Drucken
Kategorie: Film & Fernsehen
SCHATTENSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 13. März 2025, Teil 6

Redaktion

Berlin (Weltexpresso) - „Ich betreibe enorm viel Recherche, um Platz für Fiktion zu schaffen." Ihr beruflicher Werdegang ist eher ungewöhnlich. Haben Sie das Filmen durch Reisen gelernt?

Mit 18 Jahren nahm ich eine Kamera in die Hand und machte mich auf eine Reise, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben. Ich reiste von einem Land zum anderen und wurde nach einer zufälligen Begegnung - auf einem Boot, das den Jamuna-Fluss in Bangladesch hinauffuhr - beauftragt, Inhalte für eine Bilddatenbank zu filmen - auf eigene Faust und mit nahezu keinen Einschränkungen. Ich bereiste und filmte in Iran, Sudan, Pakistan, ganz Südamerika, Afrika und den Nahen Osten. Dabei lernte ich, Gesichter und Räume einzufangen und eine Atmosphäre in nur wenigen Aufnahmen zu vermitteln. In gewisser Weise lernte ich so das Filmen und wurde Filmemacher.


Haben Sie während einer dieser Reisen in Syrien gelebt?

Ja. Mit etwa zwanzig Jahren zog ich nach Aleppo, wo ich begann, Arabisch zu lernen und viele Freunde fand. Ein paar Jahre später brach der Krieg aus und einige meiner Freunde in Aleppo schickten mir Fotos und Videos des Konflikts und des Viertels, in dem ich früher lebte und das während des Krieges völlig zerstört worden war. Sie gingen ins Exil nach Istanbul, wo ich sie wieder traf - im Herzen der syrischen Gemeinschaft in der Türkei - und dann nach Deutschland. Dies war der Beginn ihres langen Exils, das ich auf Schritt und Tritt verfolgte.

Zu diesem Zeitpunkt stellte ich meinen ersten Dokumentarfilm über das Grenzgefangenenlager Ceuta im Norden Marokkos fertig. Dann drehte ich einen kurzen Spielfilm über die Ankunft eines kamerunischen Exilanten in Paris, inspiriert von einer der Figuren des Dokumentarfilms. Mein Ansatz war immer der gleiche: Ich versuchte, einzelne, individuelle Leben einzufangen und die Geschichte des Exils auf menschlicher Ebene zu erzählen.

All meine Jahre der Recherche und Begegnungen haben mir die inneren Wunden und Erinnerungen an den Schmerz gezeigt, die diese Männer mit sich herumtragen. Das ist die Geschichte, die ich erzählen wollte. Ich dachte daran, einen Dokumentarfilm darüber zu drehen und verbrachte mehrere Wochen in einem Behandlungszentrum für Opfer von Krieg und Folter. Ich traf viele Syrer und hörte mir ihre Geschichten über Krieg, Gefangenschaft und Folter an. 

Ihre Worte waren so unglaublich kraftvoll - aber ich konnte nie den richtigen Platz für meine Kamera finden. Wenn ich schreibe, suche ich nach einer Art Licht, nach einer möglichen Hoffnung, ohne jemals die Härte ihrer Realität auszublenden. Ob sich diese Hoffnung zeigt oder nicht, das bewegt den Films. Ich glaube nicht an verzweifelte Dramen oder Tragödien, aus denen es keinen Ausweg gibt.


Haben Sie damals von geheimen Zellen gehört, wie sie in DIE SCHATTENJÄGER gezeigt wird?

Im Laufe meiner Recherchen hörte ich nach und nach immer mehr von Untergrundnetzwerken, Beweisjägern und Gruppen, die monatelang Kriegsverbrecher in Europa aufspürten. Ich spürte, dass hier etwas Mächtiges im Spiel war, und fühlte mich sofort davon angezogen. Diese Entdeckung fiel mit der Veröffentlichung zweier Artikel im April 2019 in Libération über die Von disell Mondie an woltei de dieser Surfrigen. PUtzlich spureichen. dass all meine dokumentarischen Vorbereitungen in dieser Erzählung eine
Form fi n d e n w ü r d e n .


