rmvVeröffentlichungen des Paritätischen Gesamtverbandes, Teil 837

Redaktion

Berlin (Weltexpresso) - Mobilität ist ein zentraler Faktor sozialer Teilhabe. Doch eine heute veröffentlichte Studie des Paritätischen Gesamtverbands zeigt erstmals, dass der Zugang zu vergünstigten Nahverkehrstickets in Deutschland stark vom Wohnort abhängt – mit alarmierenden schwarzen Löchern im Angebot. Der auf der Paritätischen Webseite kostenfrei zugängliche „Sozialticket-Atlas“ dokumentiert detailliert die erheblichen regionalen Unterschiede bei Sozialtickets. Der Verband fordert daher die Einführung eines bundesweit einheitlichen „Deutschlandticket Sozial“ für 25 Euro im Monat.

Das 9-Euro-Ticket im Sommer 2022 machte deutlich, wie groß der Bedarf an bezahlbarer Mobilität ist. Besonders für Menschen mit geringen Einkommen bedeutete es eine erhebliche Entlastung. Mit der Einführung des Deutschlandtickets für zunächst 49 und mittlerweile 58 Euro pro Monat stehen jedoch viele Menschen vor enormen finanziellen Hürden. Menschen mit niedrigen Einkommen und Armutsbetroffene können sich das Ticket oft nicht leisten. Das Ziel eines „Deutschlandtickets für alle“ bleibt damit unerfüllt.
Der Sozialticket-Atlas zeigt einen Tarif-Flickenteppich mit gravierenden Lücken: Die Verfügbarkeit vergünstigter Nahverkehrstickets in Deutschland ist extrem uneinheitlich und ohnehin eher die Ausnahme. Während Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie 28 Kommunen Sozialtarife für das Deutschlandticket anbieten, fehlen solche Angebote in großen Teilen des Landes komplett. Auch bei den Preisen gibt es erhebliche Unterschiede: In Würzburg kostet das vergünstigte Deutschlandticket nur 15 Euro, in Magdeburg hingegen 53 Euro.


Auch bei den regional gültigen Sozialtickets gibt es je nach Region erhebliche Unterschiede, sowohl bei den Zugangsberechtigungen, als auch im Preis. Besonders problematisch: In 243 von 497 Landkreisen und Kommunen gibt es gar keine Sozialtarife. Zudem ist ein Stadt-Land-Gefälle erkennbar: Während drei von vier städtische Kommunen ein Sozialticket anbieten, ist es nur eine von drei ländlichen Kommunen.

„Der Flickenteppich bei Sozialtickets verschärft soziale Ungleichheiten“, warnt Katja Kipping, Geschäftsführerin des Paritätischen Gesamtverbandes und Abteilungsleiterin Sozial- und Europapolitik. „Wir brauchen ein einheitliches Sozialticket, das diese unwürdige und ungerechte Wohnort-Lotterie beendet“

Notwendig sei die Einführung eines bundesweit gültigen „Deutschlandticket Sozial“ für 25 Euro monatlich. Dieses soll für alle Sozialleistungsempfangenden gelten, also Beziehende von Bürgergeld, Wohngeld, Kinderzuschlag, Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz.
Die Finanzierung eines Deutschlandticket Sozial wäre durch Umschichtungen innerhalb des Verkehrsbudgets leicht möglich: Allein 2020 flossen 25 Milliarden Euro in klimaschädliche Subventionen im Verkehrssektor. Ein bundesweites Sozialticket würde weniger als 1,5 Prozent dieser Summe erfordern. Auch der europäische Klima- und Sozialfonds für Wärme und Verkehr könnte für eine Übergangsfinanzierung genutzt werden.
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Der Paritätische ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. Er ist Dachverband von 10.800 eigenständigen gemeinnützigen Organisationen im Sozial- und Gesundheitsbereich.
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Die Studie (36 Seiten) ist als pdf-Datei auf der Webseite des Paritätischen Gesamtverbandes ab sofort kostenlos abrufbar. Sie ist dort auch in Leichter Sprache als pdf-Datei kostenlos abrufbar. Weblink: https://www.der-paritaetische.de/sozialticket  

Dazu gibt es eine interaktive Karte „Ermäßigte Deutschlandtickets für Einkommensarme“ mit Detailinformationen auf Basis von Abbildung Karte 1 (Studie S. 7).

Außerdem gibt es eine interaktive „Karte Deutschlandticket für junge Menschen“ mit Detailinformationen auf Basis von Abbildung Karte 3 (Studie S. 11).

Eine Straßenbahn in der Abenddämmerung. Julius Schultheis/Unsplash

Eine Deutschlandkarte mit der Ausweisung von Regionen mit Sozialtarifen des Deutschlandtickets. Die meisten Angebote hat NRW, in vielen Bereichen fehlen die Angebote.

Für größere Ansicht und Download bitte auf die Grafik klicken.

Dokumente zum Download

Deutschlandticket Sozial Studie 2025 (5 MB)

Weiterführende Links

Website mit interaktiver Karte zum Deutschlandticket Sozial


Foto:
©RMV