Elfriede Weber PortraitDie Autorin Elfriede Weber

Sabine Zoller

Straubenhardt (Weltexpresso) - In Elfriede Webers erstem Roman "Er und kein anderer" erzählt sie in spannend packender Form eines Psychothriller, der just um die Ecke, also in jedem kleinen Ort sich ebenso hätte ereignen können. Mit ihrer genauen Beobachtungsgabe und detektivischen Spürsinn entwickelt die Autorin ihre Geschichten mit großer Sorgfalt und ist seit drei Jahren Mitglied der Goldstadt Autoren in Pforzheim.

Buch Cover er und kein anderer„Ich bin Autodidakt“, lacht die sympathische Schreiberin, die sich mittlerweile in Straubenhardt mit ihrer Schreibwerkstatt eingerichtet hat. „Schon als Kind hat mich das geschriebene Wort fasziniert“, berichtet Elfriede Weber, die nach dem frühen Tod der Mutter eine enge Bindung an die Großmutter hatte. „Vielleicht ist meine Liebe zum Texten durch sie entstanden?“ sinniert Weber, die dazu berichtet, dass sie mit ihrer Großmutter eine Seelenverwandtschaft verbindet. „Sie konnte aus dem Stehgreif heraus Verse texten die ihr so einfach über die Lippen flossen, dass es für mich stets eine große Freude war, ihre neuen Gedichte zu hören.“

Kein Wunder also, dass die junge Elfriede, geborene Letsch, dem großen Vorbild nacheiferte und mit elf Jahren ihr erstes Gedicht verfasste. Sicherlich, das haben auch andere in diesem Alter getan – doch das Besondere daran ist die Veröffentlichung in der Presse. In Tübingen hatte das Schwäbische Tagblatt Interesse an den Versen des Kindes und so entstand daraus eine Kolumne unter dem Titel „Unsere Kloine“. Schmunzelnd zeigt Elfriede Weber die vielen – mittlerweile schon leicht vergilbten  - Zeitungsausschnitte von einst und berichtet: „Jedes Gedicht wurde mit 10 DM belohnt – und so habe ich zwei Jahre mein Taschengeld aufgebessert.“

Mit großem Bedauern berichtet sie auch darüber, dass sie gerne Germanistik studiert hätte. Doch der Vater war Witwer und hatte vier Kinder. Daher war der Lebensweg zunächst mit einer kaufmännischen Ausbildung, dann Heirat und der Führung einer mittelständischen Druckerei vorgezeichnet. „Erst im Ruhestand habe ich mich neben der Malerei intensiv meiner großen Leidenschaft, dem Schreiben, gewidmet“, sagt Weber, die sich mittlerweile als Autodidaktin einen Namen gemacht und ihre Werke in rund drei Dutzend Anthologien, einem eigenen Gedichtband und sowie ihre gesammelten Werke in einem Buch veröffentlicht hat.

Das Schreiben gehört bei ihr zum Leben einfach dazu. Gerne verwendet sie dabei Autobiografisches und erzählt bittersüße Geschichten aus der Kindheit in Worten, die das Herz der Leser und Zuhörer tief im Innersten berühren. Mit den ehrenamtlichen Lesungen der Goldstadt Autoren ist sie daher auch gerne unterwegs in Seniorenheimen oder auch in größeren Lesesälen und berichtet dann aus dem Leben ihrer Großmutter, die einundzwanzig Kinder geboren hat. In Erinnerung geblieben sind dabei die Geschichten, die mit Großfamilie unter dem Weihnachtsbaum gefeiert wurden und trotz streng rationierten Lebensmitteln das Gefühl von Geborgenheit bis heute vermitteln. Anrührige Erlebnisse und ihre feinfühlige Erzählweise erlauben dem Leser mitzufühlen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die mittlerweile fast achtzig Lenze zählende Schreiberin den einen und anderen Preis bei Wettbewerben einheimst. Der regionale erste Preis für ihr Gedicht „Summertime“ macht sie besonders stolz. Erst im vergangenen Jahr ist es ihr mit einem Gedicht zu Goethes 270. Geburtstag gelungen, die Geschichte des Doktor Johann Faust und seines Pakts mit Mephistopheles so gekonnt in eine modern gefasste Versform umzusetzen, dass es im Faust Museum in Knittlingen einen Ehrenplatz bekommen hat.

Doch nicht genug damit. Auch für die Mundart setzt sich die in Albstadt auf der Schwäbischen Alb geborene Schwäbin ein. „Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache“ erklärt Elfriede Weber, die sich dabei auf ein Zitat des deutschen Philosophen Wilhelm von Humboldt bezieht, der die Sprache als Sehnsucht nach der Heimat beschreibt. „In Kindertagen hatte jedes Dorf seinen eigenen Dialekt und so konnte man schon an der Sprache erkennen, woher der Gesprächspartner kommt“, sinniert Weber, die bei den fünf Enkeln mittlerweile viele Anglizismen zu hören bekommt. Doch in diesem Fall unterstützt sie das Vorhaben von Winfried Kretschmann, der als Ministerpräsident des Landes Baden- Württemberg selbst Schwäbisch spricht, und mit „Bodenhaftung zur Erhaltung des Dialektes beiträgt.“ Kein Wunder also, dass sich Elfriede Weber daher auch mit der schwäbischen Mundart beschäftigt und dazu mit ihrer Autoren-Mitstreiterin Andrea Lutz aus Pforzheim, ein Badisch - Schwäbisches Biechle mit dem Titel „Was isch denn do bassiert“ - veröffentlicht hat. Die beiden Autorinnen bieten dazu spezielle Lesungen an. Im Grunde genommen sind es dabei Gedichte und Geschichten um die kleinen Dinge des Lebens, die meist Großes bewirken, zum Nachdenken anregen und damit vielleicht ein kleines bisschen helfen, die Welt zu verändern.

Nachdenklich wird die Autorin im Gespräch mit Bezug zur aktuellen Corona-Situation. „Eigentlich habe ich nun Zeit – sogar viel Zeit, um endlich meinen zweiten Krimi zu schreiben.“ Die Ideen zum Manuskript liegen bereits in der Schublade, doch derzeit ist sie noch zu sehr gefesselt von der weltpolitischen Situation. Bleibt also abzuwarten, bis wann das nächste Buch in Straubenhardt entsteht.

Fotos:
Elfriede Weber© Sabine Zoller
Cover

Info:
http://www.efiweber.de