Was hat Sie dazu bewogen, vom Dokumentarfilm zum Spielfilm zu wechseln?
 
Die Sichtweise. Durch die Fiktion fand ich ein Mittel um auf eine für mich erfüllende We i s e über die Realität zu sprechen. Ich verbrachte ein Jahr damit diese Zellen zu dokumentieren, einige ihrer
Mitglieder zu treffen und mir Berichte darüber anzuhören, wie sie Leute beschatten. Dank all dieser Informationen konnte ich Charaktere erschaffen, die v o n d i e s e n B e g e g n u n g e n inspiriert waren.
Obwohl es nie einen Hamid gab, der einen Harfaz verfolgte, basieren die Handlungen, Taten und Charakterzüge der meisten Charaktere auf konkreten Fakten. Die Themen, die den Film antreiben, sind völlig authentisch: die Gründung einer geheimen Zelle, die Suche nach Kriegsverbrechern in Deutschland und Frankreich, die Monate der stillen Beobachtung, Beschattung u n d Zweifel, das Treffen in Beirut um d a s Foto authentifizieren zu lassen, die Spaltung der Gruppe wegen einer Verhaftung durch die Migrationspolitik.

Indem ich die Situation so genau wie möglich dokumentierte, fand ich schließlich den emotionalen Blickwinkel meines Films, bei dem das Thema Trauma in eine Handlung passen konnte, die auf Trauer und den verschiedenen Zukunftsaussichten meines Charakters basiert. In erster Linie wollte ich den Wahnsinn all dieser Abenteuergeschichten mit Intimität einfangen, diese geostrategischen Probleme, die die wahren Helden unserer Zeit erleben, die in den Medien nie erwähnt werden. inachenineragite ausen derleicht, amirauf eine Fall fleische Helden.


Warum haben Sie sich entschieden, einen Spionagefilm zu drehen?

Das Spionage-Genre war ein naheliegende Wahl. Die Exilanten, von denen ich mich inspirieren ließ, bruachten eine Legende. Je nach Herkunftsland oder Alter konnten sie deportiert werden, also lernten sie, einen falschen Namen und eine flache Heimat zu haben. Sie waren gezwungen zu lügen bei allem, was sie taten, vorsichtig zu sein, die Leute mit ihrer Identität zu täuschen - mit allem, was das in Beuug auf Risiko, VErhaftung und Deportation mit scih brachte.

Andererseits gefällt mir am Spionage-Gerne, daß die Charaktere keine ausgebildeten Spione sind. Unter den Migliedern der Zellen, die ich traf, war einer ein Taxifahrer, der andere ein Anwalt. 

Vor allem aber geht es bei der Spionage darum, andere zu beobachten und über sich selbst zu lügen. Dies waren meine beiden Antriebskräfte beim Schreiben und Regie führen. Dieses Genre ermöglicht es mir, filmische Qualitäten und Intensität in meine Arbeit einzubringen ud eine Chance, vom flachen Realismus eines einfachen politischen films wegzukommen, der mich als Zuschauer weniger interessiert. 


Warum haben Sie sich für einen subjektiven, sensorischen Ansatz entschieden?

Wie bei der Auswahl eines Genres bot der sensorische Ansatz bestimmte realistische Möglichkeiten, die etwas Filmisches hervorbringen konnten. Ich wollte Geräusche, Berührungen und Gerüche filmen und dabei all die übermäßig konnotativen Bilder - wie die von Krieg oder Folter, die nur als Aufnahmen vorhanden sind - außerhalb des Bildes lassen. Die Inszenierung lässt uns in Hamids Inneres und den Kern seiner Zweifel eintauchen. In diesem Film stehen Empfindungen im Mittelpunkt, wie verstärkte oder verzerrte Geräusche, der Geruch von Schweiß, die Kraft der Berührung in der Sane, tande in eirverbindet, oder das Kaleidoskop der Farben an den Marktständen in Beirut. Ich wollte die Geschichte durch die Augen einer Figur erkunden.


