fussball.de50 Jahre ist die Aufhebung des DFB-Verbots des deutschen Frauenfußballs her – Frankfurt hat die Historie entscheidend mitgeprägt

Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Auf dem Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wurde am 30. Juli 1955 der Damenfußball bundesweit einstimmig verboten. Erst am 31. Oktober 1970, vor 50 Jahren, beschloss der DFB-Vorstand in Travemünde, den Beschluss von 1955 aufzuheben.

Aber nicht nur dieses halbe Jahrhundert prägte Frankfurt ganz entscheidend mit. Schon 1930 gründete die Metzgerstochter Lotte Specht mit weiteren sportbegeisterten Damen den 1. Deutschen Damenfußballclub Frankfurt, kurz 1. DDFC. Doch in einer von Männern dominierten Welt waren kickende Frauen immer wieder Anfeindungen ausgesetzt, ein Jahr nach der Gründung löste sich der 1. DDFC wieder auf. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten war Frauenfußball in Deutschland kein Thema mehr. Die NS-Ideologie sah als zentrale Aufgabe der Frauen die Mutterschaft. Es folgte 1955 das Verbot des DFB für die Fußballerinnen: Es blieben den Fußballpionierinnen fast nur städtische Stadien, in denen Spiele stattfinden konnten. So war am 20. April 1957auch das Frankfurter Waldstadion erstmals Schauplatz eines Damenfußball-Länderspiels: Vor 4000 Zuschauern besiegte Ostholland die Mannschaft von Westdeutschland 6:1.


Zwei Frankfurter Bundesliga-Mannschaften

Richtig los ging es vor 50 Jahren, als der DFB den Frauenfußball offiziell erlaubte: Und auch wenn die Eintracht zu der Zeit noch keine Frauenmannschaft stellte, war sie im Sportbetrieb doch vertreten. Die Eintrachtlerin Helga Altvater war erste DFB-Schiedsrichterin in Frankfurt, das Team Oberst Schiel erreichte 1977 als erste Frankfurter Mannschaft das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Gegen den haushohen Favoriten Bergisch Gladbach zog sich Oberst Schiel mit Monika Staab als Spielerin hervorragend aus der Affäre, nach einem 0:0 im Hinspiel ging das Rückspiel unglücklich mit 0:1 verloren. Auch die Frauen des FSV Frankfurt feierten in den 1980er Jahren unter der Führung von Monika Koch-Emsermann große Erfolge. 1985 konnte erstmals der DFB-Pokal gewonnen werden, 1986 die Deutsche Meisterschaft. Als 1990 die zweigleisige Frauenfußball-Bundesliga gegründet wurde, waren mit dem FSV Frankfurt und der SG Praunheim gleich zwei Frankfurter Vereine mit am Start. Der FSV konnte 1995 und 1998 zwei weitere Meistertitel sammeln, 1990, 1992, 1995 und 1996 gewann er den DFB-Pokal.

Frankfurt entwickelte sich zu einer der Hochburgen des Frauenfußballs in Deutschland und präsentierte sich stellvertretend erfolgreich in Europa. Zur Saison 1993/94 wurde Monika Staab Abteilungsleiterin und Siegfried Dietrich Manager der SG Praunheim. Er begann, die Strukturen zu professionalisieren, der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. 1994 verpasste die Mannschaft den Einzug ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft nur knapp, zwei Jahre später stand die SG Praunheim erstmals im Finale. Am 2. Juni 1996 pilgerten 3100 Fans ins Stadion am Brentanobad, um das Endspiel gegen den TSV Siegen zu verfolgen. Zum Titelgewinn reichte es noch nicht, Praunheim unterlag dem TSV Siegen unglücklich 0:1. Der Blick auf die Mannschaftsaufstellung zeigt aber, dass schon damals eine sehr starke Mannschaft auf dem Platz stand: Torfrau Marleen Wissink bestritt insgesamt 141 Spiele im Kasten der niederländischen Nationalmannschaft, die Schwestern Pia und Tina Wunderlich wurden 1995 Vizeweltmeister und auch Steffi Jones war gerade erst Nationalspielerin geworden.


Der Aufstieg des 1. FFC Frankfurt

1998 wurde das Team einmal mehr deutscher Vizemeister. Am 27. August 1998 folgte dann die Gründung des 1. Frauen-Fußball-Club Frankfurt. Der 1. FFC übernahm die Bundesligalizenz der SG Praunheim, seine Heimspielstätte war das Stadion am Brentanobad und die Professionalisierung nahm ihren Lauf. Und der neue Verein spielte noch erfolgreicher als zuvor: Mit nur einer Saisonniederlage konnte 1999 die Deutsche Meisterschaft gefeiert werden. Auch im DFB-Pokal war der FFC nicht zu stoppen, im Finale wurde der FCR Duisburg 1:0 besiegt. Der Gewinn des DFB-Hallenpokals vollendete mit dem nationalen Triple die glanzvolle Auftaktsaison. In den folgenden Jahren sollte der DFB-Pokal zu einer festen FFC-Institution werden: Zwischen 1999 und 2008 stand die Mannschaft zehnmal in Folge im Finale, sieben Mal konnte der Pokal gewonnen werden. In der Bundesliga folgten bis 2008 sechs weitere Titelgewinne. Und auch international wurde der FFC zur Spitzenmannschaft. In diesen Superlativen sticht die Saison 2001/02 besonders hervor: Die Mannschaft errang ungeschlagen den Ligatitel und mit 14 Punkten Vorsprung, das DFB-Pokalfinale wurde mit 5:0 gegen den HSV gewonnen, der Hallenpokal ging ebenfalls nach Frankfurt und auch das erstmals ausgetragene UEFA Women's Cup-Finale gegen Umeå IK endete mit einem 2:0-Sieg. Der Gewinn des Europapokals am 23. Mai 2002 mit Treffern von Steffi Jones (68.) und Birgit Prinz (89.) wurde übrigens vor der Rekordkulisse von 12.106 Zuschauern im Waldstadion gefeiert – das war das letzte Pflichtspiel vor dem Umbau des Stadions. Ein besonderer historischer Moment.


