Bildschirmfoto 2025 03 13 um 19.45.21Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 13. März 2025, Teil 3

Redaktion

Berlin (Weltexpresso) - Wieder einmal haben Sie eine Detektivgeschichte für Kinder geschrieben. Was sind die ursprünglichen Zutaten des Drehbuchs?

Bildschirmfoto 2025 03 13 um 19.44.56Alain Gagnol: In diesem Film wird eine Geschichte über Liebe und Freundschaft mit der Detektivgeschichte kombiniert. Es geht auch um das Ende der Kindheit und darum, wie das Leben von Kindern durch
die Probleme der Erwachsenen auf den Kopf gestellt werden kann. Ein Blick auf die heutige Welt und ihre Konflikte dient als Hintergrund für die Geschichte eines Raubüberfalls, der von Zehnjährigen verübt wird. Ich greife oft auf das Krimi-Genre zurück, weil es das Publikum in den Mittelpunkt des Geschehens stellt, vor allem mit seinen spannungsgeladenen Szenen. Es hat eine spielerische Seite an sich, die es erlaubt, über ernste Themen zu sprechen und dabei eine gewisse Distanz zu ihnen zu wahren. Detektivgeschichten zeigen Figuren in Extremsituationen, wie man sie im wirklichen Leben nie erwarten würde.

Die Motivationen der Figuren sind oft undurchsichtig und mehrdeutig. Sie bringen das Schlimmste und das Beste im Menschen zum Vorschein. Ich fände es schade, einem jungen Publikum nicht die Gelegenheit zu geben, solche Geschichten zu erleben.


Es ist ein Genre, das in Ihren Filmen oft vorkommt. Warum ist das so?

Alain Gagnol: Meine Vorliebe für Detektivgeschichten kommt aus dem amerikanischen Kino, insbesondere aus den Film-noir-Werken von Billy Wilder, Raoul Walsh und später Martin Scorsese, William Friedkin, Michael Mann und vielen anderen. Sie stammt auch aus der (ebenfalls amerikanischen) Literatur: Raymond Chandler, James M. Cain, Donald Westlake, Dennis Lehane und andere. Mein erster Roman wurde in der Reihe Série Noire 1 veröffentlicht – man könnte sagen, ich neige dazu!


Jean-Loup Felicioli: Wir sind beide begeisterte Krimi-Leser. Deshalb freuen wir uns natürlich darauf, uns in dieses Genre zu stürzen.


Erzählen Sie uns etwas über Nina und Mehdi: Der Film zeigt uns eine wirklich authentische Freundschaft zwischen den beiden. Wie haben Sie die Psychologie dieser Freundschaft im Film entwickelt?

Alain Gagnol: Je mehr Drehbücher ich schreibe, desto mehr lege ich Wert darauf, die Figuren lebendig werden zu lassen, mit ihren Stärken, ihren Schwächen, mit ihrer Sicht auf die Welt und mit den Dingen, die sie antreiben.

Bei Nina und Mehdi ging es mir darum, zwei Kinder mit sehr unterschiedlichen Charakteren zum Leben zu erwecken, die sich gegenseitig ergänzen. Aus Ninas Sicht kann es manchmal etwas irritierend sein,
Mehdi als besten Freund zu haben, vor allem, wenn man es mit einem so energischen Charakter wie dem ihren zu tun hat. Mehdi hingegen ist ein ruhiger, sogar ziemlich sanftmütiger Mensch, der immer erst lange nachdenkt, bevor er handelt, manchmal bis zu dem Punkt, an dem er gar nichts mehr tut. Aber nichts ist stabiler als seine Freundschaft. Nina kann sich voll und ganz auf ihn verlassen. Wenn ihr der Mut fehlt, ist Mehdi immer da, um sie zu unterstützen.


Was treibt Sie an, Filme für Kinder zu schreiben?

