rentalSerie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 8. Januar 2026, Teil 9

Redaktion

Berlin (Weltexpresso) - Du bekommst eine Plus-eins-Einladung zu einer Hochzeit, bist aber hoffnungslos Single. Dein neuer Freund will deine Mutter kennenlernen, aber du hast Angst, sie könnte dich blamieren. Du gehst jedes Wochenende allein ins Kino, weil keiner deiner Freunde Cineast ist.


Wer hat sich in solchen Situationen nicht schon einmal einen idealen Begleiter gewünscht – jemanden, der emotionale Lücken in unangenehmen sozialen Momenten füllt? Dieses Verlangen nach Nähe steht im Zentrum von RENTAL FAMILY. Der Film beleuchtet ein in Tokio ansässiges Unternehmen, in dem Schauspieler stundenweise Eltern, Freunde, Ehepartner oder andere Rollen übernehmen. Regisseurin HIKARI, die in Osaka geboren wurde, begann die „Rent-a-Family"-Industrie zu erkunden, die es überall in Japan gibt. Die Praxis, solche Schauspieler zu engagieren, ist ein gut dokumentiertes Phänomen, das in den 1980er-Jahren begann – was sie entdeckte, als sie 2018 mit der Recherche begann.

„Derzeit gibt es etwa 300 solcher Unternehmen in Japan", erklärt die Regisseurin. „In einer Großstadt wie Tokio oder sogar in einer Kleinstadt auf dem Land kann man sich extrem isoliert fühlen. … Jeder einzelne Mensch, mit dem ich gesprochen habe, suchte nach Verbindung. Auch wenn sie für den Service bezahlen, entsteht in diesen zwei oder drei gemeinsamen Stunden oft eine echte Freundschaft. Und auch die Schauspieler, die als Ersatzfamilie fungieren – sie investieren sich zu 100 Prozent in die Beziehung und finden ihre eigene Verbindung in der Gemeinschaft. Die Rollen mögen künstlich wirken, aber die Gefühle sind echt."

HIKARI sieht die Ursachen für das Wachstum dieses Geschäfts in moderner Einsamkeit, Isolation und der mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz von Therapie in ihrem Heimatland. In Japan, sagt sie, seien psychische Gesundheitsangebote nicht so leicht zugänglich wie in den USA – insbesondere über Telemedizin.

„Leider ist es für Menschen in Japan, die nicht persönlich mit einem Therapeuten sprechen wollen, etwas schwieriger", sagt sie. „Also engagieren die Leute lieber jemanden, mit dem sie zwanglos ihre Probleme teilen oder einfach reden können. … Sie sind keine lizenzierten Therapeuten, aber sie bieten Unterstützung und eine andere Perspektive."

Auch HIKARIs Schauspieler vertieften sich in die realen Auswirkungen solcher Beziehungen. Vor Drehbeginn verbrachte Takehiro Hira („Shōgun") – der im Film den Besitzer des gleichnamigen RENTAL-FAMILY-Unternehmens spielt – Zeit damit, Mitarbeiter ähnlicher Firmen in Tokio zu interviewen. Besonders bewegt war er von der Geschichte einer älteren Frau, die einen Schauspieler engagierte, damit er in ihrem Gästezimmer schlief, sodass sie sich nachts nicht einsam fühlte.

„Als ich diese Geschichte hörte, dachte ich sofort an meine Mutter, die in ihren Achtzigern allein in Tokio lebt", sagt Hira. „Ich war erfüllt von einem enormen Schuldgefühl als Sohn. [lacht] Ich fragte mich, ob sie sich jemals so einsam gefühlt hat, dass sie sich sicherer fühlen würde, wenn irgendein Fremder im Nebenzimmer schliefe."

HIKARI wollte das Rental-Family-Geschäft auf eine Weise vorstellen, die ungewöhnlich und weitreichend wirkt – sogar ein wenig absurd. Indem sie durch Phillip – die zentrale Figur der Geschichte – und seine Beziehungen zu den Agenturmitgliedern die Schichten abträgt, wollte sie ein Erlebnis schaffen, das unterhaltsam ist, aber dem Zuschauer auch ein Verständnis und eine Wertschätzung für dieses einzigartige Geschäft ermöglicht.

„Wir wollen, dass sich die Geschichte an dich heranschleicht", fügt sie hinzu. „Am Ende des Films hoffen wir, dass sich das Publikum fragt, welche Rolle sie jemanden in ihrem eigenen Leben spielen lassen würden." Mit Blick auf das bekannte Hollywood-Klischee des „Fisches auf dem Trockenen" wollte HIKARI die Geschichte des Rental-Family-Geschäfts nicht ausschließlich durch westliche Augen erzählen. „Es war uns wichtig, eine Balance zu finden. Oft werden ein Land und seine Menschen auf Stereotypen reduziert. Deshalb sind Tada, der Besitzer, und seine Kollegen so wichtig. Sie fügen Komplexität und Nuancen hinzu, indem sie der Geschichte eine östliche und weibliche Perspektive geben."

Foto:
©Verleih

Info:
Stab
Regie: HIKARI
Drehbuch HIKARI, STEPHEN BLAHU

BESETZUNG
BRENDAN FRASER als Phillip Vandarpleog
TAKEHIRO HIRA als Shinji Tada
MARI YAMAMOTO als Aiko Nakajima
AKIRA EMOTO als Kikuo Hasegawa
SHANNON MAHINA GORMAN als Mia Kawasaki
 
Abdruck aus dem Presseheft, übersetzung durch KI