Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 3. April 2025, Teil
Margarete Ohly-Wüst
Frankfurt am Main (Weltexpresso) – 1929 verlassen der Berliner Zahnarzt Dr. Friedrich Ritter (Jude Law) und seine an Multipler Sklerose erkrankte Lebensgefährtin, die Lehrerin Dore Strauch (Vanessa Kirby) Deutschland, da sie die Werte der damaligen Gesellschaft ablehnen. Die Beiden lassen sich deshalb auf der unbewohnten Galápagos-Insel Floreana nieder, um dort ihr Paradies zu finden. Die Insel hat allerdings eine Vergangenheit als Piraten-Insel, Walfang-Station und Gefängnis. Friedrich Ritter konzentriert sich darauf, sein philosophisches Manifest zu verfassen, und veröffentlicht immer wieder Artikel und Leserbriefe in deutschen Zeitungen. Dore Strauch versucht ihre Krankheit mit Hilfe von Meditation in den Griff zu bekommen.
Durch Ritters Artikel wird der Kölner Kriegsveteran Heinz Wittmer (Daniel Brühl), der im Büro des Kölner Oberbürgermeisters Konrad Adenauer arbeitet, auf die angeblich idyllische Insel aufmerksam und beschließt im Winter 1932 zusammen mit seiner jungen schwangeren Frau Margret (Sydney Sweeney) und seinem an Tuberkulose leitenden etwa 14-jährigen Sohn Harry (Jonathan Tittel) sich ebenfalls auf Floreana nieder zu lassen.
Als das ungleiche deutsche Paar - er ein weltmännischer Mitvierziger mit Pioniergeist, sie seine introvertierte und deutlich jüngere zweite Frau - in Floreana ankommt, werden sie von Ritter und Strauch nicht gerade freundlich begrüßt, sondern die Beiden versuchen den Neuankömmlingen den Aufenthalt so ungastlich wie möglich zu machen.So schickt Ritter die Wittmers zu einer abgelegenen Höhle, die allerdings voll von Moskitos ist. Auch gibt es kein Wasser und der sumpfige Boden ist unfruchtbar.
Doch auch wenn die Wittmers anfangs noch unerfahren im Umgang mit den Naturgewalten und den herumstreunenden Hunden und Schweinen sind, beweisen sie sich als störrische, unnachgiebige und fähige Siedler, denen es schon bald gelingt, was mit Fleiß und Geschick, harter Arbeit und unbeugsamem Willen auf Floreana möglich ist. Denn sie ziehen recht schnell aus der Höhle aus und in ein von Wittmer aus Felsbrocken gebautes Haus um. Sie schaffen es, auf dem gewonnenen Ackerland Getreide und Gemüse anzubauen. Der Traum von der Selbstversorgung geht in Erfüllung und sie sind in kurzer Zeit deutlich erfolgreicher als Ritter und Strauch, die nach 4 Jahren immer noch in einer Wellblechhütte leben. Auch weicht langsam die harsche Ablehnung durch Friedrich und Dore und die beiden Familien nähern sich langsam aneinander an.
Doch die Harmonie wird jäh gestört, als eines Tages die mysteriöse und kapriziöse selbsternannte Baronin Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet (Ana de Armas) zusammen mit ihren beiden deutschen Liebhabern Rudolf Lorenz (Felix Kammerer) und Robert Phillipson (Toby Wallace) und einen ecuadorianischen Helfer auf der Insel erscheint und verkündet, dass sie am Strand ein Luxus-Ressort der Extraklasse bauen will.
Die angeblich aus einem alten österreichischen Adelsgeschlecht entsprungene Baronin versucht, die übrigen Inselbewohner gegeneinander auszuspielen und zum Verlassen der Insel zu bewegen. Die Neuankömmlinge verunreinigen erst einmal das mühsam aufgestaute Trinkwasser der Wittmers und auch der Gemüsegarten wird zerstört.