Alain Gagnol: Ich schreibe auch Romane für Erwachsene und Jugendliche, viel düsterere Geschichten. Ursprünglich hatte ich nicht vor, für Kinder zu schreiben. Der Animationsfilm hat mich dorthin geführt, 
vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Es ist sogar noch schwieriger, einen Zeichentrickfilm für Erwachsene zu finanzieren als für Kinder, und das heißt schon einiges...

Aber bei „A Cat in Paris“, dem ersten Spielfilm, den ich mit Jean-Loup gemacht habe, habe ich erkannt, dass es, unabhängig vom Publikum, vor allem ums Filmemachen geht. Wenn man ein junges Publikum
anspricht, macht man keine minderwertigeren Filme. Im Gegenteil, es ist, als hätte man eine noch größere Verantwortung bekommen. Das junge Publikum von heute wird das erwachsene Publikum von morgen sein. Wenn wir die jungen Leute nur mit lauten Bildern und bunten, seelenlosen Filmen füttern, die ihre Aufmerksamkeit erregen sollen, müssen wir uns nicht wundern, wenn sie später Filme auf ihren Handys konsumieren.


Die Figur des Igels nimmt im Film eine besondere Stellung ein. Können Sie uns erzählen, wie Sie auf diese Figur gekommen sind?

Alain Gagnol: Ich habe in meinen Filmen schon immer gerne grafische Überraschungen geschaffen. Die Figur des Igels war von Anfang an in Schwarz-Weiß konzipiert und in einer Welt angesiedelt, die an Cartoons des frühen 20. Jahrhunderts erinnert.

Diese bahnbrechenden Filme sind sehr poetisch, trotz (oder gerade wegen!) ihrer Unbeholfenheit und ihrer technischen Schwächen. Sie sind das komplette Gegenteil der technologischen Leistungsfähigkeit
heutiger Computer, die den Unterschied zwischen dem Realen und dem Virtuellen aufgehoben haben. Mir gefällt die Idee, Kindern diese Art der Bilder zu vermitteln. Für viele von ihnen wird es das erste Mal sein.

Was die Figur selbst angeht, so war sie von Anfang an da. Ich habe mir vorgestellt, dass Nina Zeit mit einem imaginären Freund verbringt, jemandem, dem sie ihre geheimsten Gedanken mitteilt. Das zeigt auch die Stärke ihrer Vorstellungskraft. Um in der realen Welt zurechtzukommen, ist es wichtig, sich etwas vorstellen und auch mal entfliehen zu können. Es ist wie ein tiefer Atemzug, bevor man unter Wasser taucht.


Jean-Loup Felicioli: Alte amerikanische Zeichentrickfilme haben mich schon als Kind begeistert, vor allem Animationen aus den 1920er und -30er Jahren. Für die Igel-Figur habe ich mich von der Mickey-Mouse-Figur inspirieren lassen, die Ub Iwerks geschaffen hat.

Es war eine Gelegenheit, Kindern dabei zu helfen, das zu entdecken oder wiederzuentdecken, was mir am Stil dieser Zeit so gut gefallen hat. Ich mag den Kontrast zu unserer realistischeren Welt. Die Igel-Figur ist in dieser Welt, aber sie passt nicht ganz hinein. Ich glaube, dies fängt die Idee ein, dass der Igel ein Produkt des Geistes des kleinen Mädchens und daher imaginär ist.


Dies ist Ihr erster digitaler Film: Welchen Einfluss hatte die digitale Technologie auf Ihren kreativen Stil und auf Ihre Methoden?

Alain Gagnol: Digitale Technologie ist ein Werkzeug, so wie ein Bleistift. Sie ist kein magisches Instrument, das alles für uns erledigt. In unserem Fall benutzen wir das Zeichentablett wie ein Blatt Papier. Mit anderen Worten: Jede Zeichnung wird von Hand mit einem Stift angefertigt. Der Computer ist nicht an der Erstellung oder der Animation der Grafiken beteiligt. Einige Dinge werden mit dem Computer erstellt, wie zum Beispiel Regen- und Lichteffekte, aber der Großteil des Films wird immer noch von Hand gemacht.

