bucherfrauenInterview zur bundesweiten Feiminisitschen Buchwoche der BücherFrauen von 6. bis 14. Mai 

Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Um Autorinnen sichtbar zu machen, veranstalten die BücherFrauen vom 6. bis 14. Mai 2023 erstmals eine bundesweite Feministische Buchwoche. Charlotte Fondraz ist Mitglied bei den BücherFrauen und hat an der Organisation der Feministischen Buchwoche mitgewirkt. Im Interview erzählt die Autorin worum es den Veranstalterinnen geht, welche Programmhighlights zu erwarten sind und wie es nach der Premiere ggf. weitergeht.

Worum geht es bei der Feministischen Buchwoche?
Die von den BücherFrauen initiierte Feministische Buchwoche, kurz FemBuWo, (6. bis zum 14. Mai 2023) besteht aus vielen verschiedenen Veranstaltungen rund um Feminismus und Bücher. Sie ist eine tolle Gelegenheit, die vielfältigen feministischen Stimmen in der Buchbranche kennenzulernen und die Leser:innen zu ermutigen, neue Titel auf ihre Leselisten zu setzen. Warum brauchen wir im Jahr 2023 noch eine Feministische Buchwoche? Weil die Autorinnen, die Übersetzerinnen und auch viele feministische Ansätze in der Buchbranche noch zu wenig Aufmerksamkeit bekommen; Stichwort: #FrauenZählen.

Mögen Sie uns kurz etwas zur Pilotstudie #FrauenZählen erzählen?
Gern. Das Projekt #FrauenZählen ist auf längere Dauer angelegt, es soll umfassend Daten sammeln. Es geht um die Sichtbarkeit von Autorinnen, zum Beispiel in der Literaturkritik und in Schulbüchern, aber auch um Literaturpreise, um Stipendien und um die Besetzung von Jurys. Die Pilotstudie „Sichtbarkeit von Frauen in Medien und im Literaturbetrieb“ bringt hierzu die ersten Ergebnisse. Nämlich, dass die Werke von Autorinnen deutlich seltener besprochen werden als die von Autoren. Ich zitiere http://www.frauenzählen.de/ : „Fazit: Autoren und Kritiker dominieren den literarischen Rezensionsbetrieb: Zwei Drittel aller Rezensionen würdigen die Werke von Autoren, Männer schreiben weit überwiegend über Männer und ihnen steht ein deutlich größerer Raum für Kritiken zur Verfügung. Einzig das Kinder- und Jugendbuchgenre erscheint als ausgeglichenes Genre; die als intellektuell oder „maskulin“ empfundenen Genres wie Sachbuch und Kriminalliteratur werden von Autoren wie Kritikern vereinnahmt.“ Um diesem Status quo etwas entgegenzusetzen, müssen wir Autorinnen und ihre Werke sichtbarer machen. Genau das werden wir mit der bundesweiten Feministischen Buchwoche erreichen! Übrigens wurde auch #FrauenZählen von dem BücherFrauen e.V. mitinitiiert.

Welche Programmhighlights können wir zur Feministischen Buchwoche erwarten?
Zuerst natürlich die Auftaktveranstaltung am Samstag, den 6. Mai 2023 um 14 Uhr, in der Feministischen Bibliothek MONAliesA in Leipzig. Dort hält die Autorin und Übersetzerin Doris Hermanns einen Eröffnungsvortrag über die Literatur von Frauen – weltweit und historisch – und geht besonders auf die Gründe ein, warum wir heute so wenig von diesen Autorinnen wissen. Die anschließende Podiumsdiskussion dreht sich um „Frauen im Genre – Feministische Perspektiven auf Krimi, Fantasy und Graphic Novel“. Sie wird moderiert von der Verlegerin des AvivA Verlags Britta Jürgs; die Teilnehmerinnen sind Barbara Fischer (Fantasy), Isabel Rohner (Krimi) und Julia Zejn (Graphic Novel). In der Abschlussveranstaltung, am 14. Mai um 15 Uhr in Berlin im Frauenkulturzentrum Begine geht es um Frauen – Körper – Gesundheit – Bücher. Petra Bentz vom Feministischen Frauengesundheitszentrum Berlin stellt zu diesem Thema verschiedene Bücher sowie die Clio - die Zeitschrift für Frauengesundheit vor. In der Zeit zwischen diesen beiden Veranstaltungen finden tolle Lesungen und viele andere Events statt; deutschlandweit in Präsenz, aber manche werden auch online durchgeführt. Sehr gern würde ich mir am 9.5.23 um 19:00 Uhr im Allerweltshaus in Köln die Lesung von Judith Vogt aus ihrem Roman „Schildmaid“ anhören. Dieser History-Fantasyroman zur Wikingerzeit um eine Kapitänin und ihre weibliche Besatzung interessiert mich sehr, wegen der feministischen Sichtweise. Leider werde ich mich mit dem Buch begnügen müssen, denn ich bin selbst auf Lesereise und zu dem Zeitpunkt in Bremen.