Doch es zeigt sich recht bald, dass es weder der Baronin und ihren Helfern liegt, ist, selbst die Spitzhacke zu schwingen oder auch nur einen Finger krumm zu machen. Sie beginnen weder mit dem Bau des Hotels noch kümmern sie sich um Nahrung . Was die Baronin allerdings hervorragend beherrscht ist, Unfrieden zu stiften, Essensvorräte stehlen zu lassen und alle Bewohner zu provozieren. Eitelkeiten, Manipulation und menschliche Habgier spitzen das Miteinander der Inselbewohner gefährlich zu, bis das Paradies zum Albtraum wird und sich die Ereignisse überschlagen…
″Eden″ ist ein amerikanischer Thriller von Regisseur Ron Howard nach einem Drehbuch von Noah Pink. Als Hintergrund diente die weitgehend unaufgeklärte sogenannte ″Galápagos-Affäre″, als im Jahr 1934 einige Aussteiger auf der Galápagosinsel Floreana und ihrer Nachbarinsel zu Tode kamen und drei weitere spurlos verschwanden. Neben einigen Büchern und Dokumentationen gab es vor dem hier besprochenen Survival-Thriller bereits 2013 den Dokumentarfilm ″The Galápagos Affair: Satan Came to Eden″. Friedrich Ritter, Dore Strauch, Heinz und Margret Wittmer wurden im Dokumentarfilm von Thomas Kretschmann, Cate Blanchett, Sebastian Koch und Diane Kruger gesprochen.
Die ungeklärten Umstände und voneinander abweichenden Darstellungen der Überlebenden – vor allem von Dore Strauch und Margret Wittmer - lösten ein weltweites Medienecho und Spekulationen über die wahren Vorkommnisse aus. Regisseur Ron Howard selbst arbeitete bereits seit den späten 2000er Jahren an einer filmischen Umsetzung. Basierend auf Howards Aufzeichnungen und den noch vorhandenen Akten, Briefen, Artikel, und vor allem von den von Dore Strauch und Margret Wittmer veröffentlichten Memoiren hat Noah Pink dann das Drehbuch verfasst.
Die Dreharbeiten mit Kameramann Mathias Herndl fanden allerdings nicht auf den Galápagos-Inseln statt, sondern vom 27. November 2023 bis zum 13. Februar 2024 an der australischen Gold Coast in Queensland. Für die notwendigen Filmaufnahmen auf den Galápagos-Inseln war die Second Unit zuständig. Die Filmmusik komponierte Hans Zimmer, für den das Drama bereits die zehnte Zusammenarbeit mit Ron Howard war.
In den Hauptrollen des Spielfilms sind Jude Law, Vanessa Kirby, Ana de Armas, Sydney Sweeney und Daniel Brühl - der bereits als Niki Lauda in ″Rush – Alles für den Sieg″ (2013) mit dem Regisseur zusammen gearbeitet hat - zu sehen.
Jude Law und Vanessa Kirby als Friedrich Ritter und Dore Strauch sowie Daniel Brühl und Sydney Sweeney als Heinz und Margret Wittmer spielen ihre Rollen mit dem klassischen Charakterporträt aber durchaus auch mit Finesse. Dabei wird deutlich, dass Ron Howard vor allem Margret Wittmer als Sympathieträgerin sieht, während Friedrich Ritter, Lore Strauch und auch Heinz Wittmer doch mit ihren Handlungen nicht immer positiv gezeigt werden.
Dagegen darf Ana de Armas ihre Baronin Eloise Wehrborn de Wagner-Bosquet als eine Art verführerischen Teufelin so richtig melodramatisch spielen, deren Niedertracht und Gemeinheiten keine Grenzen kennt, besonders da sie ihr Lieblingsbuch Das Bildnis des Dorian Grey so richtig falsch versteht. Man merkt der kubanischen Schauspielerin an, dass sie großen Spaß an ihrer bösartigen-witzigen Rolle hat. Doch auch ihr werden von dem von Richard Roxburgh gespielten amerikanischen Jachtbesitzer Allan Hancock Grenzen gesetzt, als der zwar auf der Insel eines klassischen Konzert aufführen lässt und einen Stummfilm drehen lässt, ihr aber dann doch bei seiner Abfahrt die kalte Schulter zeigt.
