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Kategorie: Kulturbetrieb

IMG 4822 Foto Zoller Ältester ZiegelNeue Schenkungen bereichern die Sammlung

Sabine Zoller

Bad Herrenalb (Weltexpresso) - Dachziegel mit  Einritzungen auf dem Ziegel sind typische Merkmale der sogenannten "Feierabendziegel", die Handwerker nach getaner Arbeit als individuelle Markierungen hinterließen. Der Dachziegel aus Calw, der vor dem Brand des Tons beschriftet wurde, gilt nach Experteneinschätzung als älteste Exemplar im Museum Feierabendziegel in Bad Herrenalb und lässt sich auf die frühen Jahre des 15. Jahrhunderts datieren.  Laut Fachleuten lassen die in den Ton eingeritzten römischen Buchstaben eine zeitliche Einordnung zwischen 1404, 1415 und 1421 zu und damit ist es der älteste Ziegel im Sammlungsgebiet „Feierabendziegel" und damit im deutschsprachigen Südeuropa.

Schon lange vor dieser Zeit wurden Ziegel als Baumaterial genutzt. Bereits um das Jahr 1100 entstanden die sogenannten Spitz- und Lanzenziegel, die als frühe Form der austauschbaren Ziegeldeckung im Kloster Hirsau bekannt sind. Diese schlichten, aber effektiven Dachziegel sind ebenfalls im Ziegelmuseum ausgestellt und dokumentieren die Entwicklung von einfachen Formen hin zu individuell verzierten Stücken.

Mit einem weiteren Neuzugang in der Sammlung steht nun in diesem Jahr ein industriell gefertigter Dachziegel aus dem Jahr 1906 im Fokus, da er ebenfalls einen Bezug zu Calw aufweist.

IMG 4806 Foto Zoller Sagawe mit Hesse ZiegelHistorische Verknüpfungen: Ein Ziegel aus Hermann Hesses Wohnhaus

Eine besondere historische Verbindung besteht durch die Schenkung, die mit dem Schriftsteller Hermann Hesse in Zusammenhang gebracht werden kann. „Der Dachziegel zierte einst das Wohnhaus des Autors“, so Christa Sagawe, die das neue Ausstellungsobjekt im Februar erhalten hat. Hesse, geboren in Calw, hatte sich 1904 mit seiner Frau Mia auf die Halbinsel Höri am westlichen Bodensee zurückgezogen. 1907 baute er dort sein eigenes Haus, in dem er einige seiner produktivsten Jahre verbrachte und unter anderem den Roman Peter Camenzind schrieb. Heute erinnert das Hesse-Museum in Gaienhofen an diese kreative Epoche. Und eben von dort kommt der Ziegel, den die Leiterin des Museums, Eva Eberwein, dem Ziegelmuseum überlassen hat. Sie schreibt an Sagawe: „Wir freuen uns, dass Sie den Ziegel mit der besonderen Geschichte ausstellen.“ 2003 hat sie gemeinsam mit ihrem Mann Bernd Eberwein das ehemalige Wohnhaus von Hermann Hesse erworben und es damit  vor dem Abriss gerettet.Seitdem hat sie das Haus sozusagen „vom Scheitel bis zur Sohle“ originalgetreu renoviert und den Garten nach Hesses Plänen neu angelegt.


Nach der Winterpause öffnet das Ziegelmuseum Bad Herrenalb erstmals am 30. März 2025 seine Pforten und ist jeweils sonntags von 14:00 bis 17:00 Uhr zu besichtigen. Nachdem im Vorjahr die Sonderausstellung zu 875 Jahre Herrenalb mit Informationen zur Klostergründung der Zisterzienser und den Anfängen des Kurbetriebs mit rund 500 Besuchern ein interessiertes Publikum ins Museum zog, wird die Ausstellung nun nach Auskunft von Bernhard Lohner, zweiter Vorsitzender des Förderverein Museum Bad Herrenalb,  bis Ende 2025 verlängert. Zudem gibt es ab sofort wegen großer Nachfrage die auf Infotafeln gefertigten Informationen als kleine Broschüre für Interessierte zum Kauf.

Fotos:
Impressionen aus dem Museum © Sabine Zoller

Info: https://museum-bad-herrenalb.de/