Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom Donnerstag, 26. Februar 2026, Teil 3
Margarete Ohly-Wüst
Frankfurt am Main (Weltexpresso) – 1952 arbeitet der junge Marty Mauser (Timothée Chalamet) im Schuhgeschäft seines Onkels Murray (Larry 'Ratso' Sloman) in Manhattans Lower Eastside. Murray sieht, dass der junge Mann ein großes Verkaufstalent ist und will ihn zum Filialleiter machen. Doch Marty hat ganz andere Interessen, er will unbedingt Weltmeister im Tischtennis werden. Eine Sportart, die in Amerika keineswegs anerkannt ist, denn gilt Tischtennis in den USA weniger als ″richtige″ Sportart und mehr als Subkultur.
Nebenbei hat Marty aber auch noch eine heimliche Affäre mit seiner Bekannten Rachel Mizler (Odessa A’zion), die mit dem etwas schwerfälligen Ira Mizler (Emory Cohen) verheiratet ist. Marty zieht nachts zusammen mit seinem Freund Wally (Tyler Okonma) durch die Spielhallen New Yorks, dabei versucht er bei Tischtennis-Wettkämpfen hohe Geldsummen zu gewinnen. Denn Marty hat eigentlich nur einen Wunsch: Er will an einem wichtigen Tischtennis-Turnier in London teilnehmen. Allerdings muss er das Geld für die Überfahrt aus dem Tresor seines Onkels klauen.
Letztendlich schafft er es, als Mitglied des US-amerikanischen Tischtennis-Teams nach London zu fahren. Dort erreicht er auch das Finale, muss sich aber in einer Partie gegen den Japaner Koto Endo (Koto Kawaguchi) geschlagen geben, der mit einem für Marty unbekannten Schläger spielt.
Jetzt hat Marty ein Problem: Damit er nach London bei den nächsten Turnieren in Paris, Kairo oder Tokyo wieder antreten kann, muss er für seine kostspieligen Reisen wieder das nötige Geld auftreiben, denn auf keinen Fall will er in den Schuhladen seines Onkels zurück. So ″leiht″ sich Marty erst einmal wieder Geld aus dem Safe seines Onkels, belügt seine Mutter Rebecca Mauser (Fran Drescher) und lässt die vermutlich von ihm schwangere Rachel Mizler sitzen.
Doch das ist erst der Anfang der Odyssee eines Mannes, der bereit ist, für Ruhm und Erfolg alles zu riskieren. Etwas großspurig begibt er sich weiter auf die Reise und hofft auf Gönner, die ihm seine weitere Karriere sponsern. Dabei trifft er in einem Hotel die einst gefeierte Hollywood-Diva Kay Stone (Gwyneth Paltrow), schmeißt sich an sie ran und hofft nebenbei, dass er deren Ehemann (Kevin O’Leary) – einen millionenschweren Unternehmer für Schreibstifte - als Sponsor gewinnen kann. Die ältere Frau erliegt Martys Charme und lässt sich auch auf eine Affäre mit ihm ein, denn sie sieht in dem jungen Mann eine willkommene Ablenkung vom ihrem tristen Alltag. Doch als Marty sie beklaut, lässt sie ihn ganz schnell fallen und auch auflaufen.
Um auch auf andere Art an Geld zu kommen, verstrickt Marty sich ständig in weitere abenteuerliche Betrügereien – etwa wenn er den kriminellen Hundebesitzer Ezra Mishkin (Abel Ferrara), um Geld zu bringen versucht, oder unter falschem Namen an lokalen Tischtennis-Spielen (und Wetten) teilnimmt.
Doch dann lässt sich Marty, um an Geld und nach Japan zu kommen, auf eine etwas fragwürdige Abmachung mit Kays mächtigen Ehemanns Milton Rockwell ein. Er soll in einer Reihe weiterer Spiele in Japan gegen Endo antreten, dabei aber jedes Mal verlieren, damit Rockwell eine Möglichkeit hat mit seinem Unternehmen in Japan einzusteigen…
″Marty Suprime″ ist eine Sportkomödie von Regisseur Josh Safdie nach einem Drehbuch vom Regisseur zusammen mit Ronald Bronstein. Die weltumspannende Tragikomödie beginnt zwar in den 1950er Jahren in den Hinterhöfen von Lower Manhattan und führt den Zuschauer dann nach London, Paris, Kairo und Tokio. Für die Kameraarbeit ist der in Teheran geborene Darius Khondi zuständig, der zuletzt auch Kameramann bei ″Mickey 17″ (2025) und ″Eddington″ (2025) war, daneben hat er schon bei dem Thriller ″Der schwarze Diamant″ (2019) mit dem Regisseur Josh Safdie zusammen gearbeitet. Für den Score ist der US-amerikanischer Experimental- und Elektronikmusiker, Komponist und Produzent Daniel Lopatin verantwortlich, der auch schon die Musik für ″Der schwarze Diamant″ geschrieben hat.