Im Gegensatz zu dem, was viele Leute denken, macht die Computertechnologie die Dinge nicht schneller. Computer sind praktischer als das Blatt Papier und sparen Zeit und Energie, wenn es darum geht, einen Verlauf zu korrigieren oder eine Zeichnung zu ändern. Es ist nicht mehr nötig, Bleistifte anzuspitzen, Radiergummis zu verschleißen oder ein Blatt nach dem anderen zu filmen, um die eigene Arbeit zu überprüfen. Aber die Grundlage der Animation bleibt die Qualität der Zeichnung, und wenn man eine sensible, subtile Bewegung erreichen will, braucht man immer noch den gleichen Zeitaufwand und die gleichen Fähigkeiten.


Jean-Loup Felicioli: Ich habe die Arbeit auf Papier aus zwei Gründen aufgegeben. Erstens hatte ich das Gefühl, dass ich nach mehr als 30 Jahren, in denen ich Kreide auf meine Blätter gerieben habe, am
Ende einer Technik angelangt war und ich mich nicht mehr weiterentwickeln konnte. Für mich wurde es wichtig, etwas anderes zu erkunden. Hinzu kommt, dass der Scanvorgang, der zur Umwandlung der Zeichnung in eine digitale Datei erforderlich ist, enorm viel Zeit in Anspruch nimmt und zu einem Qualitätsverlust in Bezug auf Farbe und Textur führt. Um mit der Zeit zu gehen, habe ich mich also ganz natürlich rein digitalen Techniken zugewandt.

Ich habe versucht, darin das wiederzufinden, was mir an der Arbeit mit Pastellkreide und den verschiedenen Werkzeugen der Zeichensoftware zuerst gefallen hat. Wir haben sicherheitshalber zwei Kurzfilme am Computer gedreht, bevor wir uns an einen abendfüllenden Spielfilm gewagt haben.

Zweitens ist die Arbeit auf einem Tablet schneller und billiger. Es wird immer schwieriger, die Mittel für die Produktion eines abendfüllenden Animationsfilms aufzubringen. Außerdem werden die Filme immer
kleiner, weshalb wir die Art und Weise, wie wir sie machen, überdenken müssen. Auf dem Papier musste ich Farbmodelle für die Set-Designer anfertigen, was viel Zeit in Anspruch nahm und mich davon abhielt, selbst Sets zu erschaffen. Ich habe höchstens 30 pro Film gemacht. Mit digitaler Technik habe ich etwa 300 Schlüsselsets – von insgesamt 1.000 – erstellt, die als Farbmodelle für das Dekor-Team dienten.


Auf welche filmischen und künstlerischen Bezüge haben Sie für dieses Projekt zurückgegriffen?

Alain Gagnol: Ich habe keine spezifischen Referenzen für diesen Film. Mit der Zeit wird mir klar, dass meine Referenzen immer mehr oder weniger dieselben sind. Das versteht sich von selbst.

Ich entdecke zwar andere Filme und Bücher, aber das, was am tiefsten in mir verwurzelt ist, ist immer das, was am Ende herauskommt. Ich habe mich nie von dem überwältigenden Erlebnis erholt, als ich als Teenager zum ersten Mal „Die Nacht des Jägers“ von Charles Laughton gesehen habe. Dieser Film begleitet mich oft auf mehr oder weniger sichtbare Weise in dem, was ich schreibe. Darin sehen wir Tiere im
Wald, Kinder, die von einem Erwachsenen wegen Geld bedroht werden. Aber das ist nichts, worüber ich vorher nachdenke, wenn ich schreibe. Erst im Nachhinein wird mir klar, dass es wieder einmal aufgetaucht ist.

