f report4Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 7. November 2019, Teil 30

Redaktion

New York (Weltexpresso) - Das Büro der Senatorin Feinstein stellte den Kontakt zwischen dem Filmemacher und Jones her. Die beiden trafen sich in New York, um über den Bericht zu sprechen. „Dan erzählte mir, wie schwierig es war, die Untersuchung abzuschließen und den Bericht publik zu machen. Ich war fasziniert“, sagt Burns. „Mir wurde klar, dass der Film nun definitiv nichts mehr von einer Komödie haben würde. Der Fokus lag nicht mehr auf Mitchell und Jessen, sondern auf diesem Mann, der seinen Job jahrelang mit unvorstellbarer Integrität gemacht hat.“

Jones war ein Fan von Burns Filmen, vor allem DER INFORMANT!, CONTAGION und DAS BOURNE ULTIMATUM. Burns weitreichende Kenntnis des Folterberichts beeindruckte ihn und er mochte seine Liebe zum Detail. „Scott war ganz anders als all die anderen, die das Büro der Senatorin wegen des Berichts kontaktierten“, meint Jones. „Er stellte keine einfachen Fragen zum Bericht, sondern fragte nach Details in den Fußnoten, von denen es ungefähr 1000 gibt. Ich bin selbst sehr detailversessen und hatte einen Gleichgesinnten gefunden.” Erst durch die Gespräche mit Jones wurden Burns der Inhalt und die Tragweite des Berichts wirklich bewusst: „Dan half mir sehr dabei, den komplizierten Bericht und die Feinheiten in den Fußnoten zu verstehen, die dem neugierigen und sorgfältigen Leser ins Auge fallen. Wir konnten natürlich nur über die freigegebenen Teile sprechen. Es war beeindruckend, wie er sich, auch lange nachdem seine Aufgabe als Hauptermittler erfüllt war, noch strikt an die damit verbundenen Regeln hielt.“

Der Respekt beruhte auf Gegenseitigkeit: „Scott war außergewöhnlich gut informiert. Er hatte den Bericht mehrmals gelesen und alle Details sorgfältig studiert. Er blieb in Kontakt, um mir Fragen zu Dingen zu stellen, die ihn neugierig machten. Sodass das Ganze ein sehr organischer Prozess war. Am Anfang erzählte er mir nicht, dass er ein Drehbuch schrieb. Deshalb unterschieden sich die Telefongespräche in den ersten fünf Jahren nicht von denen mit anderen Journalisten.“


VERTIEFTES VERSTÄNDNIS

Wie ein investigativer Journalist sprach Burns mit zahlreichen Experten, um den schockierenden Inhalt des Folterberichts besser zu begreifen: „Da ich das Drehbuch nach dem Erscheinen des Berichts schrieb, konnte ich von den klugen Köpfen profitieren, die schon viel offengelegt hatten.“ „Ich sprach mit Mitarbeitern des Militärgeheimdienstes über Verhörmethoden und mit der NavySpezialeinheit Navy SEALS über das SERE-Training (SERE steht für „Survival, Evasion, Resistance and Escape“, also Überleben, Ausweichen, Widerstand und Flucht), bei dem Soldaten lernen, Folter standzuhalten. Ich traf mich auch mit Psychologen, Rechtsanwälten, einem Ermittler für Menschenrechtsverletzungen aus Harvard, der mit dem Roten Kreuz zusammenarbeitete, und zahlreichen Journalisten.”

Burns vertiefte sich in den Bericht. So kam er in Kontakt mit mehreren US-Senatoren, die ihm ihre Sichtweise auf die Gesetzesverstöße der CIA erläuterten. „Die meisten Senatoren waren netterweise zu einem Gespräch bereit und erzählten von dem Programm, wie es entstand und wie der Senat es kontrollierte. Alle schätzten Dans Arbeit sehr. Dank Whitehouse, Levin und Udall gewann ich tiefen 5 Einblick in den Prozess der Veröffentlichung der Kurzfassung.“ Burns hatte auf ein Gespräch mit dem Senator für den Bundesstaat Arizona, John McCain, gehofft, dem Co-Autor des von Republikanern und Demokraten unterstützen McCain-Feinstein-AntifolterGesetzes. McCain war aber krank geworden und konnte nicht mit Burns reden. „Stattdessen sprach ich mit dem Stabschef, der viel zu McCains Sichtweise des Programms, zum Bericht und zu Dan zu sagen hatte. Dans Rede anlässlich der Freigabe des Berichts ergab die moralische Schlussfolgerung des Films. Das sind seine Worte, nicht meine.“


