290df6fce3e2c888e37ab82f5ab5a8d29b391551Zum Filmstart von "This Rain Will Never stop"

Eva Mittmann

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Nach Angaben der ukrainischen Armee, so heißt es aktuell in den Medien, bereiten sich momentan die russischen Streitkräfte auf den Sturm der Hauptstadt Kiew vor. Vor diesem aktuellen Hintergrund eines Kriegsszenarios trifft der Film „This rain will never stop“ von Alina Gorlova auf höchst düstere Art mitten ins Schwarze.

Der Protagonist ist nämlich ein Flüchtling aus Syrien, der sich als Sohn einer Ukrainerin und eines syrischen Kurden in die Ukraine „gerettet“ hatte. Andriy, so er heißt er, zeigt sich in den Anfangsszenen des Films als engagierter freiwilliger Helfer bei den „Rapid-Response-Teams“ des Roten Kreuzes, welche den Dorfbewohnern mit Lebensmitteln Unterstützung zukommen lassen. Der Film beginnt mit bedrohlich wirkenden Luftaufnahmen, die an Mondlandschaften erinnern. Im Hintergrund ist der Rhythmus von monoton wiederkehrenden dunklen Geräuschen zu hören, die Herztöne symbolisieren, unterbrochen von hohe Morse- bzw. Pfeiftönen und dumpfen Trommeln. Schwere Kost. Die Momentaufnahmen von kargen Landschaften und kahlen Bergen wirken dahinter trostlos und bedrohlich – Ein lebensfeindliches Szenario in schwarz-weiß. Vor dem Hintergrund einer Fabrikhalle und finster rauchender Schlote rattern Panzer über die leere, graue Straße. Ein Mann sitzt mit seiner Katze vor seiner schäbigen Hütte. Exemplarisch ertönen zwei Sätze, die untrüglich Unheil erahnen lassen: „Du hast Silvester überlebt, also wirst du weiterleben.“ Und die gleichermaßen makabre Antwort: „Ich gehe in den Fluss schwimmen; bisher hat niemand geschossen!“ Ebenso düstere Musik ertönt. Dazu werden unheilsschwanger Bilder von aufgewirbeltem Wasser und aufsteigendem Nebel gezeigt.

Es folgt die Einleitung der ersten Episode: Man sieht eine Menschenmenge vor einem Grenzübergang im Regen stehen; Passkontrolle und Soforteinsatzteams. Hierzu ertönen die Sätze: “ Wer einen russischen Pass beantragt, unterstützt die Eindringlinge!“ und „Um Vermisste aus dem Don-Bas-Gebiet zu melden, wählen Sie diese Nummer...“. Eine eingeblendete Behelfsbrücke unterstreicht diese trostlose Szenerie.

Die zweite Episode zeigt dann einen festlichen Auftritt zur 100-Jahr-Feier des Roten Kreuzes: „Hundert Jahre Wohltätigkeit“. Die Aufnahme des Banners „Ehre unseren Helden“ wird untermalt von dunkel-sphärischen Klängen. Hierzu Aufnahmen einer gut ausgerüsteten Armee. „Ehre!“ im Chor.

In Szene drei befinden wir uns dann in Syrien. Einblendung von Hochspannungsmasten in karger Landschaft und dazu die Frage: „Was ist los in deinem Land?“ Die lapidare Antwort darauf: „Das weiß nur Gott!“. Später dann fallen sich Vater und Sohn in die Arme: „Hast du unser Haus gesehen?“ „Ja, da wohnen jetzt andere.“ Ähnlich trostlos ertönt es wenig später: “Das viele Porzellan ist nutzlos. Die Familie kommt nicht mehr zusammen!“ Der Sohn eines syrischen Kurden ist voller Sehnsucht nach Heimat. Zum Schluss noch „Frohes Newroz“.
Das ist der Schrei der Seele. Es lohnt sich hinzuhören!

Foto © : https://www.dokfest-muenchen.de/films/view/23586


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