Die 76. Berlinale vom 12. bis 22. Februar 2026, Wettbewerb Teil 16
Claudia Schulmerich
Berlin (Weltexpresso) - Später wird die so ernsthafte und einfach sympathische Regisseurin Angela Schanelec sagen, die Idee zum Film sei ihr durch eine Baustelle bei ihr um die Ecke in Berlin am Kurfürstendamm gekommen. Wir erleben am Anfang des Films eine Pause auf einer Baustelle, wo die Bauarbeiter im anliegenden Bauwagen zusammensitzen. Zuvor hatte sich Thomas (Vladimir Vulević), der Kranführer, mit den beiden jungen Frauen ausgetauscht, die für den Ablauf verantwortlich sind. Da kommt ein Anruf seiner Frau Carla (Agathe Bonitzer), er solle sie im Krankenhaus abholen, was er tut und sie weinend auf einer Bank vorfindet.
Es hat nämlich einen Unfall gegeben, als Carla im Wagen mit ihrem Tanzpartner unterwegs war, um in einem nahen Ort ein Haus zu besichtigen, ein Unfall mit tödlichen Folgen für David, den Tanzpartner. Jetzt muß man hinzufügen, dass Thomas und Carla im Film kein originäres Deutsch sprechen, sondern grammatikalisch korrekte deutsche Wörter artikulieren, aber ohne die deutsche Sprachmelodie, was schwer verständlich ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Darsteller von Thomas und Carla auch im richtigen Leben kein Deutsch können, was ihre Darstellung und ihr Sprechen sehr erschwert. Die Wirkung auf den Zuschauer ist schon bei dem Telefongespräch so, als ob beide sehr aufwendig auswendig gelernte Texte aufsagen, was ja auch stimmt. Da wünscht man sich auf einmal eine Einblendung auf der Leinwand auf Deutsch und liest lieber die englische Version, weil man sie schneller versteht als das gebotene Deutsch. Man möchste gerne verstehen, warum das so geschieht. All diese Mühe und eine halbjährige Probenarbeit.
Angela Schanelec wird auf der Pressekonferenz zum Film betonen, wie sehr es ihr um Sprache als Schlüssel zur Welterkenntnis geht. Das Problem dabei ist, dass man die Absichten der Regisseurin in jedem Punkt unterstreichen möchte, aber diese Absichten im Film nicht erkennt. Gerne mag man das als Unvermögen der hier Schreibenden auslegen. Dabei möchte sie gerne verstehen, was bei diesem Ehepaar in MEINE FRAU WEINT das Innerste zusammenhält, was hier als Konflikt nach außen dringt. Denn je länger die beiden miteinander sprechen, immerhin den ganzen Film hindurch, desto weniger verstehen sie einander. Jeder weitere Wort entfernt, wo doch in der Absicht von Gesprächen das Gegenteil der Fall ist, nämlich sich näher zu kommen, sich zu verstehen.
An zwei Beispielen sind die Probleme gewissermaßen in der Pressekonferenz explodiert. Als ein Kollege aus Griechenland auf die Conditio humana zu sprechen kam und der Regisseurin großes Lob aussprach, wollte die - verständlicherweise - nicht so hoch hinaus, sondern es lieber etwas kleiner haben. Als dieser Kollege aber dann hinzufügte, er habe im Film vor allem die Stellen, wo ein Innehalten geschehe, besonders geschätzt, und wie sie dann von diesem häufigen Innehalten wieder in die Bewegung gekommen sei, sei phantastisch und wie sie das gemacht habe, antwortete die Regisseurin völlig perplex, der ganze Film handele doch von Bewegung. Es gäbe gerade kein Innehalten. Bewegung ist in diesem Film alles. Bewegung zwischen den Menschen, die sich hier durch Sprache äußert.
Die Schauspieler hatten schon zuvor auf ihre intensive Spracharbeit verwiesen und dafür poetische Begriffe gefunden wie: die Sprache sei durch sie hindurchgeflossen. Angela Schanelec ging dann länger auf die Umstände ein, dass man in der Muttersprache sich anders ausdrücken könne als wenn man eine andere Sprache, eine Fremdsprache benutze. Gefühl und Verstand bilden dann gewissermaßen eine Einheit. Das waren sehr kluge und richtige Worte. Allerdings sagte sie diese auf Englisch. Das ist eine absurde Situation, erst die Besonderheit der Muttersprache zu betonen, ihre Farbigkeit und Differenzierungsfähigkeit dabei im Sinn, das aber dann in einer Fremdsprache auszudrücken. Da mußte man auf diesen Widerspruch einfach hinweisen und nachfragen, warum auf dieser Pressekonferenz nur Englisch gesprochen werde. Der Moderator allerdings sah diese Thematisierung nicht gerne und erwiderte, man habe sich auf Englisch auf dem Podium geeinigt.
