bonheSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 13. März 2025, Teil 11

Claudia Schulmerich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Ärgerlich. Einfach ärgerlich dieser Film, der, wenn man mehr über Dietrich Bonhoeffer weiß, eine Form von übler Nachrede ist. Wenn man im Alltagsjargon früher ‚typisch amerikanisch‘ sagte, was also schon lange her ist, dann meinte man eine Oberflächlichkeit, einfach eine Verflachung, die mit Namen um sich schmeißt, hinter denen nur Schall und Rauch ist. Aber in diesem Fall liegt der Sachverhalt anders. Man hat ständig das Gefühl, daß die wirkliche Figur Dietrich Bonhoeffer für etwas stehen soll, was man gar nicht genau benennen kann, was aber einfach mit ihm und seinem Leben nichts zu tun haben. Allein das Filmplakat, wo er die Waffe in der Hand hält, stellt für den friedliebenden Bonhoeffer eine Provokation dar.

 

Da es einerseits nicht lohnt, die vielen Falschaussagen im Detail zu korrigieren und wir, was die theologische Fundierung angeht, nicht über genügend Kenntnisse verfügen, um die im Film getroffenen, Bonhoeffer zugeschriebenen Aussagen zu überprüfen, belassen wir es dabei, daß bekannt ist, daß sich Rechtsradikale und Evangelikale in den USA schon lange der Person Bonhoeffers bemächtigt haben und ihn auf jeden Fall sowohl theologisch wie auch lebensgeschichtliche fälschen. Aber, dieser Film ist nicht von dort initiiert worden. Er ist eine irisch-belgische Filmproduktion, wo sich Regisseur und Drehbuch übernommen haben und aus Bonhoeffer etwas machen, was er nicht war. Das führt dazu, daß man das Pathos, das den Film begleitet, beim Zuschauen kaum ertragen kann. Es fühlt sich jedes Wort, jede Geste falsch an. Es hilft dem Film also nichts, daß er nicht von rechtsextremen Gedankengut aus seine Botschaft bringt, wie der Verleih ausdrücklich betont, der schreibt: „Da der Film in manchen Artikeln fälschlicherweise mit dem rechtsnationalen Bonhoeffer-Biographen Eric Metaxias in Verbindung gebracht wird, möchten wir hier noch einmal ausdürcklich betonen, daß weder Drehbuch noch Film irgendetwas mit der Bonhoeffer-Biographie von Eric Metaxas zu tun haben.“

 

Aber der Film hat eben auch nichts mit der Wahrheit zu tun. Auch wenn der Originaltitel lautet: 'Pastor.Spy.Assassin' also: 'Pfarrer. Spion. Attentäter'Der Film schafft eine Kunstfigur, von der aber behauptet wird, es handele sich um die reale geschichtliche Figur Dietrich Bonhoeffer. Das kann nicht gut gehen und die Familie des durch die Nazis ermordeten Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer hat sich ausdrücklich gegen die Charakterisierung seiner Person in diesem Film gewandt und sich damit von diesem Film entschieden distanziert. Nun ist er in der Welt und wir wollen einen kurzen Überblick geben.

Es beginnt mit der Kindheit 1914. Da spielt Dietriche mit seinem älteren Bruder, der gleich darauf in den Krieg zieht und nicht mehr zurückkommt. Des Bruders Tod wird Motiv für die Wahl, Theologie zu studieren, was ihn nach New York bringt. Dort fühlt er sich richtig wohl in der Kirche der Schwarzen, die seine religiöse Heimat wird. Er wendet sich gegen die Rassendiskriminierung, hat den schwarzen Frank Fisher zum Freund. Zurück in Deutschland findet er eine an den Nationalsozialisten orientierte evangelische Kirche vor. Er selbst spricht seine negative Meinung dazu deutlich aus, weshalb er von den Nazis  ausgebremst wird. 

Sein Bruder Klaus hat sich dem militärischen Widerstand angeschlossen, wodurch der Bruder Dietrich (Jonas Dassler) Kontakte zu anderen Widerstandskreisen erhält. Da gibt es eine Flucht von sieben Juden, die von ihm und anderen aus dem KZ befreit werden und tatsächlich in die Schweiz bugsiert werden - für unglaublich viel Geld, weil sich die Schweizer bestechen lassen. Er könnte dort bleiben, will aber nach England, wo er von den Engländern eine Bombe haben will, um Hitler umzubringen. Doch Churchill verweigert ihm dies. zurück in Deutschland fliegt er auf, wird gefangengenommen, nach Bayern transportiert und öffentlich gehängt. 

Der Film geht locker mit historischem Material um, locker ausgedrückt. Konkret heißt das, daß einige Ereignisse und Aussprüche zwar original, also richtig sind, doch die Gelegenheiten und Zeiten andere sind. Daß Bonhoeffer allerdings von Churchill eine Bombe gefordert hätte, ist reine Fiktion. Das ist schon ein Ding, wenn man so etwas einfach erfindet und dann von einer Biographie spricht. Die Partie mit Martin Niemöller ist wichtig, diesen spielt August Diehl, der einfach ein hervorragender Schauspieler ist. Man freut sich auch über Mortz Bleibtreu als Bruder Karl. Aber das kann nichts herausreißen, weil das Fundament nicht trägt: eine zusammengesponnene erdichtete Kolportage, die peinlich durch das aufdringliche Pathos wird, von der Geschichtsklitterei ganz abgesehen. 

 

Foto:
©Verleih

Info:
Stab
Regie Todd Komarnicki
Drehbuch Todd Komarnicki

Besetzung
Jonas Dassler: Dietrich Bonhoeffer
Phileas Heyblom: Dietrich Bonhoeffer (jung)
Flula Borg: Hans von Dohnanyi
David Jonsson: Frank Fischer
August Diehl: Martin Niemöller
Moritz Bleibtreu: Karl Bonhoeffer
Nadine Heidenreich: Paula Bonhoeffer
Patrick Mölleken: Walter Bonhoeffer