nost3Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 22. Januar 2026, Teil 4

Redaktion

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Dusche Aus den heutigen Badezimmern nicht mehr wegzudenken, stellte die D. vor dem 20. Jahrhundert noch eine Seltenheit dar. Erst Ende des 18. Jahrhunderts verbreitete sich die Ansicht, dass Wasser für die Körperhygiene von wesentlicher Bedeutung sei. Mit Schrecken denke man an die Zeiten des traditionellen „Waschtags“ zurück. Dabei wurde der Waschkessel erhitzt und nacheinander stieg die gesamte Familie in dasselbe Badewasser hinein. Revolutioniert wurde die moderne Duschausstattung 1953 mit der Erfindung der  verstellbaren Brausestange. In den 1960ern gelingt die Einführung der zentralen Wasserversorgung. Heute ist die Dusche ein fester Bestandteil der Badekultur, den man nicht missen will. Falls auf mysteriöse Art und Weise über Nacht eine Dusche in Ihrem Haus installiert wird, dann seien Sie also gefälligst dankbar.


E-Scooter
Die Fahrräder der → Zukunft. Bei einem E. handelt es sich um die deutlich coolere Bezeichnung für den Elektro-Tretroller, ein kleines, elektrisch angetriebenes Fahrzeug mit Lenkstange, welches in der Regel eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h nicht überschreitet. Gedacht sind sie für den Gebrauch auf Radwegen und Fahrbahnen, sorgen aber auch auf so manchem Fußgängerweg für Unmut – und hin und wieder auch für → Nostalgie für eine Zeit, in der es nur verantwortungslose Fahrradfahrer waren, die sich mit ihren Drahteseln zu waghalsigen Überholmanövern auf dem Bordstein inspiriert fühlten. Ohne → Sicherheitsgurt und gerne auch zu zweit auf einem E. kann eine Fahrt nämlich ganz schön abenteuerlich sein, besonders für Zeitreisende.


Hundekotbeutel
Der H. trägt seine Funktion unmissverständlich im Namen: Es handelt sich um eine kleine Mülltüte, mit der Hundehalter den Kot ihrer treuen Fellfreunde aufsammeln können, bzw. müssen. Für den einen selbstverständlich, für den anderen eine Marotte der → Zukunft. Ist doch alles biologisch abbaubar und ideal als ökologisch einwandfreies Düngemittel, oder etwa nicht? Um der akuten Fäkalverunreinigung beliebter Gassi-Gebiete entgegenzuwirken, startete die Stadt Wien 2006 eine Kampagne mit dem Spruch „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“, der postwendend zum „Spruch des
Jahres“ gewählt wurde. Um Hundehalter zur Entsorgung der Kläffer-Köttel zu inspirieren, stellt das Schweizer Unternehmen ROBI AG seit Beginn der 1980er Jahre zudem sogenannte Hundetoiletten her, die die schnelle Entsorgung der H. ermöglicht und ihnen zudem den eingängigen Kosenamen „Robidog-Säckli“ eingebracht hat. Vor allem sind die handlichen Tüten aber eine Erleichterung nach der Erleichterung.


Kreditkarte
Erstmals erwähnt wurde die K. 1888 im amerikanischen Science-Fiction Roman „Looking Backward 2000 – 1887“. 1894 begannen dann die ersten Hotels, Kreditkarten im wortwörtlichen Sinne an gute Gäste auszugeben. Auch die erste „echte“ Universalkreditkarte stammt aus den USA, genauer gesagt aus New York: Der dortige Diners Club gab
1950s eine K. an seine Mitglieder aus, um damit in teilnehmenden Restaurants bezahlen zu können → Sushi stand damals bedauerlicherweise noch nicht auf den Menüs. Spätestens seit den 1970ern macht die K. auf der ganzen Welt Portemonnaies schlanker und leichter, finanzielle Abläufe jedoch auch unsichtbarer. Die K. steht wie kaum etwas anderes für den magischen und teilweise auch irrationalen Zahlungsverkehr des Kapitalismus auf ganz privater Ebene. Denn Kredite sind, wie auch waschfreudige Zeitmaschinen, Instrumente, mit denen sich die Zeit beherrschen lässt und die Gegenwart zur Zukunft wird.