Das FFC-Triple 2008

In den folgenden Jahren ging die Trophäensammlung weiter: 2005 wurde die Mannschaft mit einem neuen Punkterekord Deutscher Meister, 2006 gewann sie den UEFA Women's Cup gegen Potsdam und 2007 konnten mit der Deutschen Meisterschaft, dem DFB-Pokal und dem DFB-Hallenpokal zum dritten Mal das nationale Triple gefeiert werden. 2008 folgten eine weitere Meisterschaft und der DFB-Pokalsieg. Highlight der Saison zum Triple war aber zweifelsohne der 24. Mai 2008: Im Rückspiel des UEFA Women's Cup Finale besiegte der FFC die schwedische Mannschaft von Umeå IK mit 3:2 und gewann den internationalen Titel zum dritten Mal. 27.640 Zuschauer in der damaligen Commerzbank-Arena stellten einen neuen Besucherrekord im europäischen Frauenfußball auf. Einmal mehr ein Rekord, der richtungsweisend die Entwicklung des deutschen Frauenfußballs durch den FFC unterstrich.

Im DFB-Pokal folgten 2011 und 2014 weitere Titelgewinne. Und auch international waren die Frauen weiterhin erfolgreich: Am 17. Mai 2012 setzte es im Münchner Olympiastadion gegen Olympique Lyon vor einer erneuten Rekordkulisse von diesmal 50.212 Zuschauern eine 0:2-Niederlage in der UEFA Women’s Champions League. Drei Jahre später war der FFC dann wieder ganz oben: Am 14. Mai 2015 besiegte die Mannschaft Paris Saint-Germain im Finale in Berlin mit 2:1 und holte im ausverkauften Jahn-Sportpark vor den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel die begehrte Trophäe zum vierten Mal an den Main. Mit sieben Deutschen Meisterschaften, neun Pokalsiegen und vier Europapokalsiegen ist der 1. FFC Frankfurt bis heute der erfolgreichste Frauenfußballverein Deutschlands und nach Olympique Lyon Europas.

Nicht nur die Frankfurter, auch die deutsche Frauenfußball-Historie ist eng verbunden mit dem Namen von Siegfried Dietrich, der als Manager und Investor mit seinen Ideen den FFC in seiner Vorreiterfunktion im deutschen Frauenfußball an die europäische Spitze führte. Der heute 63-Jährige sorgte in den 1990er Jahren bei der SG Praunheim für die professionelle Organisationsstruktur und Vermarktung des Frankfurter Vereins, aus dem 1998 der 1. FFC Frankfurt gegründet wurde, der mit seinen 20 Titeln Meilensteine gesetzt hat. „Als ich damals mit dem Frauenfußball begann, wurde ich von vielen belächelt und für verrückt erklärt. Heute klopfen mir einige von denen immer noch auf die Schulter", sagte der in Marburg geborene Sohn eines Theologieprofessor bereits vor knapp zehn Jahren. Mit seiner Ernennung zum Vorsitzenden des DFB-Ausschusses der Frauen-Bundesligen im September 2019 trägt er zudem eine bedeutende Mitverantwortung für das große Ganze im deutschen Frauenfußball. Außerdem behielt der Manager die Zukunft des FFC im Blick, war maßgeblich an der im Juli vollzogenen Fusion mit Eintracht Frankfurt beteiligt. Als Sportdirektor Frauen und Generalbevollmächtigter der Eintracht Frankfurt Fußball AG liegt es ihm sehr am Herzen, intensiv an der Weiterentwicklung des Frauenfußballs zu arbeiten.


DFB-Erfolge mit zahlreichen Frankfurterinnen

Auch bei den internationalen Erfolgen waren sehr viele Frankfurter Spielerinnen beteiligt: So bei den Gewinnen der Weltmeisterschaften 2003 – Nia Künzer mit dem Golden Goal in der Verlängerung gegen Schweden – und 2007, den acht EM-Titeln sowie der Gold-Medaille bei den Olympischen Spielen 2016 waren unzählige FFC-Spielerinnen fester Bestandteil des DFB-Teams. Namen wie die dreifache Weltfußballerin Birgit Prinz, Kerstin Garefrekes, Saskia Bartusiak oder Dzsenifer Marozsán sind bis heute mit dem deutschen sowie Frankfurter Frauenfußball eng verbunden. Auch bei der erfolgreich in Deutschland ausgetragenen WM 2011 war die Arena in Frankfurt Schauplatz des Weltturniers: Zwei Vorrundenspiele, das Halbfinale sowie das Endspiel fanden in der hessischen Metropole statt und gingen in die Geschichte des internationalen Frauenfußballs ein.

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Quelle: Eintracht Frankfurt Fussball AG