1 Ehrenbriefe Copyright Stadt Frankfurt Salome RoesslerEhrenbriefe des Landes  Hessen im Frankfurter Kaisersaal überreicht, Teil 1/2

Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Frankfurt kehrt stückweise zur Normalität zurück und daher ist es auch endlich wieder möglich, verdiente Bürger im Römer auszuzeichnen. Wenn auch im kleineren Rahmen als in den Jahren zuvor, hat Oberbürgermeister Peter Feldmann am Donnerstag, 28. Mai, fünf Frankfurtern den Ehrenbrief des Landes Hessen überreicht. Die Auszeichnung wird für besonderes ehrenamtliches Engagement vergeben.

Bildschirmfoto 2020 05 28 um 21.25.35An der Zeremonie im Kaisersaal durften 35 Menschen teilnehmen, platziert mit ausreichendem Sicherheitsabstand, ein durchaus gespenstischer Anblick, wenn man daran denkt, wie sonst in diesem Raum Platz für über 200 Gäste ist, die Bildschirmfoto 2020 05 28 um 21.24.44Stimmung verbreiten. Bei seiner Ansprache ging das Stadtoberhaupt auf die aktuelle Lage ein, wobei angesichts der wenigen Leute im Raum beim Reden ein ziemlicher Hall einsetzt. In Zeiten der Corona-Pandemie zeige sich die Stärke der Frankfurter Gemeinschaft, sagte Feldmann. Die Menschen unterstützten sich gegenseitig und stünden füreinander ein. „Sie geben unserer Gemeinschaft Gesicht. Mit ihnen gehen wir stärker aus der Krise hervor“, fügte der Oberbürgermeister hinzu. Er appellierte an die Geehrten, den Ehrenbrief als Motivation zum Weitermachen zu begreifen.

Sabetai Ushki bekommt in seiner ehrenamtlichen Arbeit besonders mit, wie das Corona-Virus die Schwachen unserer Stadt stärker als andere trifft. Er ist Gründer des Vereins Street Angels und seit 20 Jahren in der Obdachlosenarbeit aktiv. Street Angels kocht normalerweise für Menschen auf der Straße, was in Corona-Zeiten nur eingeschränkt möglich ist. Ushki organisierte daher die Verteilung von Lebensmittelpaketen – selbstverständlich unter Einhaltung der aktuellen Schutzbestimmungen. Wie sehr er im Verein verankert ist, konnte man anschließend auf dem Römer erleben.


Bildschirmfoto 2020 05 28 um 21.23.59Daniel Hofmann erhielt die Auszeichnung für sein Engagement für jüdisches Leben in der Stadt. Er organisiert seit 2005 den Gebetsraum der Religionsgemeinschaft auf der Messe, ist Vizepräsident der Zionistischen Organisation Deutschland - Frankfurt und europapolitisch engagiert. Bildschirmfoto 2020 05 28 um 21.22.55Weltexpresso hat mit ihm über seine Tätigkeiten ein Interview geführt, das demnächst veröffentlicht wird. Da er als erster den Ehrenbrief überreicht bekam, konnte man das Prozedere verfolgen. Alle die, die im Raum waren, trugen den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz, auch der OB. Zum Reden allerdings nahm er diese ab und erklärte, daß angesichts der wenigen Leute im großen Raum und des großen Abstands zwischen den anwesenden 36 Personen - jeweils Reihen mit fünf und vier Stühlen - auch die Gäste diese abnehmen könnten. Allerdings mußten die Geehrten und OB Peter Feldmann, der die Urkunde und die Medaille überreichte, für den Akt der Übergabe den Gesichtsschutz wieder anlegen. Das ist zwar alles obskur, aber da man weiß, warum das geschieht, dann auch wieder in Ordnung.


Aus dem Sport kommt Bernd Scheu. Sein Engagement begann 1996 als Jugendbetreuer bei der SG 01 Höchst und führte ihn über den dortigen Vorstand in den Vereinsring des Stadtteiles. Diesem gehört er seit 2012 als Geschäftsführer an. Zusätzlich ist er seit 2013 ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht.

Ähnlich sieht der ehrenamtliche Werdegang von Andreas Will aus. Seit 35 Jahrem begleitet er verschiedene Ehrenämter bei der SG Sossenheim, unter anderem als Jugendtrainer. Zudem ist er aktiv im Kultur- und Förderkeis des Stadtteils und gehört dem Vorstand des örtlichen Vereinsringes an.

„Kochen für Bedürftige“ in der katholischen Pfarrgemeinde St. Josef ist seit 2002 einer der Tätigkeitsschwerpunkte von Peter Schmidt. Er gehört zu den Organisatoren des Bornheimer Oktoberfestes und ist im Vorstand des Vereinsringes Bornheim aktiv. Seit 2012 ist er Vorsitzender des Vereins Frankfurter Markthändler und übt noch weitere Ehrenämter aus. Zusätzlich gehört Schmidt dem Ortsbeirat 4 an.

2 Ehrenbriefe Copyright Stadt Frankfurt RoesslerDer Ehrenbrief ist eine Auszeichnung des Ministerpräsidenten, die für herausragendes ehrenamtliches demokratisches, soziales oder kulturelles Engagement von mindestens zwölfjähriger Dauer vergeben wird. Die Entscheidung über die Vergabe liegt beim Oberbürgermeister, der wiederum Vorschläge aus der Bürgerschaft entgegennimmt. Der damalige Ministerpräsident Albert Osswald stiftete die Auszeichnung im Jahre 1973. Jährlich werden landesweit zwischen 1000 und 1500 Ehrenbriefe vergeben. Der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und jetzige SPD-Stadtverordnete Gregor Amann, der auch politisch insbesondere für die Bereiche Arbeit und Soziales zuständig ist, schloß mit Worten für die Ehrenbriefträger die Veranstaltung. 

Diesmal fiel auf, daß fünf Männer ausgezeichnet wurden und keine einzige Frau dabei war. Das liegt nicht an der Auswahl durch die Stadt oder des Landes, sondern ist abhängig von den Vorschlägen, die von Bürgerseite her kommen. Da auf viele Frauen die Anforderung für die Auszeichnung, ehrenamtliches, demokratisches, soziales oder kulturelles Engagement für so viele Jahre geleistet zu haben, zutrifft.

Bildschirmfoto 2020 05 28 um 21.21.37Bildschirmfoto 2020 05 28 um 21.21.02Bleibt, darüber zu berichten, was beim Herauskommen aus dem Römer auf dem Römerberg geschah. Hier Daniel Hofmann mit seinen Ehrengästen, die jeder Ausgezeichnete einladen darf, die so staunten, wie alle. Zuerst mochte man an ein erwartetes frisch getrautes Ehepaar denken. Denn deren Hochzeitsgäste stehen sonst mit Rosen vor dem Römer. Diesmal allerdings stand das Spalier mit roten und weißen Rosen für Sabetai Ushki, den Gründer des Vereins Street Angels. Ihn empfing auch ein großes Plakat mit der Inschrift, daß er das Herz des Vereins für Obdachlose sei. Das war sehr beeindruckend.


Im zweiten Teil unseres Berichts bringen wir das Interview mit Daniel Hofmann.


Fotos:
Titel: Peter Schmidt, Bernd Scheu, Daniel Hofmann, Sabetei Uskhi, Andreas Will, Oberbürgermeister Peter Feldmann
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Blick auf die Auszeichnung © Stadt Frankfurt
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