Die nächste, die 76. Berlinale vom 12. bis 22. Februar 2026, Teil 16Romana Reich
Berlin (Weltexpresso) - Dokumentarische Beobachtungen, skurrile Animationen und queer aufgemischte Genrefilme treffen auf Fiktionen mit magischen Elementen. Die Orte des Geschehens reichen von den Weiten des Alls bis zu den Untiefen einer Gletscherhöhle, vom Familienzuhause bis zum Grenzgebiet. 21 Filme aus 20 Produktionsländern feiern im Programm der Berlinale Shorts ihre Weltpremiere, darunter auch neue Arbeiten von Radu Jude und Yolande Zauberman.
21 höchst unterschiedliche Filme wissen die Vielfalt der kurzen Erzählform versiert zu nutzen. Der Animationsfilm katapultiert Liebesraketen in das Universum der Sehnsüchte und lässt „Unflugobjekte“ mit Kategorisierungsversuchen kollidieren. Queere Liebesgeschichten entdecken den Genrefilm für sich und zeichnen neue Bilder von Männlichkeit. Archivfotos werden collagiert, aus gegensätzlichen Perspektiven humorvoll kommentiert oder mit künstlicher Intelligenz in bewegte Bilder transformiert. Optische Experimente lassen uns an unserer Wahrnehmungsfähigkeit zweifeln und wenn die Welt Kopf steht, tut die Kamera es ihr gleich.
Männer, Frauen und auch Kinder lehnen die ihnen zugeschriebenen Rollen ab, schreiben ihre eigene Filmhandlung um oder steigen gleich ganz aus dem Geschehen aus. Auch eine Ode an die eigene Katze und den gemeinsamen Hang zur Schläfrigkeit findet Platz im Programm. „Diese leise, aber unbeirrbare Widerspenstigkeit der Protagonist*innen ist im aktuellen Jahrgang häufig zu beobachten“ so Anna Henckel-Donnersmarck, Leiterin der Berlinale Shorts. „Außerdem fällt auf, dass viele der Filme magische Kräfte in ihre Geschichten einfließen lassen.“ Da reitet ein wunderschöner, verzauberter Gerüstebauer auf dem Besen durch die Luft, während eine Gruppe von Schulmädchen mit ihren Fingern einen Mann erschießen kann und ein Junge kraft seiner Gedanken Kampfjets vom Himmel holt.
Scheinbar Gegensätzliches wird in Dialog gebracht, medizinische Befunde treffen auf geopolitische Analysen, paläontologische Forschung auf indigene Mythologie. Das Schmelzen des Permafrosts legt den Blick auf die Erdgeschichte frei, während Kriegsereignisse sich als Narben in den Dschungel und in die Körper der Menschen eingeschrieben haben. Porträts komplexer Frauenfiguren erzählen vom Umgang mit Gentrifizierung, neo-kolonialen Strukturen oder Drogenmissbrauch in der Familie. Mit Behutsamkeit, Humor, Wärme und auch schonungsloser Offenheit nähern sich sehr persönliche Arbeiten der eigenen Krebserkrankung, dem Femizid in der nächsten Verwandtschaft, dem Sterben der Großmutter oder den Traumata aufgrund des Holocausts in der jüdischen Großfamilie.
Zu den Berlinale Alumni, die im Programm der Berlinale Shorts 2026 vertreten sind, gehören: Evgenia Arbugaeva, Christian Avilés, Zuza Banasińska, Siegfried A. Fruhauf, Radu Jude und Adrian Cioflâncă, Pavel Mozhar, Marthe Peters, Sasha Svirsky und Yolande Zauberman.
21 Weltpremieren aus 20 Produktionsländern konkurrieren um den Goldenen Bären für den Besten Kurzfilm, den Silbernen Bären Preis der Jury (Kurzfilm) und den Berlinale Shorts CUPRA Filmmaker Award, dotiert mit 20.000 Euro, sowie die Kandidatur für den European Film Award. Mit dem Preis des Goldenen Bären qualifiziert der Gewinnerfilm sich auch für die Teilnahmeberechtigung am Wettbewerb um den Kurzfilm-Oscar im nächsten Jahr. Die Preisträger*innen werden von einer dreiköpfigen, internationalen Jury bestimmt und während der offiziellen Preisverleihung am 21. Februar 2026 bekanntgegeben.
Foto:
Unidentifizierte Unflugobjekte (UUO) (Unidentified Nonflying Objects (UNO))
©Berlinale
Info:
Auf dem Blog der Berlinale Shorts werden Interviews mit den Filmemacher*innen und Texte zu ihren Filmen zu finden sein.
CUPRA ist offizieller Partner von Berlinale Shorts.