Christie AMord unter Palmen Pyne 3CD 213453Mord unter Palmen, Urlaubskrimis im Hörverlag

Claudia Schulmerich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Sehr feinsinnig ausgedacht, diese Kurzgeschichten, die die Abenteuer, die Parker Pyne erlebt, beschreiben, wobei dieser Lebensberater ja eigentlich auf Urlaub ist, sehr feinsinnig also von Urlaubskrimis zu sprechen, was nahelegt, daß sie leicht konsumierbar für uns im Urlaub taugen, dabei weiß man gleich beim Hören des ersten, daß es Parker Pyne ist, der eigentlich auf Urlaubsreise in die Arabische Welt ist, aber dauernd passiert etwas, was ihn fordert.

Es paßt überhaupt nicht zu Agatha Christie, aber für Parker Pyne gilt es schon, wenn man ihm "Jetzt ist schon wieder was passiert." unterschiebt, was Wolf Haas seinen urösterreichischen Detektiv Brenner ständig ausrufen läßt. Denn unaufhörlich wird Parker Pyne von seinen Urlaubszielen ferngehalten, weil gerade wieder was passiert ist, was er heilen soll. Allerdings ist er selber daran schuld, daß die ganze Welt um ihn herum seine Dienste in Anspruch nehmen will, denn wer vor der Reise in der Londoner Times eine Anzeige aufgibt, die Aufsehen erregt: „Sind Sie glücklich? Falls nicht, konsultieren Sie Mister Parker Pyne, 17 Richmond Street," der muß sich nicht wundern. Das tut er auch nicht, sondern macht brav seine Arbeit, denn glücklich werden Leute eben auch dann, wenn ein Mord aufgeklärt wird oder ein Gegenstand wieder auftaucht, wobei ehrlich gesagt in Parker Pynes Nähe sich Morde genauso häufen wie Gegenstäande abhanden kommen.

Für die Vielfalt der Morde, der Motive, der Umstände und auch der unterschiedlichen Ermittler muß man Agatha Christie wirklich bewundern, von der es heißt, daß sie die meistgelesene Autorin auf der ganzen Welt ist, nur manchmal tönt dann auch, diejenige mit der höchsten Auflage sei Harry Potter-Autorin Joanne K. Rowling. Auf jeden Fall Frau, auf jeden Fall England. Und ein Prinzip beider ist die Serie, also, daß literarisches Personal dem Leser bekannt wird, er also schon weiß, wem er begegnet, was so etwas wie sich heimisch fühlen bedeutet, weil man sich voll auf den Fall konzentrieren kann, da man Miss Marple,  Hercule Poirot und hier Mister Parker Pyne schon kennt. Und dank der Verfilmung im ZDF lernen wir auch noch Sven Hjerson kennen.

James Parker Pyne ist ein alter Kerl mit einem jungen, neugierigen Herzen. Er war Beamter der Regierung, ist pensioniert, spricht von sich als einem „Detektiv des Herzens“. Eingeführt hat ihn Agatha Christie, als er in England ermittelt. Aber die Geschichten auf diesen CDs passieren ihm, als er erschöpft vom Ermitteln Ruhe auf seiner Urlaubsreise sucht.

Agatha Christie foppt also nicht nur uns, sondern auch ihren Detektiv, der Ruhe sucht und Ermittlungsarbeit findet. Wir hören die Geschichten: Haben Sie alles, was Sie brauchen?, Das Tor nach Bagdad, Das Haus in Schiraz, Eine Perle von Wert und Tod auf dem Nil. Letzteres kennen wir in ihrer späteren, zweiten Version als Roman mitsamt Verfilmungen, wo Hercule Poirot den Privatermittler gibt..

Man kann nicht alle Geschichte erzählen, aber die Struktur ergibt sich beim Hören. Es sind wieder einmal die kleinen grauen Gehirnzellen, die man in Gang setzen muß und tut man das, dann kann man zusammen mit Parker Pyne, der gerne seinen Namen hört und sich auch dann noch einmal vorstellt, wenn doch alle wissen, wer er ist, das Rätsel lösen, wie das von dem verlorenen Ohrring einer amerikanischen reichen jungen Dame, Teil einer Gruppe auf einem Ausflug nach Petra in Jordanien. Deren Vater, ein amerikanische Geschäftsmann und Millionär, spricht auffällig häufig von seinem Geld und auch davon, was die Ohrringe gekostet haben. Zu diesem Zeitpunkt weiß noch keiner, daß es wertlose Duplikate sind, die er hat machen lassen, weil er die Versicherung betrügen will. Aber mit dem Verlust des Ohrrings hat er nichts zu tun. Die junge Dame ist ein wenig unvorsichtig, der Ohrring fällt leicht vom Ohr. Und auf einem Aufstieg ist er, oben angekommen, auf einmal weg. Die kleine Reisegruppe ist verwirrt, er wird den Weg entlang gesucht, aber nicht gefunden.

Am Abend versucht jeder der Gruppe den anderen zu beweisen, daß er selbst auf keinen Fall den Ohrring genommen haben kann. Doch es gibt einen, der in seinen Taschen etwas mit sich führt, mit dem er berufsbedingt Abdrucke herstellt, ein Archäologe. Der schlaue Pyne weiß genau, was passiert ist. Der Ohrring ist nicht heruntergefallen, sondern der Archäologe hatte behauptet, der Ohrring habe sich gelöst und ihn festgeschraubt, dabei aber abgenommen und mit der Modelliermasse umhüllt, so daß er, als er seine Taschen öffentlicht leerte, nur sein Werkmaterial mit sich führte. Schlau gedacht, schlau entlarvt.

Es macht also Spaß, die Geschichten zu verfolgen, die zudem die Reisen der besseren Gesellschaft in den Orient als bildungsbürgerliches Event zeigen, was Stephan Benson beim Lesen mit leichter Ironie vermittelt. 

Übrigens ist die Sammlung von Kurzgeschichten über diesen Glücksritter schon im November 1934 in England erschienen, aber auf Deutsch vollständig erst 2010! Diogenes hatte 1964 drei der Geschichten veröffentlicht.

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Info:

Agatha Crisite, Mord unter Palmen, Urlaubkrimis, Parker Pyne ermittelt., gelesen von Stephan Benson
3 CDs, 3 h 12 min, Der Hörverlag 2021