Felix Kammerer als Rudolf Lorenz und Toby Wallace als Robert Phillipson haben als die beiden Liebhaber der Baronin nur kleinere Rollen, allerdings kann Kammerer als Lorenz dann doch etwas Profil zeigen, als er versucht aus den Dreiecksverhältnis auszusteigen und bei den Wittmers um Hilfe und Nahrung zu bitten.
Da es über das bittere Ende von der Baronin, Robert Phillipson und Friedrich Ritter (sicher ist nur dass Friedrich Ritter ist an einer Vergiftung mit Botulismus-Bakterien in Hühnerfleisch gestorben ist) sehr unterschiedliche Aussagen der Überlebenden gibt, konnten Regisseur Ron Howard und Drehbuchautor Noah Pink ihre Version präsentieren. Bekannt ist nur, dass Rudolf Lorenz nach dem Verschwinden der Baronin mit dem Boot des norwegischen Fischers Trygve Nuggerud weggefahren ist, das aber an der Nachbarinsel gestrandet ist, dort wurden ihre Leichen der vermutlich Verdurstenden gefunden.
Dore Strauch ist 1934 nach Deutschland zurückgekehrt und im Mai 1943 in Berlin gestorben. Die Wittmers sind auch während des 2. Weltkrieges auf der Insel geblieben. Harry Wittmer ertrank 1951 bei einem Bootsunfall, Heinz Wittmer starb 1963. Margret Wittmer ist als letzte Überlebende der ″Galápagos Affäre″ im März 2000 auf Floreana gestorben. Ihre Tochter Ingeborg und deren Töchter betreiben heute ein Tourismus-Hotel auf der Insel, während Rolf Wittmer, der 2011 gestorben ist, Kreuzfahrten zu den Galápagos Inseln angeboten hat. Die Kreuzfahrtflotte wird heute von seinen Nachfahren betrieben.
Insgesamt ist ″Eden″ ein spannender Survival-Thriller, den man sich sehr gut im Kino ansehen kann.
Foto 1: Jenseits zivilisatorischer Konventionen: Dr. Friedrich Ritter (Jude Law) und Dore Strauch (Vanessa Kirby) im vermeintlichen Paradies © LEONINE Studios
Foto 2: Die Wittmers leisten Unglaubliches, um sich eine neue Existenz aufzubauen (v.l.n.r.): Heinz (Daniel Brühl), Harry (Jonathan Tittel) und Margret Wittmer (Sydney Sweeney) © LEONINE Studios
Foto 3: Ménage-à-trois (v.l.n.r.): Rudolf Lorenz (Felix Kammerer), die Baronin (Ana de Armas) und Robert Phillipson (Toby Wallace) © LEONINE Studios
Foto 4: Sehr langsame Annäherung einer Zweckgemeinschaft (v.l.n.r.): Friedrich Ritter (Jude Law), Heinz Wittmer (Daniel Brühl) und Dore Strauch (Vanessa Kirby) © © LEONINE Studios
Info:
Eden (USA 2025)
Originaltitel: Eden
Genre: Drama, Thriller, Survival
Filmlänge: ca. 129 Min.
Regie: Ron Howard
Drehbuch: Noah Pink
Darsteller: Jude Law, Sydney Sweeney, Daniel Brühl, Vanessa Kirby, Ana de Armas, Jonathan Tittel, Felix Kammerer, Toby Wallace, Richard Roxburgh, Paul Gleeson, Ignacio Gasparini,u.a.
Verleih: LEONINE Studios
FSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 03.04.2025