Der Charakter ″Marty Mauser″ ist lose vom Leben Marty Reismans (1930 – 2012) inspiriert, der in den 1950er Jahren ein bekannter amerikanischer Tischtennisspieler war und der von 1948 bis 1967 an insgesamt sieben Tischtennis-Weltmeisterschaften teilgenommen und dabei fünf Bronzemedaillen gewonnen hat. Die im Film gezeigte Story ist allerdings fiktiv.
Die Hauptrolle von Marty Mauser übernahm Timothée Chalamet, der für die Tischtennis-Szenen etwa fünf Jahre lang trainiert und alle Tischtennis-Szenen selbst gespielt hat. In weiteren Rollen sind u.a. Gwyneth Paltrow als Kay Stone. Odessa A’zion (die Enkelin vom Fernsehregisseur Percy Adlon) als Rachel Mizler, Tyler Okonma als Martys Freund Wally, Abel Ferrara als Kay Stone Ehemann Ezra Mishkin und Fran Drescher als Martys Mutter Rebecca Mauser zu sehen. Marty Mausers japanischer Gegner Koto Endo wird vom tauben Tischtennisspieler Koto Kawaguchi, der bei den Sommer-Deaflympics 2022 die Bronzemedaille im Mannschaftswettbewerb der Männer gewonnen hat. Eine Cameo hat auch der deutsche Tischtennisspieler Timo Boll als Vladimir Sebek, einen Tischtennis-Spieler aus der Tschechoslowakei.
Regisseur Josh Safdie sorgt dafür, dass ″Marty Supreme″ eine echte Tour de Force ist, denn Timothée Chalamets Marty Mauser steht von der ersten Minute an permanent unter Strom, weil der von Gier getriebene Überlebenskünstler sich immer wieder, um sein selbst gestecktes Ziel zu erreichen, auf neue absurde Ideen einlässt.
Dies beginnt schon in den ersten Minuten, wenn man als Zuschauer Martys Spermien auf dem Weg zu Rachels Eizelle verfolgen kann – unterlegt von dem 1980er Klassiker ″Forever Young″ von Alphaville. Auch im weiteren Verlauf nutzt Daniel Lopatin in seinem Soundtrack weitere Songs aus dieser Zeit, obwohl die Story doch 30 Jahre früher spielt. Diese Diskrepanz macht den Film aber spannend und zeitlos.
Timothée Chalamet liefert als Marty Mauser eine wahnsinnige Performance ab, dabei ist er ein windiger, abstoßender und teilweise auch unangenehm arroganter Kleingauner. Als Zuschauer überlegt man regelmäßig, ob man Marty eigentlich mag, den er hat eine ganz eigene Anziehungskraft, der nicht nur die Frauen, sondern auch viele Männer seiner Umgebung verfallen.
Auf jeden Fall ist Timothée Chalamet als Marty Mauser so gut wie noch nie in seinen vorherigen Filmen. Bekannt wurde, dass er – wie auch beim Singen und Gitarre- und Mundharmonika-Spielen für ″Like A Complete Unknown″ (2024) - jahrelang in den Drehpausen von ″Dune″, ″Wonka″ und ″Like A Complete Unknown″ bei jeder Gelegenheit das Tischtennis-Spielen trainiert hat. Deshalb konnte er auch die vielem atemberaubenden Ballwechsel selbst drehen und brauchte kein Double. Aber auch seine schauspielerische Performance während der kurzen Triumphe und heftigen Niederschläge ist ganz außergewöhnlich. Bei all seinen Aktionen, wenn er z.B. wenn er seine Bettgespielin Kay beim Sex beklaut, seinem Onkel Geld aus dem Safe entwendet oder seine schwangere Freundin einfach sitzen lässt, wirkt er eigentlich nicht wie ein Kleingauner, sondern wie ein Getriebener, der nur ein einziges Ziel verfolgt, nämlich das Geld für seine Passion zusammen zu bekommen.
