
Helga Faber
Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Zum Jahresbeginn wird im Frankfurter Zoo Inventur beim Tierbestand gemacht und Datenbanken und Statistiken werden ausgelesen und analysiert. Betrachtet wird dabei nicht nur die Anzahl der Zootiere, sondern auch die Entwicklungen bei den Besucherzahlen, den Tierpatenschaften und den Angeboten der Abteilung Bildung und Vermittlung sowie besondere Ereignisse im zurückliegenden Jahr.
Höhepunkte des Jahres waren die Eröffnung der neuen Anlage für Humboldt-Pinguine im Mai und die Vorstellung der Konzeptstudie „ZOOKUNFT2030+“, in der der Zoo seine Vision für die Weiterentwicklung zum Naturschutz-Zoo präsentiert.
„Das Interesse und das Engagement so vieler Menschen zeigt, wie wichtig der Zoo für Frankfurt und darüber hinaus ist. Es ist der Ort, an dem Vielfalt erlebt und ihre Bedeutung erfahren werden kann. In Zeiten, in denen wir uns dem Verlust der Artenvielfalt entgegenstellen müssen, ist der Zoo ein Ort, an dem man nicht nur lernen, sondern auch aktiv werden kann. Das bestärkt mich darin, die Zooentwicklung gemeinsam mit Dr. Casares voranzutreiben“, sagt Kulturdezernentin Ina Hartwig.
Besucherentwicklung

Gut angenommen wurde der Zooeingang in der Rhönstraße. 17.864 Eintritte wurden während der Öffnung in der Zeit vom 1. Mai bis zum 31. Oktober dort gezählt. Das entspricht einer 35-prozentigen Steigerung zum Vorjahr.
Ebenfalls gut angenommen wird das Angebot, Zootickets online zu kaufen. Der Webshop öffnete Mitte Juni seine Pforten. Fast 9000 Eintrittskarten wurden bis Ende des Jahres 2019 über PC oder Smartphone gekauft. In diesem Jahr soll das Angebot stärker beworben werden. Der Zoo erhofft sich dadurch eine schnellere Abwicklung an der Kasse zu Stoßzeiten.
Bildung und Vermittlung

Neben den klassischen Führungen und 240 Kindergeburtstagen zu unterschiedlichen Themen fanden 2019 auch viele Veranstaltungen im Rahmen von Projekten statt. Hierzu zählen unter anderem der Zoo-Jugendclub, das Projekt „Kinder im Garten“ in Zusammenarbeit mit dem Palmengarten sowie das Projekt „Places to see“ – Führungen für geflüchtete Menschen in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Kulturamt.
Wertvolle Unterstützung: Tierpatenschaften, ehrenamtliches Engagement und die Arbeit der Stiftung Zoo Frankfurt

Im vergangenen Jahr wurden die ehrenamtlichen Naturschutzbotschafter, ein Kooperationsprojekt des Zoos und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, von der Abteilung Bildung und Vermittlung übernommen. Mit Beginn der Osterferien im April wurden bis Ende 2019 etwa 1700 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet. Die engagierten Botschafter informierten bei 423 Einsätzen im Zoo und bei externen Veranstaltungen über Natur- und Artenschutzthemen an ihren Infomobilen. Beliebt waren wieder die sieben angebotenen Artenschutztage und Sonderveranstaltungen der Naturschutzbotschafter. Darunter der bereits zum 14. Mal durchgeführte Kinderfotokurs oder der „Tag der Biodiversität“ im Mai, an dem 13 Partnerorganisationen im Zoo ihre Arbeit zum Erhalt der Biologischen Vielfalt präsentierten.
Erfreulich entwickelt sich auch die Sammelaktion „Ein Handy für den Gorilla“. Seit Oktober 2019 betreuen die Naturschutzbotschafter die Handysammlung im Auftrag des Zoos. So konnten im letzten Quartal allein über die Althandy-Sammelfässer am Zooeingang und über 44 bundesweite Sammelpartner 4252 Geräte gesammelt und dem Recyclingprozess zugeführt werden. Etwa 15 Prozent der rückgeführten Mobiltelefone werden für den Secondhandmarkt aufbereitet.
Über 4200 alte Handys bedeuten auch, dass etwa 100 Gramm Gold, 750 Gramm Silber und etwa 39 Kilogramm Kupfer für den Materialkreislauf zurückgewonnen werden konnten. Eine erfreuliche Entwicklung ist, dass der zertifizierte Prozess der Handyrücknahme, an dem sich der Zoo Frankfurt beteiligt, mit dem staatlichen Umweltzeichen „Blauer Engel“ ausgezeichnet wurde. Dabei handelt es sich um den ersten bundesweiten Handyrücknahmeprozess, der das Siegel erhielt.
Gemeinsam mit der KfW Stiftung unterstützte die Stiftung Zoo Frankfurt die Erstellung der Konzeptstudie „ZOOKUNFT2030+“. Darüber hinaus wirbt die Zoo-Stiftung weiterhin Gelder für den Umbau der Löwen-Außenanlage ein. Die Planungen dafür befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium. Sobald diese abgeschlossen sind und das Projekt durch die Genehmigungsverfahren gelaufen ist, kann der Umbau realisiert werden. Läuft alles reibungslos, kann mit einem Baubeginn im Frühjahr 2021 gerechnet werden.
Tierbestand
Zum Stichtag der Inventur wurden 4652 Tiere in 448 Arten erfasst. Tatsächlich leben aber vor allem im Exotarium sehr viel mehr Tiere, denn zum Beispiel Blattschneiderameisen und kleine Seesterne werden nicht nach ihrer Anzahl, die leicht in die Tausende gehen kann, sondern nur als eins gezählt.
Bei den Säugetieren waren es 1012 Individuen in 89 Arten. Einen Großteil der Individuen machen die Brillenblattnasen aus. Davon schwirrten 600 durch die Anlage im Grzimekhaus. Als neue Arten kamen 2019 unter anderem Kugelgürteltiere und Wasserschweine hinzu. Im Sommer gab es nach 15 Jahren zum ersten Mal wieder Nachwuchs bei den Bongos. Bei Addax-Antilopen, Alpakas, Rostkatzen und Erdmännchen gab es gleich mehrfachen Nachwuchs. Doch von manchen bei Besuchern besonders bekannten Tieren, musste auch Abschied genommen werden. So musste die junge Löwin Mira aufgrund einer Schädelmissbildung eingeschläfert werden. Im hohen Alter von 25 Jahren starb Netzgiraffe Monique.
Mit Berghaubenwachtel und Falklandkarakara zogen zwei neue Vogelarten ein. Damit lebten zum Stichtag 286 Vögel in 72 Arten im Zoo. Erfolgreiche Nachzuchten gab es bei den hochbedrohten Reisfinken und den Gelbfußhonigsaugern.
Besondere Bedingungen herrschen seit einigen Monaten im Exotarium. Im vergangenen Jahr begannen die umfangreichen Sanierungsarbeiten am großen Glasdach des traditionsreichen Tierhauses. Einige Bewohner mussten deswegen sogar umziehen. Die Australischen Süßwasser-Krokodile etwa sind jetzt in der ehemaligen Pinguin-Anlage im Erdgeschoss zu sehen. Insgesamt wurden im Zoo zu Ende 2019 368 Reptilien in 65 Arten, 285 Amphibien in 19 Arten, 2016 Fische in 133 Arten, 685 Wirbellose in 70 Arten gehegt und gepflegt.
Fotos:
© Zoo Frankfurt