Nostalgie
Früher war alles besser – auch die → Zukunft. Mit dem Begriff N. beschreibt man die wehmütige, oft idealisierte Sehnsucht nach der Vergangenheit, in der – zumindest so die zentrale These der N. – eigentlich noch alles in Ordnung
war, oder etwa nicht? Diese Romantisierung kann manchmal trügerisch sein (→ Hausarbeit ohne → Saugroboter? Undenkbar!), die Gegenwart aber auch tröstlicher gestalten. Nicht zuletzt ist die N. auch elementarer Bestandteil von Erinnerungskultur, in der vielleicht nicht immer ganz präzise, aber doch gemeinschaftlich unsere Vergangenheit erinnert und bewahrt werden kann. Das muss sie auch – denn wenn das Eigenheim über Nacht plötzlich zum → Smart Home wird, bekommt Heimweh (lat. nostalgia) noch mal eine ganz neue Bedeutung. 


Rollenbild
Unter R. versteht man die Vorstellung davon, wie sich jemand aufgrund seiner sozialen Stellung zu verhalten hat. Zumeist geht es dabei um traditionelle geschlechts- und familienspezifische Zuweisungen, wie etwa die der Mutter als
→ Hausfrau oder des Vaters als Familienoberhaupt. Obwohl es sich bei R. um reine Gedankenkonstrukte handelt, haben sie eine nicht zu unterschätzende Auswirkung auf das alltägliche Leben, insbesondere dann, wenn sie in Frage gestellt werden. So reicht bei so manch überzeugtem → Nostalgiker die bloße Erwähnung neumodischer Ideen wie → Frauenfußball für explodierende Zornesfalten und einen mittelgroßen Wutausbruch. Da lässt sich nur erahnen, welch schwerwiegender Kulturschock einen gutbürgerlichen Familienvater aus den 1950ern ereilt, der in Folge einer → Zeitreise in der heutigen Welt landet und sich neben gleichgeschlechtlichen → Hochzeiten plötzlich auch noch mit einem → Smart Home und →Saugrobotern herumschlagen muss.


Sicherheitsgurt
Obwohl der erste S. der Geschichte bereits 1902 patentiert wurde, fand der Dreipunkt-Lebensretter jahrzehntelang nur im Rennsport Verwendung. Erst 1974 wurde der Einbau von S. in Deutschland bei allen Neuwagen Pflicht, was auf breiten Protest in der Bevölkerung stieß. Zur Verhinderung der allgemeinen Gurtpflicht wurden neben Petitionen sogar wissenschaftliche Gutachten erstellt, die die Verwendung von Gurten mit einer Freiheitsberaubung durch Fesselung gleichsetzten. Bis in die 80er hinein legten nur ca. die Hälfte der deutschen Autofahrer regelmäßig den S. an und das obwohl nach offiziellen Schätzungen bereits im ersten Jahr nach Einführung der Gurtpflicht 1500 Leben durch das
Anschnallen gerettet wurden. Es passte einfach nicht ins →Rollenbild der zumeist männlichen Autofahrer, für einen Un-
fall zu planen, der ihnen natürlich niemals passieren würde. Das änderte sich allerdings schlagartig mit dem 1. August
1984. Der Grund: Ab sofort wurde ein nicht angelegter Gurt mit einem Bußgeld von 40 DM geahndet und der Anteil der
Gurtträger kletterte binnen eines Jahres auf über 90 Prozent. Es scheint, als reiche die → Nostalgie dann doch nicht bis in den eigenen Geldbeutel hinein. Mittlerweile nehmen die Maschinen die Kontrolle sogar selbst in die Hand: Viele moderne Automodelle fahren gar nicht erst los, solange man seinen S. nicht angelegt hat. Da ist der Schritt zur Freiheitsberaubung dann tatsächlich nicht mehr allzu groß.


Smart Home
Mit dem S.H. beginnt eine neue Ära in der Philosophie des Wohnens. Die Vernetzung von Haushaltsgeräten und Haustechnik machen Küchenbank und Kaminecke zum Teil eines digitalen Netzwerks, Kinderzimmer und Kücheninsel zur nie versiegenden Quelle für die stets umtriebigen Algorithmen. Wer sich für ein S.H. entscheidet, muss also
abwägen: Mental Ab-(bzw. Up-)Load im Äther oder unabhängige Selbstverwaltung in einem ewigen Hausmeister-Dasein. Wer andere Demarkationen zwischen Privat und Öffentlich gewöhnt ist, beispielsweise nach einer Zeitreise aus den 1950er Jahren, dem tanzen die neuen Kulturtechniken buchstäblich erstmal auf den Füßen herum.



