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Claus Wecker

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Ein Regiedebüt aus Italien. Autor und Regisseur Marco Danielli kommt vom Theater, von einer experimentellen Gruppe namens „Zona Franca“, hat am „Centro Sperimentale di Cinematografica“ studiert und Dokumentar- und Kurzfilme gedreht. Für seinen ersten Spielfilm hat er sich ein provokantes Thema ausgesucht: ein junges Mädchen aus dem Kreis der Zeugen Jehovas wird erwachsen.

Dass die Zeugen Jehovas untereinander nicht ganz so harmlos sind, ist ja allgemein bekannt. Die strikte Disziplin, die sie sich auferlegen, erkennt man schon daran, wie sie an öffentlichen Plätzen stumm ihren „Wachturm“ offerieren. Die Bekehrungsquote dürfte dabei gegen null gehen. Es muss also ein höherer Lohn winken, den wir nicht kennen. Um ein bisschen Sekten-Bashing kommt Marco Danielli dann auch in LA RAGAZZA DEL MONDO nicht herum.

Sara Serraiocco, die Natalie Portman verblüffend ähnlich sieht, spielt Giulia, die junge Zeugin Jehovas. Sie zieht mit ihrer Freundin am Samstag von Haus zu Haus, um die Menschen zu fragen, ob sie an Gott glauben. Mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester nimmt sie brav an den Versammlungen der Zeugen teil.

Nach Meinung ihrer Lehrerin sollte sie am anstehenden Mathematik-Wettbewerb teilnehmen und ein Studium anstreben. Doch ihre religiösen Eltern haben für sie die Buchhaltung in der Firma des Vaters vorgesehen. Bei einem ihrer Missionsbesuche lernt sie Libero (Michele Riondino) kennen, den missratenen Sohn ihrer Gastgeberin. Mehr, um der besorgten Mutter zu helfen, als aus Sympathie zum aggressiven Sohn, verschafft sie dem gerade aus dem Knast gekommenen Libero einen Job im Betrieb ihres Vaters. In einer Mischung aus Neugier und christlichem Mitgefühl verliebt sie sich in Libero, was zu einer hochnotpeinlichen, wohl etwas überzeichneten Befragung bei den Zeugen Jehovas und zum Ausschluss führt. Doch sie gerät in eine neue Abhängigkeit.

Marco Danielli zeigt, dass Erwachsenwerden mit einer intensiveren Form von Beziehungen, also auch mit größerer Verantwortung, verbunden ist. Denn Libero macht Giulia zwar das Geschenk der Freiheit, Teil der Welt zu werden, vor der die Zeugen Jehovas sie zu bewahren suchten. Aber sie wird nicht „Teil einer neuen, strahlenden Welt mit einer Zukunft voller Möglichkeiten“, wie uns das Programmheft des italienischen Filmfestivals Verso Sud weismachen möchte. Sie macht eine bittere Erfahrung und verbündet sich am Ende mit einer alten Bekannten, die Jahre vor ihr ausgeschlossenen wurde.

Foto: © Verleih


Info:
Der Film läuft im Kino des Deutschen Filmmuseums am Sa., 2.12., um 18.30 Uhr mit anschl. Gespräch mit dem Regisseur und um 21.30 Uhr mit dessen Einführung.