Jean-Loup Felicioli: Ich erstelle und betreue die Grafiken für die Filme, die wir machen, schon seit langem, und ich glaube, ich bin im Laufe der Zeit zu meinem eigenen Bezugspunkt geworden, indem ich die verschiedenen Einflüsse von Comics und Malerei aufgesogen habe, die ursprünglich in mir den Wunsch geweckt haben, etwas zu erschaffen.


Der soziale Kontext, in dem der Film eingebettet ist, spielt eine große Rolle im Drehbuch. War es Ihre Absicht, einen realistischeren Film zu machen?

Alain Gagnol: Ganz so würde ich es nicht ausdrücken, aber vielleicht liegt das daran, dass ich von so etwas ein eher negatives Bild habe. Ich interessiere mich nicht besonders für Realismus im Kino. Es gibt natürlich Ausnahmen, aber in meinem Fall ist das Kino, das mich am meisten begeistert, praktisch das Gegenteil davon. Die Filme, die mich am meisten beeindruckt haben, verfügen über eine Bandbreite, die über das hinausgeht, was man Realismus nennen könnte: Fellini, Coppola, Leone...

Allerdings halte ich es für sehr wichtig, mit Kindern über reale Dinge zu sprechen. Es wäre falsch zu glauben, dass Kinder von aktuellen Ereignissen unberührt sind oder dass sie sich der Schwierigkeiten, die ihre Eltern durchmachen, nicht bewusst sind. Ich glaube, wenn sie diese Elemente in einer Geschichte sehen, die sich an sie richtet, können sie sie besser verstehen und leiden nicht so sehr unter ihnen. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Film realistisch, aber es gibt immer noch Figuren, die außergewöhnliche Dinge tun, und einen imaginären Igel, der die Heldin begleitet.

Fantasie, Vorstellungskraft und Unschuld sind noch immer die treibenden Kräfte der Handlung...

Alain Gagnol: Die Fantasie spielt in meinem Leben eine große Rolle. Schließlich verbringe ich die meiste Zeit damit, Geschichten zu erfinden und zu erzählen. Das ist wahrscheinlich der Grund, weshalb ich in meinen Filmen so viel Wert auf das Imaginäre lege. Als Einzelkind, zu einer Zeit, als Handys und Computer noch kein Teil unseres Alltags waren, habe ich mir die Zeit mit meiner Fantasie vertrieben. Figuren, die kein reiches Innenleben haben, würden mich langweilen. Nina und Mehdi sind aktive Träumer:innen. Sie handeln immer mit guten Absichten, auch wenn das bedeutet, Risiken einzugehen. Diese beiden Kinder leben in einer schwierigen Welt, in einem unversöhnlichen Umfeld, insbesondere gegenüber den Schwächsten, und finden in ihrer Fähigkeit zu träumen die Kraft, sich dieser Herausforderung zu stellen.


Was bringen Audrey Tautou und Guillaume Canet in die Rollen der Eltern ein?

Alain Gagnol: Was Schauspieler:innen leisten, ist beachtlich und immer wieder überraschend: Sie verwandeln einen Text in Emotionen. Die Komödie ist eine fragile Kunst, die mich fasziniert. Ihre Arbeit, in Kombination mit der Animationsarbeit, schafft eine besondere Alchemie, die das Publikum auf der Leinwand vergessen lässt, dass es sich um einen Zeichentrickfilm handelt.

Im Fall von Audrey Tautou und Guillaume Canet lassen die beiden Ninas Eltern in der Geschichte wirklich lebendig werden. Sie bringen ein persönliches, intimes Universum mit, das im Tonfall ihrer Stimmen zum Ausdruck kommt. Die Aufnahme der Stimmen ist ein besonderer Moment bei der Entstehung eines Zeichentrickfilms, weil sie im Vergleich zu anderen Phasen sehr schnell geht. In nur wenigen Tagen haben wir die gesamten Dialoge des Films, während die Produktion der Bilder mehrere Jahre in Anspruch nimmt.


