DasPiano 2022 UHD 2D 1976Digital und als DVD, Blu- ray & Special Edition 4k UHD Steelbook ab dem 11. August 

Claudia Schulmerich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Ehrlich gesagt hat mir beim Wiedersehen des Films DAS PIANO von Jane Campion das Wiederhören der ständigen Klaviermusik am allerbesten gefallen, man wünscht sich, daß das Klavierspiel der stummen Ada (Holly Hunter) nicht so oft unterbrochen wird, denn sie spielt wunderbar, obwohl ja das Klavier gerade so Mitte des 19. Jahrhunderts den Transport übers weite Meer von Europa, von Schottland, nach Neuseeland mit Ach und Krach überstanden hat, wie sie selbst mit ihrer Tochter, die eindrucksvoll am Strand mitsamt vieler Kisten stranden.

Und ansonsten bleibt dies der wunderbare Film, wie ich ihn in Erinnerung habe, der einen die Worte nicht vermissen läßt, so lange die stumme Ada so hingebungsvoll schaut und spielt, zudem mit ihrer neunjährigen unehelichen Tochter Flora( Anna Paquin) in Zeichensprache ständig kommuniziert, die immer wieder von vorne wissen will, wie das war mit ihrem Vater, der nun.... Keiner weiß, warum Ada seit ihrem sechsten Lebensjahr nicht spricht, sie selbst auch nicht, aber sie meint sowieso, das erzählt die Tochter, daß meistens nur Unsinn gesprochen wird.

Eigentlich sieht er nett aus, der ihr unbekannte Ehemann Alisdair Stewart (Sam Neill), dessen Ehe mit ihr ihr Vater arrangiert hatte, aber er hat immer wieder einen harten Blick und vor allem läßt er ihr Klavier am Strand stehen und verkauft es dann an den Nachbarn George Baines (Harvey Keitel), der sich wie die Maoris Zeichen auf die Haut tätowiert hat, der offiziell bei ihr Stunden nehmen wird. Aber inoffiziell hat er ihr folgenden Tauschhandel vorgeschlagen, den er umsetzt: sie darf in seinem Haus unbeschränkt auf dem Klavier spielen und sie läßt gewisse körperliche Annäherungen seinerseits zu. Da traut er sich was, wenn er unter dem Klavier liegend zärtlich das Loch in ihrem Strumpf mit dem Finger umkreist. Aber es geht weiter. Wenn es zu schnell oder zu heftig wird, weicht sie zurück, zieht das von ihm heruntergerissene Hemd wieder hoch und behält das Heft des Begehrens durchaus in der Hand. Als er sie heftig umwirbt und auf’s Lager zwingt, muß er sofort bei ihrem anklagenden kühlen Blick nachschieben, daß er sie doch einfach nur umarmen möchte.

Dem Ehemann, der nach dem Lernstand des Klavierschülers Baines fragt, antwortet sie mimisch, daß sie zufrieden damit ist, doch, als er den Schüler selber fragt, erwidert der offen, er könne nicht spielen. Höchste Zeit, auf die extreme Ausstrahlung der so zarten wie mit Entschlossenheit gepaarten Ada zu verweisen, die manchmal so strahlend schön, dann wieder verhärmt aussieht,manchmal gelöst, sonst streng.

Nach der dramatischen Unterbrechung der durch die Schattenspiele der Theateraufführung vom König Blaubart der Kolonisatoren sich herausgefordert fühlenden Einheimischen, es sind Maoris, wird das nächste Treffen zum angeblichen Klavierlernen durch Baines Forderung ebenfalls dramatisch. Als sie kommt und ihn sucht, findet sie ihn hinter dem Vorhand: nackt. Er spricht: „Ich möchte mit Dir unbekleidet zusammenliegen. Wieviel würde das kosten?“ Keiner hat Buch geführt, wieviel Klavieranteile sie inzwischen zurückerhalten hat, sie nennt einen Preis, er ist einverstanden und beide liegen nackt neben- , ineinander. Doch danach wird ihm klar: “Die Übereinkunft macht Dich zur Hure und mich unglücklich.“ Sie bekommt das Klavier von ihm ohne weitere Forderungen zurück.

Doch ihrem Mann ist das nicht recht, er hat kein Geld und daß der Nachbar wert darauf legt, das Klavier seiner Frau zurückgegeben zu haben und nicht ihm, macht ihn auch nicht froh. Doch dann wendet sich Ada ihm zu und die Tochter sagt schon lange ‚Vater‘ zu ihm. Dieses Vertrauen wird für Ada lebensgefährlich, denn als sie ihrer Tochter aufträgt, Baines von ihr etwas zu bringen, bringt diese es zu Stewart. Wie fein der Zuschauer am filmischen Geschehen beteiligt wird, bzw. vorbereitet, zeigt eine kleine Szene eindringlich. Als das Mädchen losläuft und sich der Weg im unwegsamen Wald teilt, läuft sie auf dem linken weiter, hält, läuft zurück zur Weggabelung, nimmt den rechten und landet beim Vater. Aha, denkt die Zuschauerin, der linke wäre der richtige zu Baines gewesen.

Es geht übel aus. Stewart gerät außer sich, als er das Mitbringsel öffnet, ergreift seine Axt, stürmt das Haus, ergreift die Hand seiner Frau und hackt ihr einen halben Finger ab. Doch das ist erst der Anfang eines Dramas, das damit endet, daß wir Ada nach zwei Stunden Film mit einer Metallspitze auf dem halben Finger Klavierspielen sehen, glücklich und auch glücklich mit George Baines.

Wie schön, daß es diesen Film, der zu den besten gehört, ein regelrechter Klassiker, nun in solcher Qualität, im Heimkino zu sehen ist. Daß er in Cannes die Goldene Palme sowie drei Oscars gewann, soll nur am Rande erwähnt werden, die Oscars übrigens an drei Frauen: als beste Haupt- und beste Nebendarstellerin an Hollyy Hunter und Anna Paquin und an Regisseurin Jane Campion für das Beste Original-Drehbuch. Warum Michael Nyyman für seine einfühlsame Musik keinen Oscar erhalten hatte, wundert einen von heute her.

Foto:
Umschlagbilder

Info:
DAS PIANO
Regie: Jane Campion Mit: Holly Hunter, Anna Paquin, Harvey Keitel, Sam Neill
Home Entertainment Release: 11.8.2022

DAS PIANO / SONDERAUSGABE / 4K ULTRA HD
UHD Doppel
Originaltitel: The Piano
Label: Arthaus
Genre: Drama
Produktionsjahr: 1992
Produktionsland: Australien, Frankreich
Kinostart : 12.08.1993
FSK 12
Lauflänge: 122 Minuten


Regie: Jane Campion
Drehbuch: Jane Campion
Kamera: Stuart Dryburgh
Produktion: Jan Chapman

TECHNISCHE ANGABEN

Bild: 1,85:1 2160p/ Dolby Vision (UHD), 1,85:1 1080/24p Full HD (Blu-ray)
Sprachen/Ton: Deutsch (Stereo PCM), Englisch (5.1 DTS-HD MA), Hörfilmfassung für Sehbehinderte (Stereo DTS-HD MA
Untertitel: Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte

EXTRAS

Audiokommentar von Jane Campion & Jan Chapman; Interview mit Jane Campion & Jan Chapman; Herstellung von; 25 Jahre Das Piano; Interview mit Kameramann Stuart Dryburgh; Interview mit Setdesigner Andrew McAlpine; Interview mit Maori-Berater Waihoroi Shortland; Originaltrailer