Bildschirmfoto 2019 10 30 um 02.54.05Lektorat Niederländisch der Goethe-Uni rückt in ihrer Veranstaltungsreihe „Niederländische Sprache und Literatur“ die Übersetzungsleistung ins Deutsche ins Licht

Katharina Klein

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Dass es ohne Übersetzungen keine Weltliteratur geben würde, wurde bei der Eröffnung der diesjährigen Buchmesse noch mal betont. Diese Erkenntnis ist zwar nicht neu, aber erst allmählich bekommen die literarischen Übersetzer und Übersetzerinnen auch die Aufmerksamkeit, die ihnen zusteht. Das Programm der Veranstaltungsreihe „Niederländische Sprache und Kultur“ rückt in diesem Semester die Übersetzerinnen und Übersetzer der niederländischen Literatur ins rechte Licht.


Am 7. November, um 19 Uhr
im Casinogebäude (Campus Westend), Raum 1.812

gehen zwei erfahrene literarische Übersetzerinnen miteinander ins Gespräch: Die preisgekrönte Bettina Bach, Übersetzerin (Else-Otten-Preis 2014) so namhafter niederländischer Autoren wie Jan Siebelink, Marente de Moor, Mano Bouzamour und Tommy Wieringa, wird an jenem Abend tiefer auf die Übersetzung des außergewöhnlichen Romans „Santa Rita“ von Tommy Wieringa eingehen. Die in Prag geborene Eva Profousová wiederum, mehrfach preisgekrönte Übersetzerin aus dem Tschechischen von zeitgenössischen Autoren wie u.a. Radka Denemarková und Jáchim Topol, wird auf die Herausforderung, einen Roman wie „Ein empfindsamer Mensch“ ins Deutsche zu übertragen, eingehen. Diese Veranstaltung wird auch von der Weltlesebühne, einem eingetragenen Verein, der sich für die Sichtbarmachung der Literaturübersetzer einsetzt, unterstützt.


Am 21. November, um 19 Uhr
im Casinogebäude (Campus Westend), Raum 1.812

liest der flämische Schriftsteller Jonathan Robijn (Jahrgang 1970) aus seinem 2019 beim Nautilus Verlag auf Deutsch erschienenen Roman „Kongo Blues“ vor. Die Lesung ist zweisprachig. „Kongo Blues“ ist ein leiser, aber spannender Roman, der im Brüssel der achtziger Jahre spielt. Die Hauptperson Morgan ist ein farbiger Jazzmusiker mit afrikanischen Wurzeln. Seine genaue Herkunft kennt er nicht, da er als kleiner Junge von einem kinderlosen belgischen Ehepaar adoptiert wurde. Allmählich löst sich für ihn, und damit auch für den Leser, seine Vergangenheit aus den Nebeln der kolonialen belgischen Geschichte, und zwar durch die rätselhafte Erscheinung einer jungen Frau namens Simona, die nach einiger Zeit ebenso mysteriös wieder aus seinem Leben verschwindet.

Der Autor, der viele Jahre für die Organisation Ärzte ohne Grenzen tätig war, fand den Stoff für diese Geschichte während eines Einsatzes in Burundi.



Der niederländische Autor Martin Michael Driessen (Jahrgang 1954), dessen drei Erzählungen „Rivieren“ vor kurzem unter dem Titel „An den Flüssen“ beim Wagenbach Verlag auf Deutsch erschienen sind, kommt zusammen mit seinem Übersetzer Gerd Busse (u.a. bekannt von der Übersetzung von J.J. Voskuils siebenteiligem Werk „Das Büro“)

am 4. Dezember, um 19 Uhr,
ins Casinogebäude (Campus Westend), Raum 1.801 (Renate von Metzler-Saal)

der Goethe-Universität. Zusammen werden sie deutsche und niederländische Auszüge aus den Erzählungen lesen und miteinander über die Übersetzung ins Gespräch gehen.

In „An den Flüssen“ schlängelt sich durch jede Erzählung ein Fluss wie ein roter Faden und ist mal Symbol für Bewegung, mal für Abgrenzung. Die Landschaften, die durchquert werden, liegen in Frankreich und in Deutschland. Aber auch Epochen werden durchquert. Driessen war als Regisseur an zahlreichen deutschen Theaterhäusern tätig und hat selber viele Stücke übersetzt. Seine langjährige Beschäftigung mit Literatur findet ihren Niederschlag in einer zeitlosen, fast archaischen Sprache, allgemein menschlichen, zeitlosen Themen, einem souveränen Stil und einer genauen Komposition der Geschichten. Die Erzählungen sind so formvollendet, dass sie wie aus einer anderen Zeit zu stammen scheinen.

Diese Veranstaltung ist Teil des Programms der „Kleine Fächer“-Wochen.

Foto:
© dw.com

Info:
Alle Veranstaltungen sind frei und eine Anmeldung ist nicht erforderlich