kpm hbgDer »kleine Holocaust« made in Limburg an der Lahn

Klaus Philipp Mertens

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Mit der deutschen Sprache steht Markus Stillger etwas auf Kriegsfuß. Doch bildungsferne Vereinfacher sind wegen ihrer verbalen Gewalt als Schreibtischtäter gefürchtet.

Und deswegen verwundert es nicht, dass man Sätze wie diesen auf Stillgers Internet-Blog findet: »Der Mob, der da wütete, sind keine Bürger, das sind für mich Arschlöcher, die jegliche Rechte, die ein Straftäter in Deutschland „geniesst“, verwirkt haben.«
Wer ein solches Nichtdenken an den Tag legt, fordert auch bereits eine Bestrafung, bevor eine Tat begangen wurde:
»Und gehört bestraft, BEVOR er Unheil anrichtet.«

Dass der Rechtsstaat zur Aufrechterhaltung der allgemeinen Rechtssicherheit juristische Hürden aufstellt, damit das Gewaltmonopol des Staats nicht missbraucht werden kann, wird ignoriert. Eine Meldung von „Focus-Online“, der zufolge der anwaltliche Notdienst eine massive Behinderung durch Polizei und Justiz in Hamburg beklage, kommentiert Stillger so, wie es ihm sein schlichtes Bauchgefühl einflüstert: »Liebe Mitarbeiter vom „anwaltlichen Notdienst“. Wie schmerzfrei muss man sein, um überhaupt solche Typen zu verteidigen. Ihr habt doch genug Prozessfälle im Land. Wenn ich mir so etwas antun müsste – ich glaube, ich würde mir überlegen umzuschulen.«

Ausführlich wird eine Nachricht aus „BILD LIVE TICKER vom 9. Juli zitiert:

„Am Hamburger Hauptbahnhof ist ein Sonderzug losgefahren, der G20-Gegner in Richtung Basel bringen sollte. Die Abfahrt verzögerte sich um gut eine Stunde, weil die Polizei die Personalien von Mitfahrenden aufnehmen und Videos von ihnen machen wollte. Mit der Maßnahme sollte nach mutmaßlichen Straftätern gesucht werden. Letztlich kontrollierten die Beamten nur oberflächlich. Festnahmen gab es nicht.“

Stillgers Kommentar dazu erfüllt sämtliche Erwartungen, die er mit seinen Äußerungen weckt:

»Das lasse ich mal unkommentiert mit der Frage stehen: Hatten die alle eine Fahrkarte oder wer hat diesen Zug finanziert ? Oder waren das alle friedliche Demonstranten ? Dann sollten die die Zugfahrt mal nutzen um nachzudenken, ob das denn künftig überhaupt Sinn macht. Wenn allerdings „Vermummte“ in den Zug eingestiegen sind, dann fehlen mir echt die Worte !«

Doch der Inhaber einer Vermögensberatung im zwar beschaulichen, aber anscheinend besonders reaktionären Limburg an der Lahn (man erinnere sich an den Fall der Brüder Ralf und Reiner Bender) vermag seine Aggressionen noch zu steigern: »Da brauchen wir schnellstens eine internationale Sonderkommission, die da mal einen (ich formuliere das mal bewusst provokativ) „kleinen Holocaust“ veranstaltet und diesen Puff ausräuchert.«

Bereits bei einer flüchtigen rechtlichen Bewertung dieses gefährlichen Unsinns fallen in diesem Pamphlet mehrere strafbewerte Vergehen auf:

Verdachts der Volksverhetzung (Verherrlichung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft speziell der des Holocausts).
Infragestellung des Gewaltmonopols des Staats (Aufruf zur Selbstjustiz).
Beleidigung eines Organs der Rechtspflege (Anwaltnotdienst in Hamburg).

Man darf gespannt sein, wie die Limburger Justiz reagiert. Denn erste Strafanträge sind anscheinend bereits unterwegs an sie.


Foto: © Neues aus dem Tower

Info:
Wem jetzt noch nicht übel ist, kann sich auch direkt ein Bild machen:

https://www.markus-stillger.de