Nun muß man hinzufügen, dass jedem Journalisten und auch den Filmgrößen auf dem Podium ein Übersetzungs-Ohrhörer zur Verfügung gestellt wird, wo man Englisch, Deutsch und Französisch wählen kann. Doch diesmal hatte keiner der Podiumsteilnehmer überhaupt Kopfhörer, wofür ein Moderator sorgen muß. Denn ohne diese verbietet er bei der Berlinale den Deutsch sprechenden Journalisten die Beteiligung in der eigenen und Landessprache, denn deren Fragen können bei den Personen auf dem Podium gar nicht ankommen, wenn diese keine Kopfhörer tragen, mit denen die Übersetzungen gehört werden können.
Man hat wirklich den Eindruck, dass in vorauseilendem Gehorsam das Deutsche auf einem, was heißt einem, dem größten deutschen Filmfestival, der BERLINALE, nicht erwünscht ist. Das darf ja wohl nicht wahr sein. Anschließend bekam die Fragestellerin übriges für den Anschiß durch den Moderators erstaunlich starke Solidarität. Die Kollegen betonten, was jeder weiß, dass es so was bei den A-Festivals in Europa, den noch größeren in Cannes und Venedig einfach nicht gäbe. Dort wird jeweils souverän die Landessprache benutzt. Ist ja auch normal.
Foto:
©Berlinale
Info:
Stab
Regie Angela Schanelec
Buch Angela Schanelec
Besetzung
Vladimir Vulević (Thomas)
Agathe Bonitzer (Carla)
Pauline Rebmann (Karen)
Thorbjörn Björnsson (Esteban)
Laure-Lucile Simon (Sophie)
Clara Gostynski (Claudia)
Ben Carter (Laszlo)
Birte Schnöink (Andrée)
Ein gewöhnlicher Arbeitstag auf der Baustelle. Den 40-jährigen Kranführer Thomas erreicht ein Anruf von seiner Frau Carla, er soll sie im Krankenhaus abholen. Dort trifft er sie weinend an und erfährt, dass sie einen Autounfall hatte. Carla erzählt von ihrem Tanzpartner David, mit dem sie sich ein Haus auf dem Land anschauen wollte und der bei dem Unfall ums Leben gekommen ist. Sie versucht mit aller Ehrlichkeit ihrem Mann offen alles zu erzählen, doch Thomas zieht sich mehr und mehr in sich zurück. Sie verstehen einander nicht. Ein Film über die Herausforderung, die Leben bedeutet, und über die Suche einer gemeinsamen Sprache.
Baustelle um die Ecke in Berlin war ausgangspunkt für den Film. Es gibt kein Innehalten, Bewegung ist alles.
Dialoge sind wichtig. Das macht die Sprache noch wichtiger, lnage Monolge, wunderbar artikuliert. Wir sprechen kein Deutsch, weder Vladimir Vulevic noch Agathe. Aussprache Betonung. Wieso wunderbar. 6 Monate geprobt. Sehr viel Text auf Deutsch. Viel Arbeit.
Haben die Sprache durch den Körper hindurchgelassen. Sehr schönes Gefühl Birte Schöink, sich bewußt ist, die Srpache haben alles zum Fließen gebracht. Der gewisse Grieche. Dieser Film beschreibt die menschliche Bedingung . Die hat sehr viel mit Sprache zu tun, wie sie durch Mimik agieren durch ihre unterhaltsam und tragisch
Auch Angela Schanalec spricht Englisch. Peinlich. Man spricht in der Fremdsprache anders. Und schämt sich nicht, dass auf Englisch aufzu was man sagen möchte, was man in der eigenen Sprache anders ausgedrückt hätte. Man hört ja die Akzente, das führt dazu zwischen Vladimir und Agathe, die Sprache verschwindet nicht. Nur zwei Schauspieler, die deutsch ist.