Video-Call
Der digitale Raum. Unendliche Weiten. Und Sätze wie „Hörst du mich?“, „Ich sehe dich, aber höre dich  nicht!, „Jetzt bist du hängengeblieben!“, „Ist noch jemand da?“ und „Hallo?“, die zu privaten Gesprächen mit Freunden und Familie mittlerweile genau so dazugehören wie zu Bewerbungsgesprächen, Arbeitsbesprechungen und der Live-Schalte in den Abendnachrichten. Der V.C. hat vielerorts das gute alte Telefonat abgelöst, ermöglicht er doch zumindest eine Begegnung von (digitalem) Angesicht zu Angesicht. Dabei ist die Gesprächsverbindung selbst im noch so modern
eingerichteten → Smart Home nicht vor Funklöchern, wackeligen Internetverbindungen und von hinten ins Kamerasichtfeld stürmenden Kindern oder über die Tastatur spazierenden Haustieren sicher. Im Notfall bleibt die Kamera einfach aus. So lässt sich während des V.C. mit der Firma auch viel besser die → Hausarbeit erledigen. Außerd--- hallo? Hört ihr mich? Ist noch jemand da?



Waschmaschine
Ohne Frage war die Erfindung der W., neben der Spülmaschine, dem Staubsauger und der Antibabypille, ein wichtiger Meilenstein, die Frau aus ihrer häuslichen Knechtschaft zu befreien. Bis in die 1960er Jahre hinein wurde Woche um Woche der Waschtag ausgerufen und die Frau schrubbte, bürstete, spülte, spülte wieder, bleichte – und wirkte dabei vor allem in den 1950er Jahren stets elegant und gut gelaunt. Erfunden wurde die W. nicht an einem einzigen Tag.
Es gab Vorläufer, Experimente und Versuche, die bis ins 17. Jh. zurückgehen. Im 18. Jh. erfand der Regensburger Jacob Christian Schäffer einen Holzbottich, in dem die Wäsche mit einer Kurbel bewegt wurde. Die Schäffersche Maschine hielt sich nahezu unverändert bis zur Mitte des 19. Jh. auf dem Markt. Erste Waschvollautomaten gab es ab den 1950er Jahren – zunächst als Luxusgut. 1963 besaßen nur etwa 9 Prozent der deutschen Haushalte ein eigenes Gerät. Bei einem Preisausschreiben einen solchen Wunderautomaten zu ergattern, war für die → Hausfrau sicher ein Segen, der einen auch gleich mal ein paar Jahre in die → Zukunft projizieren kann.



Zeitreise
Das moderne Konzept der Z. entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge des aufkommenden Science-Fiction-Hypes mit der Veröffentlichung des Romans „The Time Machine“ von H.G. Wells, der zu der  Vorlage in Sachen Z. für Generationen an Autoren wurde. Auch im Kino entwickelte sich die Z. schnell zum Dauerbrenner. Egal ob in die → Zukunft, die Vergangenheit oder alternative Universen, es gibt kaum einen Ort, den die Z. in der Kinogeschichte noch nicht erkundet hat. So vielfältig wie die Reiseziele sind dabei auch die Objekte, mit denen sich die tapferen Zeitwanderer durch die Äonen bewegen. Von High-Tech-Maschinen und interstellaren Raumschiffen, über rasante DeLoreans und magische Uhren bis hin zur ikonischen Londoner Telefonzelle oder dem zeitreisefähigen Whirlpool, hat man (fast) alles schon auf der Leinwand gesehen. Eine zeitreisende → Waschmaschine gab es allerdings in über hundert Jahren Zeitreisegeschichte noch nicht.

Foto:
©VErleih

Info:
Regie.  Vinciane Millereau
Drehbuch.  Julien Lambroschini und Vinciane Millereau

Besetzung
Hélène Dupuis.   Elsa Zylberstein
Michel Dupuis.    Didier Bourdon
Jeanne Dupuis    Mathilde Le Borgne
Lucien Dupuis. Maxim Foster
Jacques.  Romain Cottard
Safia  Barbara Chanut
Yvonne.  Céline Fuhrer
Lantier. François Pérache
André. Esteban Delsaut
Marguerite. Aurore Clément
Henri. Didier Flamand

Abdruck aus dem Presseheft