Wie schreiben Sie Dialoge für Kinderfiguren, und wie haben Sie diese jungen Schauspieler:innen geführt?

Alain Gagnol: Das Einzige, was beim Schreiben von Dialogen zählt, ist der Versuch, die Wahrheit in der Figur zu finden. Ich schreibe nicht mit dem Gedanken, dass es sich um ein Kind, einen Erwachsenen oder einen Igel handelt. Mein Ziel ist es, der Figur gegenüber aufrichtig zu sein, sie zu verstehen und sie erleben zu lassen, was sie fühlt. Es gibt Dinge, die wir sagen, ohne nachzudenken, Dinge, die wir gerne sagen würden, Dinge, die wir nicht sagen sollten, und so weiter. Unter diesem Gesichtspunkt unterscheiden sich Kinder nicht von Erwachsenen.

Wir hatten das Glück, mit Marie Bureau für Casting und Regie zusammenzuarbeiten. Sie war in der Lage, die jungen Schauspieler:innen zu führen und die Natürlichkeit in ihren Dialogen zu finden. Ihre Arbeitsweise ist bemerkenswert präzise und effektiv. Die Figuren Nina und Mehdi sind dank Marie viel lebendiger und glaubwürdiger geworden.


Jean-Loup Felicioli: Die Aufnahme der Stimmen der Kinder war ein echtes Vergnügen. Wir haben mit einer Casting-Direktorin gearbeitet, die ein echtes Talent dafür hat, die richtigen Stimmen zu finden und das Beste aus den Schauspieler:innen herauszuholen. Für Regisseure ist es eine große Erleichterung, die Perspektive eines Außenstehenden einnehmen zu können, wodurch sie sehr schnell erkennen, was funktioniert und was nicht.


Die Musik wurde von Serge Besset komponiert, der schon seit vielen Jahren mit Ihnen zusammenarbeitet. Welche Rolle spielt Musik in Ihren Filmen, und in diesem insbesondere?

Alain Gagnol: Es ist eine Binsenweisheit, aber es lohnt sich immer, daran zu denken: Im Kino ist das, was man hört, genauso wichtig wie das, was man sieht. Ich achte sehr auf den Rhythmus des Soundtracks, auf das Zusammenspiel von Dialogen und Toneffekten, auf die Stimmung einer Sequenz. Musik hat hier einen besonderen Stellenwert. Ich bin immer wieder beeindruckt von der emotionalen Kraft, die sie in einem bestimmten Moment vermittelt. Serge Besset ist ein Spezialist für Animationsfilmmusik. Er versteht es perfekt, den Konturen einer Szene zu folgen, um seine musikalischen Elemente an den richtigen Stellen zu platzieren. Er hat eine enorme Fähigkeit, sich in den Dienst einer Geschichte zu stellen, und seine Musik hat eine romantische Qualität, die dem Film Leben einhaucht.


Jean-Loup Felicioli: Serge Besset hat ausnahmslos an all unseren Filmen mitgewirkt. Er kennt uns also gut und weiß, welche Art von Musik wir mögen. Er ist sehr begabt und hört sich genau an, welche Absichten wir für jede Sequenz haben. Die Musik offenbart oder unterstreicht die Emotionen der Figuren. Bilder, so schön sie auch sein mögen, vermitteln Emotionen nicht so direkt; sie sind eher intellektuell. Nur Musik hat diese Unmittelbarkeit, die uns instinktiv zum Schwingen bringt.


Ihre bisherigen Filme spielten in sehr großen Städten. Hier erkunden Sie eine reichhaltige Naturwelt. Ist das ein neuer Aspekt in Ihrem kinematografischen Schaffen?

Alain Gagnol: Ja, das war eine große Neuheit für uns! Mit diesen neuen Sets erweckt Jean-Loup die Natur auf wirklich beeindruckende Weise zum Leben. Seine Arbeit mit Farbe und Licht, die schon immer seine große Stärke war, wird in diesem Zusammenhang noch außergewöhnlicher und spektakulärer.

