Veröffentlichungen des Paritätischen Gesamtverbandes, Teil 1094Redaktion
Berlin (Weltexpresso) - Eine aktuelle Umfrage der Wohlfahrtsverbände zeigt: Finanzielle Engpässe gefährden soziale Angebote, freiwilliges Engagement und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Viele Einrichtungen mussten Leistungen bereits einschränken – eine stabile Finanzierung wird dringend benötigt.
Die soziale Infrastruktur in Deutschland steht zunehmend unter Druck. Eine aktuelle Umfrage unter Einrichtungen und Diensten der Freien Wohlfahrtspflege verdeutlicht, dass sich die finanzielle Situation im sozialen Sektor weiter verschärft. Steigende Kosten und gekürzte Mittel führen dazu, dass soziale Angebote eingeschränkt oder vollständig eingestellt werden müssen – mit erheblichen Auswirkungen auf Menschen in schwierigen Lebenslagen und auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Mehr als 80 Prozent der befragten Einrichtungen erwarten, dass sie künftig Leistungen reduzieren müssen. Rund 28 Prozent gehen sogar davon aus, dass Angebote vollständig wegfallen könnten. Die Entwicklung ist bereits sichtbar: In den vergangenen zwei Jahren mussten zwei Drittel der Einrichtungen Angebote einschränken oder einstellen, 20 Prozent sogar dauerhaft schließen. Damit setzt sich ein besorgniserregender Trend fort, nachdem bereits 2024 ein deutlicher Rückgang verzeichnet worden war.
Auch regional zeigt sich ein alarmierendes Bild: Über 60 Prozent der Einrichtungen bewerten die soziale Versorgung in ihrer Region als unzureichend. Dies betrifft sowohl niedrigschwellige Unterstützungsangebote als auch spezialisierte Dienste, die für die Bewältigung sozialer Herausforderungen unverzichtbar sind.
Besonders gravierend ist, dass mit dem Wegfall von Angeboten auch das freiwillige Engagement gefährdet ist. Mehr als zwei Drittel der Befragten rechnen damit, dass sinkende Angebotsstrukturen auch weniger Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement bedeuten.
Ohne stabile soziale Infrastruktur verlieren nicht nur Menschen in belastenden Situationen wichtige Anlaufstellen, sondern auch Orte, an denen Solidarität, Vertrauen und gesellschaftliche Teilhabe entstehen. Bei der Vorbereitung des Haushalts 2027 muss für die Bundesregierung daher die Absicherung sozialer Dienste Priorität haben.
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