Neben Timothée Chalamet verdienen auch die oben schon genannten Gwyneth Paltrow als alternde Diva Kay Stone, Odessa A'zion als schwangere Rachel Mizler, Kevin O'Leary in seiner Rolle als extrem unsympathischer Milton Rockwell, der Rapper Tyler Okonma als Martys Freund in Crime Wally und nicht zu vergessen, Koto Kawaguchi als japanischer Tischtennisspieler Koto Endo, der ohne schauspielerische Erfahrung für seine Rolle gecastet wurde, noch einmal genannt für ihre außergewöhnliche Performances zu werden. Übrigens hat auch der deutsche Tischtennisspieler Timo Boll eine Cameo als Vladimir Sebek, einen Tischtennis-Spieler aus der Tschechoslowakei, gegen den Marty gewinnt.
″Marty Suprime″ hat bereits unzählige Nominierungen bei größeren und kleineren Awards bekommen und auch schon einige gewonnen. Bei den Critics’ Choice Movie Awards 2026 erhielt der Film 8 Nominierungen (u.a. als Bester Film), allerdings konnte nur Timothée Chalamet als Bester Hauptdarsteller gewinnen. Bei den Golden Globe Awards 2026 gab es 3 Nominierungen (u.a. auch wieder für den Besten Film), gewonnen hat wiederum Timothée Chalamet als Bester Hauptdarsteller.
Bei den British Academy Film Awards 2026 wurde der Film sogar in 13 Kategorien nominiert, u.a. als Bester Film, für die Beste Regie, das Beste Drehbuch und Timothée Chalamet als Bester Hauptdarsteller, weiterhin erhielt die deutsch-amerikanische Schauspielerin Odessa A’zion eine Nominierung als Beste Nebendarstellerin. Der Film konnte aber keinen der Preise gewinnen.
Bei der Oscarverleihung 2026, die erst am 15. März stattfindet, erhielt der Film 9 Nominierungen, u.a. als Bester Film, Josh Safdie für die Beste Regie, Ronald Bronstein und Josh Safdie für das Beste Originaldrehbuch und wiederum Timothée Chalamet als Bester Hauptdarsteller.
Außerdem wurde der Film vom National Board of Review of Motion Pictures (NBR) und dem American Film Institute (AFI) unter den Top 10 Filmen von 2025 genannt.
Insgesamt ist ″Marty Suprime″ zwar ein Sportfilm, in dem ein aufstrebender Tischtennisstar im New York der 1950er Jahre auf der Jagd nach Erfolg und Ruhm durch die Hölle geht, aber das Meisterwerk ist ganz sicher kein übliches Porträt eines Sportlers. Auch wenn Marty Mauser bei seinen Aktionen sich als kleiner Gauner erweist, spielen auch alle Menschen, denen Marty begegnet, ihr eigenes Spiel, dabei erweist sich letztlich Odessa A’zions Rachel Mizler als größte Performerin. Regisseur Josh Safdie ist ein rundum sehenswerter Film gelungen, bei dem die 149 Minuten Laufzeit wie im Flug vorübergehen und den man sich unbedingt im Kino ansehen sollte.
Foto 1: Timothée Chalamet als Marty Mauser © Tobis Film
Foto 2: Gwyneth Paltrow als Kay Stone © Tobis Film
Foto 3: Odessa A’zion als Rachel Mizler © Tobis Film
Foto 4: Gwyneth Paltrow als Kay Stone und Timothée Chalamet als Marty Mauser © Tobis Film
Info:
Marty Suprime (USA 2025)
Originaltitel: Marty Suprime
Genre: Tragikomödie, Sport, Abenteuer, Komödie
Filmlänge: ca. 149 Min.
Regie: Josh Safdie
Drehbuch: Josh Safdie, Ronald Bronstein
Darsteller: Timothée Chalamet, Gwyneth Paltrow, Odessa A’zion, Fran Drescher, Tyler Okonma, Kevin O’Leary, Sandra Bernhard, Koto Kawaguchi, Géza Röhrig, Timo Boll, Abel Ferrara, Spenser Granese, Philippe Petit, Luke Manley, John Catsimatidis, Tracy McGrady, Kemba Walker, Isaac Mizrahi, Naomi Fry, George Gervin, Ted Williams, Emory Cohen, David Mamet, Fred Hechinger u.a.
Verleih: Tobis Film
FSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 26.02.2026