Bei der Entwicklung der Geschichte hatte ich drei Hauptschauplätze im Sinn: das Haus, den Wald und die Fabrik. Die Kinder bewegen sich ständig zwischen diesen drei Welten. Der Wald ist umso wichtiger, als er zwischen zwei Polen liegt: Die Natur ist ein Ort des Übergangs zwischen Kindheit und Jugend, zwischen Traum und Wirklichkeit.

Jean-Loup Felicioli: Diese Waldkulisse war eine Premiere für mich; sie war eine Herausforderung, weil ich mich mit der Darstellung von Städten oder Innenräumen viel wohler fühle. Ehrlich gesagt hätte ich
es nicht geschafft, wenn ich auf dem Papier geblieben wäre. Kreide, selbst gespitzte, ist immer noch weniger präzise. Im besten Fall wäre etwas entstanden, das dem Impressionismus geähnelt hätte, und das war nicht das, was ich wollte. Mit dem Computer konnte ich die Präzision der Linien beibehalten, trotz der üppigen Vegetation. Außerdem habe ich eine Bilddatenbank mit Zeichnungen von Bäumen, Pflanzen,
Gräsern und Blumen angelegt, die übereinandergelegt werden können. 

Ich verwende sie ein bisschen wie eine Fotomontage: Die Arbeit besteht dann darin, alle Elemente harmonisch zusammenzufügen. 



 
Alain Gagnol studierte Animation, Illustration und Comics an der ÉmileCohl-Schule in Lyon und arbeitete anschließend als Animator in Valence. Außerdem schreibt er Kriminalromane, die bei Gallimard, Cherche Midi und Le Passeur veröffentlicht werden.

Jean-Loup Felicioli studierte an der École des Beaux-Arts in Annecy, Straßburg, Perpignan und Valence, bevor er sich Alain Gagnol in Valence anschloss. Zudem schreibt er Kinderbücher.

Gemeinsam produzierten sie mehrere Kurzfilme, bevor sie 2010 mit ihrem Oscar-nominierten Spielfilmdebüt „Ein Katzenleben“ und 2015 mit „Phantom Boy“ internationale Aufmerksamkeit erlangte.

Filmographie
• The Egoist, Kurzfilm, 1995
• Les Tragédies minuscules,
Animationsserie, 1998
• Le Nez à la fenêtre, Kurzfilm, 2001
• The Corridor, Kurzfilm, 2005
• Mauvais temps, Kurzfilm, 2006
• Ein Katzenleben (A Cat in Paris),
Spielfilm, 2010
• Ein höllischer Plan (One Hell of a
Plan), Kurzfilm, 2015
• Phantom Boy, Spielfilm, 2015
• Nina und das Geheimnis des Igels
(Nina and the Hedgehog’s Secret),
Spielfilm, 2023


Fotos:
©Verleih


Info:
Nina und das Geheimnis des Igels
ein Film von Alain Gagnol
und Jean-Loup Felicioli 
Nina et le secret du hérisson ·
Frankreich/Luxemburg 2023
Deutsche Synchronfassung/
Französische OF mit deutschen Untertiteln
80 Min. ·
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 13. März 2025

Künstlerisches und technisches Team
Drehbuch: Alain Gagnol
Grafikdesign: Jean-Loup Felicioli
Künstlerische Sprachmanagerin: Marie Bureau
Storyboard: Alain Gagnol und Jean-Loup Felicioli
Schnitt: Sylvie Perrin
Tongestaltung: Bruno Seznec
Tonmischung: Michel Schillings
Produktionsleitung: François Bernard, Anna Leterq
Künstlerische Bildleitung: Alain Gagnol und Jean-Loup Felicioli
Technische Leitung: Benoît Razy
Musik: Serge Besset
Produktion: Jérôme Duc-Maugé, Pierre Urbain, David Mouraire