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DORON RABINOVICI , Schriftsteller und Historiker aus Österreich, meldet sich zu Wort

Redaktion tachles
 

Wien (Weltexpresso) - Nicht nur in Israel, auch in der Diaspora melden sich immer mehr jüdische Intellektuelle zu Wort und äußern sich öffentlich mit Entsetzen über die antidemokratischen Entwicklungen im jüdischen Staat. Israel steht möglicherweise kurz davor, die Voraussetzungen für eine Diktatur zu schaffen. Nun hat sich auch der österreichische Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovici zu Wort gemeldet. Auch er geißelt die Vorgänge und macht sich Sorgen, was es nicht nur für Israel, sondern auch für die Juden in der Diaspora bedeuten würde, wenn nach 75 Jahren in Jerusalem keine Demokratie mehr herrschen würde:

«Wenn die Demokratiebewegung [gemeint sind die Demonstrationen gegen die Pläne der Regierung] scheitert, droht das Land, das gegründet wurde, damit Juden nicht mehr Ausgestoßene sind, sondern in Würde und Freiheit leben können, zu einem zu werden, in dem Juden, die in Freiheit und Würde leben wollen, Ausgestoßene sind.»

Mit anderen Worten, was Rabinovici etwas klausuliert sagt: Israel wäre damit für Juden keine Option mehr. Das ist nicht nur ideell eine Katastrophe, sondern auch ganz konkret. Überall in Europa steigt der Antisemitismus, auch und gerade im Heimatland des Schriftstellers. Was aber geschieht, wenn Juden sich in der Diaspora nicht mehr sicher fühlen, aber auch in Israel nicht mehr sicher fühlen können? Es wäre ein Paradigmenwechsel in der jüdischen Geschichte, der alles übertrifft, was Juden vor der Shoah kannten, beziehungsweise nicht kannten: Da gab es Israel als Option nicht. Jetzt schon (noch). Aber was, wenn es Israel weiterhin geben sollte, aber man sich als liberaler Jude einfach dort nicht mehr sicher fühlen kann? Wohin dann im Ernstfall?

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Nachdruck des Artikels mit freundlicher Genehmigung aus dem Wochenmagazin TACHLES vom 24. März 2023