Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 14. Mai 2015, Teil 3

 

Kirsten Liese

 

Berlin (Weltexpresso) - Die eine will das Startkapital für einen Friseursalon, die andere ein Baby, das sie auf natürlichem Wege nicht bekommen kann. Via Internet kommen die obdachlose Melody (Lucie Debay) und die britische Managerin Emily (Rachael Blake) in Kontakt.

 

Alles scheint zunächst ohne Komplikationen vonstatten zu gehen: In einer ukrainischen Klinik werden Melody die eingefrorenen Eizellen ihrer Geschäftspartnerin eingepflanzt, bald darauf ist sie schwanger.

 

Das Kammerspiel des Belgiers Bernard Bellefroid leistet einen kleinen Beitrag zu einem schwierigen, kontroversen ethischen Thema, allerdings maßt sich der Regisseur nicht an zu beurteilen, ob seine Protagonistinnen richtig oder falsch handeln, er weckt einfach nur Mitgefühl für die Motive seiner Figuren.

 

Seine Heldinnen scheinen selbstbewusst entschieden zu haben, worauf sie sich bei ihrem Deal einlassen. Erst im fortgeschritteneren Stadium der Schwangerschaft wird die Leihmutter, überwältigt von Glücksgefühlen, unsicher, ob sie ihr werdendes Kind einer Fremden überlassen soll. Daher will Emily unbedingt die Kontrolle über Melodys Vertragserfüllung behalten. Dass sich die junge Belgierin gleich ganz bei ihr einnistet, hätte sie indes kaum erwartet.

 

Männer tauchen hier nur am Rande auf. Bellefroid konzentriert sich ganz auf die langsame, schwierige Annäherung der Frauen, die zunehmend wie Mutter und Tochter zueinander stehen. In ihrer Einsamkeit geben sie sich Halt, doch dafür müssen sie ihr gegenseitiges Misstrauen überwinden.

 

Das alles schildert der Film einfühlsam, zart und leise. Am Ende, wenn die Geschichte sich unnötig ins Melodramatische wendet, fragt man sich schon einmal, ob es denn tatsächlich nichts anderes gibt, was den Verzicht auf ein Kind aufwiegen könnte. Aber man muss das nicht verstehen. Vermutlich spricht „Melodys Baby“ vielen Frauen mit vergleichbar starken Muttertrieben aus dem Herzen.