüfung zugrunde liegt, sondern letztlich allein der Marktwert des US-Konzerns. „Eine Übernahme, die auf ein feindliches Angebot zurückgeht, birgt damit immer ein noch größeres Risiko, als es Fusionen ohnehin darstellen.“ Insgesamt sei die geplante Übernahme von Monsanto somit eine enorme Herausforderung für den Leverkusener Konzern, deren Erfolg oder Misserfolg sich erst nach Jahren angemessen beurteilen lasse.

 

Foto: (c) deutschlandfunk.de

 

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