Wie geht es nach der ersten Feministischen Buchwoche weiter?
Das müssen wir mal sehen. Schön wäre es, wenn das Festival jährlich oder jedes zweite Jahr stattfinden könnte. Die Idee ist auf große Begeisterung gestoßen; dieses erste Mal haben wir die FemBuWo als Graswurzelaktion auf die Beine gestellt. Aber manches können wir noch besser organisieren. Wir haben schon ein paar Ideen, wie die FemBuWo noch bekannter und größer werden kann.

Gibt es für die Initiative Vorbilder aus anderen Ländern? Oder können Sie sich vorstellen, dass die Initiative auch in andere Ländern auf Resonanz stößt?
Ich kenne ähnliche Veranstaltungen aus anglophonen Ländern, z. B. die Feminist Book Fortnight (FBF) in Großbritannien und die Feminist Book Week in Australien. In Frankreich ist die Actualitté, ein literarisches Online-Magazin, auf die FemBuWo aufmerksam geworden. Ich wohne ja vornehmlich in Frankreich, deswegen würde mich besonders freuen, wenn demnächst eine Semaine féministe du livre initiiert würde.

Welche Autor*innen sollten aus Ihrer Sicht unbedingt mehr Aufmerksamkeit bekommen?
Die allermeisten. :) Nein, im Ernst: Es gibt viele interessante Werke zu feministischen Themen und zu Frauen, die viel geleistet haben, aber in Vergessenheit geraten sind. Auf unserer Webseite https://www.buecherfrauen.de/branchendebatte/fembuwo befindet sich eine – unvollständige – Liste von Büchern, die wir im Rahmen der FemBuWo empfehlen. Bei feministischer Literatur denke ich aber auch an Genreliteratur, also Fantasy, Science Fiction, History und Krimis zum Beispiel, die mit aktiv handelnden Frauenrollen aufwarten. Bei der Auftaktveranstaltung zur Feministischen Buchwoche greift die Podiumsdiskussion dieses Thema auf.

Haben Sie Buchempfehlungen / noch eine persönliche eine Buchempfehlung für uns?
Ja, unbedingt. Ein Buch, welches mich kürzlich besonders beeindruckt hat, ist „Warum Stillen politisch ist“ von Gabrielle Palmer in der Übersetzung von Ingeborg Hagedorn, herausgegeben vom Magas Verlag 2022. Was wäre, wenn man die menschliche Milch finanziell bewerten und in das Bruttosozialprodukt mit einrechnen würde? Das ist eine zentrale Frage, der Palmer in ihrem Buch nachgeht. Anschaulich und kompetent schildert sie die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte und erklärt, wie sich ein gesamter Wirtschaftszweig um Ersatzmilchprodukte etablieren konnte. Eine klare Leseempfehlung!



Charlotte Fondraz ist das Pseudonym der Autorin von feministischen Altertumsromanen. Vor der Schriftstellerei hat sie in Deutschland und in Frankreich Biologie und Anthropologie studiert und war als Offsetdruckerin, Paläopathologin und Übersetzerin tätig. Charlotte ist Mitglied bei den BücherFrauen und bei Amnesty International, wo sie ebenfalls schreibt, nämlich Briefe für die Freiheit. Auf ihrer Webseite www.charlotte-fondraz.com berichtet sie in einem Blog über sich und ihre Arbeit.

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