Bildschirmfoto 2025 04 04 um 01.59.10Ausstellung des DFF - Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, 2. April 2025 bis 1. Februar 2026, Teil 3

Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Eines der virtuosesten Stil- und Erzählmittel des Films, sogenannte Plansequenzen – ungeschnittene Szenen mit aufwändigen Kamerabewegungen – sind das Thema der neuen Ausstellung des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Entfesselte Bilder (2. April 2025 bis 1. Februar 2026). DFF-Kurator Michael Kinzer lädt dazu ein, die Entfesselung der Kamera im Laufe der Jahrzehnte anhand dutzender Filmausschnitte zu erkunden. Der Fokus liegt dabei auf „mobilen Long Takes", langen Einstellungen mit Kamerafahrten, bei denen die Person hinter der Kamera häufig selbst in Bewegung ist und so eine mitreißende Dynamik der Bilder entsteht.

Von den ersten Versuchen elaborierter Kamerabewegungen in der Stummfilmzeit bis hin zu den OneShot-Filmen des 21. Jahrhunderts, die (mitunter nur scheinbar) komplett ohne Schnitte auskommen, spannt die Ausstellung einen großen filmhistorischen Bogen, der sowohl Arthouse- als auch Mainstream- Kino umfasst. Angelegt als ein Labyrinth aus Projektionen und Monitoren, auf denen Kamerakunststücke aus mehr als 100 Jahren Filmgeschichte gezeigt werden, entsteht eine verschachtelte Architektur aus bewegten Bildern, die den Film als einzigartige Kunstform präsentiert und dem Publikum eine neue Art des Sehens vermittelt – ein ästhetisches, audiovisuell mitreißendes Erlebnis für Filmfans jeden Alters.

Die Entfesselung der Kamera in den 1920er Jahren „Entfesselte Kameras“ kennt die Filmgeschichte seit den 1920er Jahren, als Regisseure wie Friedrich Wilhelm Murnau mit dem Kameramann Karl Freund oder der Franzose Abel Gance die Kamera auf Schlitten, Fahrräder oder Bretter schnallten und das schwere Gerät erstmals individuell in Bewegung brachten. Schon in den Jahrzehnten zuvor war die Kamera beweglich. Etwa, wenn sie vor eine Lokomotive montiert in sogenannten „Phantom Rides“ die Vorwärtsbewegung des Zuges aus der Perspektive des Lokführers aufnahm oder eine Verfolgungsjagd von einem Schienenwagen oder Auto aus begleitete. Die bewegte Kamera, wie sie Murnau in DER LETZTE MANN (DE 1924) und Gance in NAPOLÉON (FR 1927) einsetzten, lieferte ungleich dynamischere Filmbilder als die starre Kamera der ersten Kinojahre und wurde als Sensation gefeiert und in der Folge über die Jahrzehnte beständig weiterentwickelt. DER LETZTE MANN und andere Titel in der Ausstellung stammen aus dem Rechtebestand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, mit der das DFF 2022 eine grundlegende Kooperation vereinbart hat. Bis 2027 sollen verschiedene Meilensteine der programmatischen Zusammenarbeit und gemeinsamen Projektarbeit erreicht werden.

Die für die Ausstellung zur Verfügung gestellten Filme sowie eine begleitende Filmreihe im Kino sind der zweite Meilenstein der Kooperation.
 “Father Christmas’s magic wand could create the instrument which is more important than any fortuitous outside aid: a camera that can move freely in space. What I mean is one that at any moment can go anywhere, at any speed. A camera that outstrips present film technique and fulfils the cinema’s ultimate artistic goal.” Friedrich Wilhelm Murnau*
                                                                                                                               
Schon Murnau wünschte sich (siehe Zitat oben) eine Kamera, „die sich frei im Raum bewegen kann“ – eine Beweglichkeit, die heute dank (auch digitaler) Technik verwirklicht ist. In Filmen wie Alfonso Cuaróns GRAVITY (US/UK 2013) ist das eindrucksvoll zu sehen, wenn die Kamera immer an der Seite von Sandra Bullocks Figur Dr. Stone – lost in space – scheinbar völlig losgelöst durch den dreidimensionalen Raum schleudert.

Foto:
©dff.film

Info:
https://www.dff.film/wp-content/uploads/2025/03/PM-Entfesselt-Haupt_FM_final_f.pdf
https://www.youtube.com/watch?v=vm97MdLVdPU