EIN GEGENMITTEL GEGEN DAS POSTFAKTISCHE ZEITALTER

Aus über 120 schriftlichen Quellen und vielen Stunden Interviews mit diversen Experten von Menschenrechtsorganisationen und Militär erschuf Burns den Film. Er spiegelt seine Leidenschaft für Unterhaltung und Authentizität wider. „Scott hat den realen Inhalt des Berichts für die Zuschauer meisterhaft als Drama arrangiert“, findet Jones. Neben den Ergebnissen von Burns intensiver Recherche diente der Folterbericht als Hauptquelle für den Film. So wurde er zum Gegenmittel gegen das sogenannte postfaktische Zeitalter voller einseitiger Medienberichte, heuchlerischer Politik und Verschwörungstheorien, die durch die sozialen Netzwerke Zulauf bekommen. „Wir übernahmen so viel wir konnten aus dem Bericht, selbst Dialoge. So stellten wir sicher, dass wir alles so genau darstellten, wie das in einem Spielfilm mit Drehbuch möglich ist“, legt Burns dar. Doch da einige Geschehnisse als geheim klassifiziert waren, musste die Handlung teilweise abgewandelt werden. „Nicht alles aus dem Bericht konnten wir konkreten Personen zuschreiben, weil einiges zensiert war“, erklärt Burns. „Deshalb erschufen wir fiktive Figuren aus mehreren realen Personen. Die Figur Maura Tierney z.B. verkörpert verschiedene Menschen, die damals bei der CIA arbeiteten. Auch die Figur des Michael C. Hall ist eine Kombination aus unterschiedlichen Rechtsanwälten, die für die Antiterroreinheiten arbeiteten.“ „Der Film hält sich strikt an die Fakten des Berichts, der wiederum auf CIA-Unterlagen basiert“, erläutert Jones. „Ich hoffe, dass die Verfilmung der Geschehnisse und die Tatsache, dass sie weltweit gezeigt werden, dazu beitragen, dass so etwas nie wieder geschieht.”


REFLEKTION DES FILMS

Aufgrund des aktuellen politischen Klimas fürchten die Filmemacher, dass einige Zuschauer eine vorgefertigte Meinung über THE REPORT haben, noch bevor sie den Film gesehen haben. Sie hoffen jedoch, dass die Menschen den Film unvoreingenommen ansehen und selbst feststellen, wie unparteiisch er ist. „Für mich ist es ein sehr patriotischer Film“, erläutert Soderbergh. „Es geht darin um Rechenschaftspflicht und den Respekt vor den Werten der Verfassung. Wir sind alle so politisiert, dass wir denken, bei so einem Thema müsse man parteiisch sein. Aber das entspricht nicht dem Ansatz von Dan Jones, der Senatorin Feinstein und dem „Senate Select Committee on Intelligence“. Sie wollten berichten, wie ein Land, das auf hohen moralischen Werten basierte, diese so schnell aufgeben konnte. Der Film dreht sich nicht um rechts oder links, sondern um richtig oder falsch.” THE REPORT erkennt an, dass sowohl Mitglieder der Republikaner als auch der Demokraten an diesem schlimmen ethischen Niedergang eine Mitschuld tragen und dass es Grauzonen gibt. „Ich bezweifle nicht, dass viele, die am CIA-Programm beteiligt waren, glaubten, so ihr Land zu verteidigen“, meint Burns. „Aber man kann unbequeme Gesetze nicht einfach brechen. Und die „verschärften Verhörmethoden“ verstoßen gegen das Gesetz und sind eindeutig Folter. Sie ist falsch und funktioniert nicht. Die Obama-Administration hätte die Geheimhaltung aufheben und eine Strafverfolgung der Gesetzesbrecher einleiten können. Sie beschlossen jedoch, dass sich das Blatt gewendet hatte und zogen niemanden zur Verantwortung.“