Bildschirmfoto 2019 10 16 um 00.03.13Auftakt der Buchmesse 2010 mit der Eröffnungspressekonferenz, Teil 1

Claudia Schulmerich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – In der Tat gibt es Zufälle, die glaubt man gar nicht. Und deshalb war die gerade gekürte Nobelpreisträgerin aus Polen, Olga Tokarczuk, auf der Auftaktpressekonferenz die große Sensation, die gerne erzählte, wie es dazu kam, daß sie da ist als eine der Viererbande, die auf dem Podium sprechen und Fragen beantworten: Hausherr Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Olga Tokarczuk, Literaturnobelpreis-Trägerin 2018 und Francis Gurry, Generaldirektor der Weltorganisation für geistiges Eigentum (World Intellectual Property Organisation – WIPO).

Gegenwärtiger Standort in Selbstaussage

Die 71. Frankfurter Buchmesse findet vor dem Hintergrund globaler politischer und gesellschaftlicher Umbrüche statt. Die Sorge um den Zustand der Welt angesichts einer drohenden Klimakatastrophe, aber auch angesichts des wachsenden Einflusses antidemokratischer Kräfte, hat eine neue Generation von Aktivistinnen und Aktivisten hervorgebracht. Dazu zählen auch engagierte Autorinnen und Autoren, deren Romane, Sachbücher, Biografien und Lyrik Menschen weltweit inspirieren und aufrütteln. Zugleich erreicht das datengetriebene digitale Zeitalter neue Dimensionen: Die rapide Evolution der Künstlichen Intelligenz und bahnbrechende Fortschritte in allen Bereichen der Wissenschaft sind Vorboten disruptiver Entwicklungen, die ein neues Kapitel in der Geschichte der Menschheit ankündigen.


Juergen Boos

Bildschirmfoto 2019 10 16 um 03.48.59Als größter internationaler Treffpunkt einer Branche, in deren Zentrum Inhalte, Ideen und Geschichten stehen, greift die Frankfurter Buchmesse diese Entwicklungen auf. Juergen Boos ging auf die positive Entwicklung im deutschen Buchhandel ein, wo das Buch und sein Verkauf aus der Talsohle herauskommt, sich stabilisiert, ja sogar zulegt. Zwar wachsen die digitalen Angebote und das Internet bestimmt die Welt, aber es sei maßlos sei, während das Buch die dem Menschen gemäße Form sei und darum attraktiv und wesentlich bleibe.

Überall gehen die Menschen auf die Straße. Die Klimaaktivisten sind derzeit die Spitze. Aber es gelte weiterhin die Freiheit des Wortes zu verteidigen, das Wort zu nutzen gegen Korruption und für die Freiheit des Menschen. Derzeit gehe es darum, den Büchern als unverzichtbares Element des Lebens mehr Möglichkeiten im eigenen Leben zu geben. Die Orte, an denen man außerhalb von zu Hause lesen kann, können besser organisiert werden. In Oslo wird die neue Bibliothek 24 Stunden geöffnet sein, zum Beispiel.

Die Buchmesse sei der Ort, an der gesellschaftliche Spiegelung möglich sei, aus deren Analyse können dann Handlungsschritte gefolgert werden. Frankfurt ist für diese Messetage der Mittelpunkt von Wort und Literatur, die Messe wird immer internationaler, 150 Länder sind dabei.

Abschließend brachte Boos die berühmte Sentenz aus DER LEOPARD : „Alles muss sich ändern, damit alles bleibt, wie es ist.“ Das legte Giuseppe Tomasi di Lampedusa Tancredi, dem Neffen des Fürsten Mitte des 19. Jahrhunderts in den Mund. Leider gerät in Vergessenheit, warum. Es geht um die Entwicklung Richtung Demokratie. Also geht das Zitat in die richtige Richtung.


Heinrich Riethmüller

Heinrich Riethmüller war besonders locker, lustig und gut gelaunt. Das hat Gründe, denn er bedankt sich für sechs Jahre, die er Vorsteher des Deutschen Börsenvereins hat sein dürfen und nun turnusgemäß am Freitag nach der Buchmesse sein Amt an die neue Vorsteherin Karin Schmidt-Friderichs übergibt. In den letzten Jahren hat insbesondere das Sachbuch Konjunktur. Um 26 Prozent haben Bücher über Wirtschaft zugelegt, die über Politik um 18 Prozent. Dem Buch also gehe es gut. Aber in seiner Amtszeit habe sich die Welt politisch negativ verändert. Es gibt immer mehr autokratische Staaten. Es beginnt immer mit der Einschränkung der Pressefreiheit, als nächsten werden die weggesperrt, die die gesellschaftliche Wahrheit sagen. Er habe das an der Entwicklung in der Türkei verfolgen müssen, wo die Verleger ein schweres Leben haben und einige längst Exil in anderen Ländern erhalten haben, weil sie in der Türkei schon dann festgenommen werden, wenn sie sich kritisch über die Praxis der Verhaftung von Schriftstellern äußern. Die Freiheit des Worts ist nicht verhandelbar.


Francis Gurry

Als Gastredner war Francis Gurry, Generaldirektor der World Intellectual Property Organization (WIPO) eingeladen. Er sprach über aktuelle Herausforderungen an den Schutz des geistigen Eigentums, das immer mehr ausgehöhlt werde. Gerade das Urheberrecht sei für die Verlagsbranche existentiell und essentiell. Abschließend schlug er neue Geschäftsmodelle vor dem Hintergrund einer digitalen und datenbasierten Wirtschaft.

Fortsetzung folgt

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