zweisconesSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 17. November 2022, Teil 2

Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Karoline spielt Karla, eine Frau an der Schwelle zum 40. Geburtstag. „Sie merkt, dass sie noch gar nicht das Leben lebt, das sie sich immer vorgestellt und gewünscht hat“, sagt Karoline Herfurth über ihre Rolle. „Also geht sie auf die Suche, warum das so ist und wie sie das ändern kann. Auf diesem Weg verabschiedet sie sich von den Familienbildern, die sie geerbt hat, mit denen sie aufgewachsen ist, und fängt an, ihre eigenen zu entwickeln. Im Grunde also eine Art Coming-of-Age-Geschichte 2.0. Es geht darum, das eigene Leben aufzustellen, die eigene Familie zu bilden und mit den Menschen, mit denen man dieses Leben teilt, zu verhandeln: ,Was ist deine Vision, was ist meine, und was ist die gemeinsame?‘

Ich glaube tatsächlich, dass man diese verschiedenen Visionen nicht in eine Kutsche zwängen muss, sondern auch in zwei Kutschen nebeneinanderher
gemeinsam durchs Leben fahren kann: Wenn man in den Kurven immer wieder miteinander verhandelt.“ Dreh- und Angelpunkt der Familienkonstellation sind die drei Schwestern Karla, Jule und Johanna, die zwischen ihren Herkunftsfamilien und ihren selbst gegründeten Familien um ihren eigenen Weg ringen. Ein großes Ensemble von Schauspieler:innen muss sich zu einem dynamischen Netz von familiären und freundschaftlichen Beziehungen aus Anziehungs- und
Abstoßungskräften verbinden. Da kommt es auf das richtige Gespür für unterschiedliche Tonlagen und Temperamente an, auf feinfühlige und mutige Besetzungsentscheidungen.

In der Branche genießt Karoline Herfurth einen Ruf, der viele Talente anzieht, was sich nun auch wieder an der illustren Besetzungsliste von „Einfach mal was Schönes“ ablesen lässt. „Das waren ganz unterschiedliche, außergewöhnliche, fantastische Findungsprozesse“, erinnert sich Karoline Herfurth. „Wenn man so ein großes Ensemble hat, dann ist es natürlich besonders spannend zu gucken, was für Töne da aufeinandertreffen.“ In den Besetzungsprozess ist auch
Produzent Christopher Doll eingebunden: „Beim Casting darf ich immer die Kamera führen, und ich finde es toll, dabei zuzuschauen und zu lernen. Und
natürlich tauschen wir uns über die Konstellationen aus, über die Möglichkeiten, die wir im Casting sehen. Karoline und ich, als ihr Flügelmann und
Sparringspartner, funktionieren gut miteinander: Gemeinsam können wir eine gute, stabile Umgebung kreieren, in der sich alle wohlfühlen.“

Fester Bestandteil dieser guten Atmosphäre ist Nora Tschirner, die schon in drei der vier Regiearbeiten von Karoline Herfurth tragende Rollen übernommen hat. „Wenn Nora dabei ist, ist das für mich immer etwas sehr Besonderes“, sagt Karoline Herfurth. „Dass sie jetzt sogar meine Schwester spielt und wir also Familie geworden sind, finde ich eine sehr schöne einfach mal was schönes | produktionsnotizen Entwicklung.“ Christopher Doll ergänzt: „In erster Linie sind Karoline und Nora natürlich gut befreundet. Das ist eine tiefe Freundschaft, mit einem total offenen, ehrlichen Austausch und großem, gegenseitigem Vertrauen. Die beiden können sich einfach wunderbar Bälle zuwerfen, weiterspielen, weiterspinnen und sind dabei so schnell, dass man als Zuhörer kaum hinterherkommt. Jemanden wie Nora dabeizuhaben, ist ein Riesengeschenk, diebeiden sind ein tolles Team und mittlerweile fast schon eine Einheit.“

Nach „SMS für Dich“ und „Wunderschön“ ist Nora Tschirner zum dritten Mal dabei: „Ja, da fragt man sich natürlich, warum eigentlich nur drei Mal“, flachst Nora Tschirner. „Natürlich finde ich das einfach super, was Karoline macht, da ergibt sich immer etwas Schönes. Es ist lieb gewordene Tradition, dass ich erst mal absage, mich ein bisschen bitten lasse, bevor ich dann sage, ‚na gut‘.“ Und dann kommt sie schnell ins Schwärmen über die Kollegin und Freundin, die die deutsche Filmlandschaft verändert hat: „Ich habe diese Lernkurve erlebt: Gleich mit den ersten beiden Filmen hat sie es geschafft, mit dem Genre der Romantic Comedy von der Presse ernst genommen zu werden. Da wurden ja gleich Nora-Ephron-Vergleiche gezogen. Und das reicht ihr ja nicht, sie will immer noch mehr lernen. Sie ist eine sehr virtuose Erzählerin und kann Geschichten sehr gut auf den Punkt bringen, ohne zu viel zu erklären. So wie bei ,Wunderschön‘ ist es auch hier wieder so, dass vieles, wofür andere drei Szenen bräuchten, bei ihr anhand von kleinen Momenten wie nebenbei erzählt wird. Die verschiedenen Geschichten sind toll miteinander verwoben, das geht fließend ineinander über, in diesem wirklich sehr großen Ensemble. Besonders fand
ich auch die extrem gut geschriebenen Dialoge. Auch an den traurigen Stellen gibt es viel zu lachen. Da werden schwerwiegende Probleme auf wunderbare Weise beschrieben und dann auch sehr gut gespielt.“


Nora Tschirner spielt Jule, die älteste der drei Schwestern. „Sie ist nicht grundsätzlich gegen Familie, will aber für sich eine andere als die, die sie zu Hause erlebt hat, in der die Kinder, vor allem sie als Älteste, viel zu früh Verantwortung übernehmen mussten. Sie hat ihre eigene Vision von Familie gebaut, die sie besser findet, und ist gerade dabei, sich freizuschwimmen. Darum kann sie auch mit ihrer Herkunftsfamilie, mit ihren Schwestern wieder mehr anfangen. Sie merkt, dass es da doch mehr Gemeinsamkeiten gibt, als sie dachte, und auch eine gemeinsame Zukunft.“

Dritte im Bunde der Schwestern ist Milena Tscharntke als Johanna: „Milena hat uns einfach umgehauen“, erinnert sich Karoline Herfurth. „Ich weiß noch, wie sie zum Casting kam und einfach wunderschön aussah, als wäre sie aus einem Disney-Film herausgefallen. Sie schwebte wie ein Wesen aus einer anderen Welt durch den Raum. Und dann spielte sie die Szene, in der sie hysterisch weinen muss. Sie hat das so fantastisch auf den Punkt gebracht, genau diesen Zwischenton getroffen, sodass man ihre Verzweiflung spürt, aber trotzdem die Komik der Szene durchkommt. Die Dynamik zwischen diesen drei völlig verschiedenen und doch sich ergänzenden Schwestern hat sofort großartig funktioniert.“

Auch Tschirner ist von der neuen Kollegin völlig begeistert: „Das könnte das letzte Mal sein, dass wir sie in einer deutschen Produktion erleben, weil es so selten ist, dass jemand gleichzeitig so berührend und so lustig ist. Als sie ihren Nervenzusammenbruch spielte, habe ich das Casting fast gesprengt, weil ich prustend lachen musste und gar nicht mehr aufhören konnte.“