c marxbuchEine notwendige Debatte über Wege und Ziele der Emanzipation; Unrast-Verlag 2018, Teil 1/2

Thomas Adamczak

Darmstadt (Weltexpresso) - Endlich mal wieder eine richtig gute Idee: Eine Gruppe politisch engagierter Leute trifft sich regelmäßig über einen längeren Zeitraum in Berlin und setzt sich mit der Frage auseinander, wie eine wünschenswerte Gesellschaft aussehen sollte.

Die sieben Mitglieder der Gruppe versuchen also eine Antworten auf Fragen wie die folgenden zu geben: Wie wollen wir leben? - Was stellen wir uns eigentlich unter einer »befreiten Gesellschaft« vor? - Und: Wie kann eine solche für uns alle freiere Gesellschaft erreicht werden? Welche Schritte dorthin sind vorstellbar?

Stellen wir uns vor, ein solches Beispiel machte Schule! Überall, ich betone überall, würden sich kleine Gruppen von Menschen zusammenfinden, um in Ruhe und mit Bedacht über diese Fragen ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen.

Die Ergebnisse all dieser Gespräche könnten zusammengestellt, ausgewertet und auf digitalem Wege zurückgespiegelt werden in sämtliche Gruppen, in denen die Auseinandersetzung mit den Fragen und den vorläufigen Antworten fortgesetzt würde. Nach und nach würde in der gesamten Gesellschaft, ja weltweit über die Frage eines guten Lebens auf dieser Erde diskutiert, und es würden Forderungen gestellt und praktische Konsequenzen folgen. Und so weiter und so fort!

Schritte hin zu einer globalen Basisdemokratie. Permanentes öffentliches Nachdenken über die Frage: Wie wollen wir leben in dieser unserer Welt? Eine Frage, die schon Adam und Eva und Kain und Abel und all die anderen, die danach kamen, gemeinsam hätten besprechen sollen. Was hätte zum Beispiel Kain dem Bruder gesagt, wenn die Brüder über ein für sie beide gutes Leben hätten sprechen können, statt sich vom »Herrn« abhängig zu machen?

Soweit der Traum von einem weltweiten herrschaftsfreien Diskurs über ein besseres, ein von unnötigen Zwängen befreites, emanzipiertes Leben.

Jetzt aber erst einmal ein paar Stichpunkte zu den Ergebnissen der Debatte« über »Wege und Ziele der Emanzipation« in dieser sich »SEK« nennenden Gruppe (»Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus«) ,veröffentlicht in einem schmalen Band des Unrast-Verlags, Münster.

Vorab noch eine Frage an die Leserin und den Leser: Welcher der folgenden Konkretisierungen dieser vorgestellten freieren Gesellschaft können Sie, liebe Leserin, lieber Leser, zustimmen? Bei welchen wiegen Sie, bei welchen schütteln Sie den Kopf?

Die »befreite Gesellschaft« ist eine »autonome Gesellschaft«, wird in einem der Gesprächsbeiträge ausgeführt. Darunter wird eine Gesellschaft verstanden, die sich ihre Regeln, nach denen sie funktionieren soll, selbst gibt, wobei diese Regeln jederzeit zur Disposition gestellt oder auch im Konsens modifiziert werden können.

Diese utopisch anmutende Gesellschaft akzeptiert als Grundprinzip: wechselseitige Hilfe! In dieser Gesellschaft sind Genderpolaritäten überwunden, und ethische, völkische, nationale sowie religiöse Identitätskonstrukte erschweren nicht länger das Zusammenleben.

Es gibt kein Eigentum an Produktionsmitteln mehr, denn oberstes Gesetz ist, dass alle Menschen freien Zugang zu den weltweiten Reichtümern haben. Sämtliche Entscheidungen und Beschlüsse, die die Gesellschaft betreffen, werden egalitär ausgehandelt. Jegliche Form von Herrschaft ist überwunden. Das Alltagsleben wird hierarchiefrei organisiert. Überhaupt gilt, dass Arbeit und Leben selbstständig und selbstbestimmt organisiert werden.

Die notwendige Arbeitszeit wird so weit wie möglich reduziert, die »miesen« (unattraktiven) Arbeiten müssen von allen verrichtet werden. Im Idealfall treten alle Menschen weltweit miteinander in einen Diskurs darüber, welche Bedürfnisse befriedigt und in welche Richtung die Bedürfnisse entwickelt werden sollten.

Das Ziel einer künftigen befreiten Weltgesellschaft wäre es, dass es im Sinne des Wortes »befriedigende Beziehungsweisen« zwischen den Menschen gibt. Gleiche, freie und solidarische Beziehungsweisen, womit die ursprüngliche Zielsetzung der Französischen Revolution wiederbelebt würde.

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Erneuter Versuch über die Befreiung. Eine Debatte über Wege und Ziele der Emanzipation; Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus (Hg.); Münster 2018
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