Mussten Sie intensiv am Soundtrack arbeiten, um dies zu erreichen?

Der Soundtrack bietet uns Zugang zu Hamids innerem Aufruhr, zur Intensität seiner Gedanken, wenn er sich nichts anmerken lassen kann. Dies ist der barockste Aspekt des Films. Der Prozess der Soundgestaltung war langwierig und beinhaltete akustische Nahaufnahmen, Hyperakusis, Flüstern, Feedback und kraftvolle Töne. Die syrischen Gefangenen sind monatelang in völliger Dunkelheit getaucht. Dies schärft andere Sinne. Eine der häufigsten Foltermethoden, die sie erleiden, besteht darin, ihren Kopf unter Wasser zu halten, was ihre Trommelfelle schädigt und Hyperakusis verursacht. Ich habe mich nicht nur aus ästhetischen Gründen dafür entschieden, einen Sinnesthriller zu machen, sondern weil bestimmte Elemente des Realismus


Warum kommunizieren die Mitglieder der Zelle über ein Kriegsvideospiel?

Echte Gründe sind immer faszinierender als fiktive: Egal, ob Sie Terrorist oder Mitglied einer Zelle sind, Sie müssen in der Lage sein, zu kommunizieren. Und wo im Internet gibt es den einzigen Ort, an dem Sie Wörter wie „Bomben", „Anschläge", „Tod" und „töten" immer wieder wiederholen können, ohne von Algorithmen entdeckt zu werden?


Wie verlief der Casting-Prozess?

Es dauerte über ein Jahr. Ich traf so viele arabischsprachige Schauspieler wie möglich im Alter zwischen 20 und 40 Jahren in über 15 Ländern. Und dann traf ich Adam Bessa, der eine Intensität und Innerlichkeit ausstrahlt wie kein anderer. Er hat eine Ernsthaftigkeit an sich, die einen glauben lässt, er hätte die schlimmsten Dinge durchgemacht. Etwas lastet auf ihm. Wenn man ihn einfach nur d sitzen sieht, kann man die Wirbelstürme seines gequälten Geistes spüren. Man hat Angst um ihn - und vor ihm, vor dem, was er tun könnte. Das ist es, was ich bei Hamid suchte. Da ich aus dem  
Dokumentarfilmbereich komme und echte syrische Gefangene getroffen habe, braucht es nur einen Satz oder einen Moment der Stille, um die absolute Kraft einer so schrecklichen Erfahrung zu spüren. Und Adam konnte das einfangen.


Wie lange hat die Vorbereitung von Adam Bessa gedauert ?

Die Vorbereitungen für die Dreharbeiten - die vierzig Tage zwischen Straßburg, Jordanien und Berlin dauerten - erforderten viel Arbeit an seinen Gesten, seinem Gang, seiner Sitzhaltung, seinem Verhalten gegenüber seiner Mutter usw. Die Mitglieder dieser Zelle verbrachten manchmal neun Monate damit, ihr Ziel zu verfolgen. Was passiert mit deinem Körper, wenn du den Mann, der dich gefoltert hat, so lange im Visier hast? Um das zu verstehen, mussten wir viel an Adams Gesten arbeiten, als wäre er stumm. Was ich an ihm mag, ist, dass er nie völlig gelassen ist; egal wie ruhig oder gequält er ist, ich habe das Gefühl, dass er mich jederzeit überraschen, seinen Feind erstechen oder ihn vor eine Straßenbahn werfen kann. Das Ungewöhnliche und Unerwartete ist bei ihm immer möglich. Er verkörpert das Dilemma im
Mittelpunkt des Films: das von Vernunft und Impuls. Ist es noch möglich zu leben, nachdem er alles durchgemacht hat, was er durchgemacht hat?

Da war aicj doe Frage macj seome,Akzent, ich wollte nicht noch einen westliche film drehen, in dem die Figuren gebrochenes Arabisch sprechen. Also mußte Adam wochenland draran arbeiten, den bestmöglichen syrischen Akzent hinzubekommen. 


