Die sieben guten Jahre“ von Etgar Keret aus dem Fischerverlag

 

Thomas Gehrke

 

Donauwörth (Weltexpresso) - Etgar Keret, 1967 in Ramat Gan, Israel, geboren, legt ein weiteres Buch mit wundersamen Geschichten vor. Daniel Kehlmann's Übersetzung aus dem Englischen „is swinging“.

 

Etgar Keret ist mit Shira Gefen verheiratet und sie haben einen Sohn, wichtige Personen - nicht nur in diesem Buch.

Der vollständige Titel des Buches lautet: „Die sieben guten Jahre – Mein Leben als Vater und Sohn.“

 

Den sieben Jahren sind jeweils Geschichten zugeordnet. Von „Plötzlich wieder das Gleiche“ als erste Geschichte bis „Pastrami“ am Schluss des Buches.

 

Dazwischen finden sich viel versprechende Titel wie „Seltsame Bettgefährten“, „Entscheidung am Spielplatz“, „Fette Katzen“, „Jungen weinen nicht“, „Liebe auf den ersten Whiskey“ und noch andere.

 

Alle diese kurzen, ja, Familiengeschichten sind richtig gut. Auch als abgearbeiteter Mensch wird man, wenn man im Bett noch etwas lesen möchte, durch sie erheitert bis zum lauten Lachen und zugleich machen sie auch still und beklommen, was kein Widerspruch ist.

 

So erheiterte es mich ungemein, in „Verteidiger des Volkes“ zu finden:

....“ hatte mich mein deutscher Verleger in ein exzellentes bayrisches Lokal eingeladen (ich gebe zu, das klingt wie ein Oxymoron)“.....

Und natürlich musste ich hier meinen „Wahrig“ zu Rate ziehen. Dort fand ich: „ Ein O. ist eine rhetorische Figur, bei der zwei sich widersprechende Begriffe verbunden sind. Das ist ein Humor, der mir gefällt und es ist unerheblich, dass in „bayrisches“ das „e“ fehlt. Finde ich.

 

In einer anderen Geschichte, "Seltsame Bettgefährten", kann man vom Zusammentreffen eines Schweizer Hotelmanagers mit einem Israeli lesen.

 

Sie treffen sich eher zufällig auf dem Balkon des Restaurants Indus, das sich auf Bali befindet.

 

Der Schweizer trinkt einen geeisten Whisky nach dem anderen und transpiriert stark.

 

Er erzählt dem Israeli, dass er hier ein Resort-Hotel führen wollte, was aber misslang.

 

Hauptsächlich deswegen, weil ein amerikanisches Ehepaar im Bad ihres Appartements eine Eidechse fand.

 

Sie beschwerten sich nachdrücklich und der Schweizer erklärte, dass er nichts tun könne, es gäbe in Indonesien mannigfache Eidechsen.

 

Das amerikanische Ehepaar verließ derb fluchend das Resort, jedoch schon unter Mitnahme seines Gepäcks.

 

Der Schweizer suchte dann das Appartement der Amerikaner auf und fand im Bad eine Eidechse. Sie war ziemlich groß, ungefähr 1,5 Meter lang.

 

Dem Israeli erzählt er von einem TV-Film über fremde Kulturen. In diesem Film lag so eine oder auch ähnliche Eidechse auf einer wohl toten Bergziege und fraß sie genüsslich.

 

Und dann die Frage, nachdem er seine Geschichte erzählt hatte, was denn der Israeli auf Bali mache.

 

Darauf erzählt der seine Geschichte.

 

Nämlich, dass er zu einem Literaturfestival eingeladen sei.

Es war schwierig das Visum zu bekommen, Juden halten sich eher selten in Indonesien auf. Indonesien sei ein „islamisches Land und dazu sehr antiisraelisch, ja angeblich sogar antisemitisch. Auf Wikipedia fand ich aber einen Hinweis, dass Bali eine große Mehrheit von Hindus hat und so bin ich jetzt hier. Ich soll auf der Eröffnungsveranstaltung des Festivals vor dem Gouverneur der Insel und Vertretern der königlichen Familie aus meinen Geschichten lesen.“

 

Während der Lesung hat er verschiedene Eindrücke. So kann er den Gesichtsausdruck seiner Zuhörer nicht wirklich deuten, sie hören aber konzentriert dem ersten israelischen Schriftsteller, der je nach Bali gekommen ist, zu.

 

Und er fragt sich: "Was sehen sie, wenn sie mich anschauen? Vielleicht eine Eidechse. Und nach dem Lächeln zu urteilen, das sich langsam in in ihren Gesichtern ausbreitet, ist diese Eidechse wesentlich kleiner und geselliger , als sie erwartet haben."

 

Info:

 

Edgar Keret, "Die sieben guten Jahre", 222 Seiten,

S.Fischer Verlag, 2016, 19,99 €.