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Kategorie: Kulturbetrieb

Das diesjährige Lese-Festival FRANKFURT LIEST EIN BUCH vom 11. bis 24. April 2016

 

Heinz Markert

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Der Roman 'Frankfurt verboten' von Dieter David Seuthe aus dem Frankfurter Verlag Weissbooks wurde für die diesjährige Leseperiode von FRANKFURT LIEST EIN BUCH ausgewählt. Der Frankfurt-Bezug wurde im Anschluss an das Vorjahr weitergeführt. Im letzten Jahr begegnete er uns mit 'Grüße und Küsse an alle' von Mirjam Pressler; er gründete in der tief berührenden Geschichte der Familie von Anne Frank.

 

Was die Ortsbeziehung zur Stadt angeht - jene, die sich zu den Hörgelegenheiten einfinden, können auf eigene, ältere oder neuere, Eindrücke zurückgreifen – so besteht ein Reiz darin, dass Straßen, Gebäude, Plätze, markante Stellen, typische Frankfurter Lokalitäten in einer literarischen Lesefolge nachempfunden und miterlebt werden können. Wie Frankfurt damals getickt hat - ist ein wesentliches Moment, das das aktuelle Buch anstrebt.

 

Die Handlung 'erzählt die Geschichte der jungen jüdischen Pianistin Elise Hermann, die nach Hitlers Machtergreifung nicht nur um ihr berufliches Überleben, sondern auch um ihre Liebe zu dem Jurastudenten Max von Hochem kämpfen muss'. 'Alles ändert sich schlagartig, als Hitler 1933 die Macht ergreift'. Eine Stadt von liberalem Gepräge verändert grundlegend ihr alltägliches Gesicht und die gewohnten Abläufe des zivilen Lebens.

 

Wohl kann es sein, dass beim Lesen die Handlung so sehr fesselt, dass es nicht mehr aus der Hand gelegt werden wird, oder aber es tritt aus mannigfachen Gründen das Gegenteil ein, sicher aber ergeben während der Veranstaltungsreihe FRANKFURT LIEST EIN BUCH die speziellen Frankfurter Ortsbezüge auf den gemeinsam erlebten Lesungen eine eigene Lesedimension.

 

Der Roman bewegt sich in den Verhältnissen der damaligen Musikpraxis und eines lebendigen Musiklebens der Stadt Frankfurt, die heute nicht mehr dieselbe sein kann. Zu dem damaligen Frankfurt gehörte wesentlich eine nach vorn drängende musikalische Moderne. Ein umfangreiches Programm an Lesungen vermittelt die begleitende Musik zu den historischen und gesellschaftlichen Verhältnissen - Atmosphären einer verlorenen Zeit. Eben deswegen kann das Mitmachen und Dabeisein lohnen.

 

Besonders schmerzlich ist, dass der Bruch mit der kulturellen Moderne mit einem Verlust verbunden war, der nie ganz wieder ausgeglichen oder restituiert werden konnte - wenn etwas einmal den Schlag versetzt bekommen hat. Die Epidemie der Hitlerzeit hat Wunden geschlagen, von denen auch die Nachgeborenen bis in die Verfeinerungen einer wiederauferstandenen 'Kulturnation' betroffen sind. Die gewaltsame Veränderung der politischen Landschaft ist ein traumatischer Vorgang, der auf die Nachwelt wirkt, ob diese das nun will oder nicht. So kann sich auch das in Vermittlungen fortsetzen, was schon einmal schiefgegangen war. Es ist erkennbar, dass die Frankfurter Kulturlandschaft ein prekäres Moment aufweist, an dem dauernd wieder reparierend praktiziert werden muss

 

 

Lesungen mit Darstellung und Musik

 

Es wird sowohl 'die schlichte' Lesung unter anderem im Nebbienschen Gartenhaus geben als auch moderierte Lesungen in hr2-Kultur, Lesungen in Schulen, im Lesetheaterprojekt, in der Ausstellung, in Verbindung mit der Aufführung von Musikformen, der Performance und Installation, des Theaters mit jungen Flüchtlingen, im Salon ('Schaub').

 

Nur eine kleine Auswahl:

 

Foto: Felix Semmelroth, Rainer Weiss, Lothar Ruske, Anya Schutzbach und Klaus Schöffling

 

Info:

Frankfurt liest ein Buch, Veranstaltungsreihe an gegebenen Orten, 11. bis 24. April 2016

 

Dieter David Seuthe, Frankfurt verboten, Verlag Weissbooks 2016

 

DIETER DAVID SEUTHE

Dieter David Seuthe, geboren 1951 in Westfalen, arbeitet als Psychotherapeut. Nach vielen Jahren in Neuseeland lebt er mit seiner Familie seit 2008 wieder in Frankfurt am Main. Frankfurt verboten ist sein erstes Buch.

 

Programm: www.frankfurt-liest-ein-buch.de