Haben Sie Tawfeek Barhom zum ersten Mal in DIE KAIRO VERSCHWÖRUNG gesehen?

Das ist lustig, denn ich habe ihn gesehen, aber ich fand ihn noch zu jung und zu naiv. Kurz gesagtk, er hatte nichts mit der Aura des Mysteriösen gmeinsam, die Harfaz umgibt. Wenn man genau hinsieht, ist Harfaz am Anfang des Films nur eine Silhouette. Als ich Tawfeek traf, bat ich ihn, sich zu bewegen, eine Tasse Kaffee zu holen und ihn zu beobachten. Und da spürte ich die Faszination, die er ausüben konnte, die gleiche Art, die von der Figur ausgeht. Er hat eine echte Anziehungskraft. Tawfeek ist Palästinenser und als ich ihn traf, sprach er kein Wort Französisch. Trotzdem mußte er eine Szene drehen, die in einer zwölfminütigen Einstellung in dieser Sprache gedreht werden sollte. Auch für ihn gab es viel zu tun, ebenso wie für Julia Franz Richter, die ebenfalls kein Französisch sprach.


Was hat Sie an dieser Geschichte am meisten beeindruckt?

Was mich an ihrem Vorhaben am meisten beeindruckt hat, war die Dringlichkeit und die absolute Aktualität. Diese Henker gibt es heute in Frankreich und Deutschland. Die Migrationsthemen, die sie diskutieren, sind aktuell. Ihre Geschichte ist kein Spiegel unserer Welt, sie ist unsere Welt.


Warum haben Sie sich für einen subjektiven, sensorischen Ansatz entschieden?

Wie bei der Auswahl eines Genres bot der sensorische Ansatz bestimmte realistische Möglichkeiten, die etwas Filmisches hervorbringen konnten. Ich wollte Geräusche, Berührungen und Gerüche filmen und dabei all die übermäßig konnotativen Bilder - wie die von Krieg oder Folter, die nur als Aufnahmen vorhanden sind - außerhalb des Bildes lassen. Die Inszenierung lässt uns in Hamids Inneres und den Kern seiner Zweifel eintauchen. In diesem Film stehen Empfindungen im Mittelpunkt, wie verstärkte oder verzerrte Geräusche, der Geruch von Schweiß, die Kraft der Berührung in der Sane, tande in eirverbindet, oder das Kaleidoskop der Farben an den Ich wollte die Geschichte durch die Augen einer Figur erkunden.


Mussten Sie intensiv am Soundtrack arbeiten, um dies zu erreichen?

Der Soundtrack bietet uns Zugang zu Hamids innerem Aufruhr, zur Intensität seiner Gedanken, wenn er sich nichts anmerken lassen kann. Dies ist der barockste Aspekt des Films. Der Prozess der Soundgestaltung war langwierig und beinhaltete akustische Nahaufnahmen, Hyperakusis, Flüstern, Feedback und kraftvolle Töne. Die syrischen Gefangenen sind monatelang in völliger 


Foto:
©Verleih

Info:
Stab
REGIE: JONATHAN MILLET
PRODUKTION: PAULINE SEIGLAND - FILMS GRAND HUIT 
DREHBUCH: JONATHAN MILLET, FLORENCE ROCHAT
 
Besetzung
HAMID: ADAM BESSA
HARFAZ: TAWFEEK BARHOM
NINA: JULIA FRANZ RICHTER
YARA: HALA RAJAB
VORARBEITER:  SYLVAIN SAMSON
AFGHANISCHER VERKÄUFER:    SABOOR RASOOLI
ALTER MANN:    FAISAL ALIA
AUFSEHER      PASCAL CERVO
 
PRODUKTIONSLAND: FRANKREICH HERTHA BERLIN: FAKHER ALDEEN FAYAD
DEUTSCHLAND BELGIEN FREIWILLIGER: JANTY OMAT
UNTERSTÜTZT VON: CANAL + ARNEFRANCEJOURNALIST: JACQUES FOLLOROU
 
 Abdruck aus dem Presseheft