Serie: Die heute anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 5. April 2012, Teil 1

 

Romana Reich

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Naja, SAMS IM GLÜCK ist schon letzte Woche angelaufen, aber wir wollen wenigstens in der Überschrift darauf hinweisen, denn Ostern ist genau richtig für Familienfilme. Kann es sein, daß man als Erwachsener einen Film anders sieht, wenn Kinder dabei sind? Unseres auf jeden Fall hatte so einen Spaß an der Fortsetzung der SAMS-Reihe, daß auch wir ununterbrochen mitlachten.

 

THE LADY

Erst recht passend ist die deutsche Premiere des Films über Aung San Suu Kyi, die Friedensnobelpreisträgerin 1991 aus Burma, die dort bei den Nachwahlen zum Parlament diese Woche eine gewaltigen Sieg einfuhr. Der französische Regisseur Luc Besson, bekannt durch hollywoodeske Filmunternehmen, porträtiert die burmesische Widerstandskämpferin in einem Spielfilm, in dem Michelle Yeoh, in Malaysia geboren, die Hauptrolle spielt und dies so überzeugend und mit frappierender Ähnlichkeit, daß man sich in einer Dokumentation wähnt. Allerdings bringen einen ein getragener Ton und die gewählten Bilder schon bald dazu, daß es hier nicht um einen politischen Film geht.



Genau aber dies hätte die Burmesin verdient. Der Film zeigt ihr Leben, die Verpflichtung vom ermordeten Vater her, sich um das Volk zu kümmern. Denn er wurde getötet, als er 1947 in einem Moment politischer Möglichkeiten – die Japaner waren vertrieben – als antifaschistischer Freiheitskämpfer die Regierung eines demokratischen Burmas übernehmen sollte. Wenn schon der Zweijährige vom Vater die glorreiche Vergangenheit beschworen wird, die mit den Soldaten endet, wie er erzählt, weiß niemand, wer diese Soldaten sind. In der nächsten Szene passiert der Mord, der über die ganze Leinwand optisch alles herausholt, was es zu schauen gibt. Dieses Gefühl, daß einem hier etwas vorgezeigt wird, verläßt einen nicht.



Es wird vor allem der private, ebenfalls tragische Lebensweg gezeigt, wo die eigentlich in London/Oxford lebende Angehörige höherer Schichten mit dem Tibetologen Michael Aris verheiratet ist und zwei Söhne hat. Mit einem Sprung sind wir dann im Burma des Jahres 1988. Gekommen ist sie wegen der Erkrankung der Mutter, aber sie weiß, als sie die Unruhen mitbekommt und zu ihnen Stellung bezieht, daß sie nie wieder einreisen darf, wenn sie das Land verläßt.



Auch nicht, als sich herausstellt, daß ihr Ehemann an Krebs erkrankt ist. Eine öffentliche Person wird Aung San Suu Kyi durch den verordneten Hausarrest, der so weit geht, daß Besucher bestraft werden. Das Haus in Rangun spielt gewissermaßen auch ein Hauptrolle, denn als die überraschende Wende burmesischer Politik eintritt und sie im November 2010 ihre bürgerlichen Freiheiten zurückerhält, ist die Verfilmung, die hauptsächlich in Thailand gedreht wurde, im Endstadium.



Das ist so ein Film, der jedem eine Beurteilung schwer macht. Denn er tritt ein, für das, was jeder von uns als Überzeugung trägt, was seinen Verstand und sein Herz bewegt. Nur leider bildet der Film das, was bei jeder Fernsehnachricht über diese außergewöhnliche Frau an Inhalten auf uns kommt, wie sehr man für ein demokratisches Land kämpfen muß, warum dies alles geschieht, nicht ab.



Er verharrt auf einer schönen traurigen emotionalen Erzählung eines Lebens, die dem wahren Leben der Nobelpreisträgerin einfach nicht entspricht. Er entwertet dadurch auch ihr politisches Engagement, das sich konkret gegen eine diktatorische und sich bereichernde Politik gerichtet hatte. Diese Gegner und ihr politisches Handelns spielen keine Rolle, zumindest können Zuschauer dies nicht erkennen. Das alles bleibt total oberflächlich und darum auch sentimental. Aber dennoch, diese Frau ist eben einzigartig und dies kann ihre Darstellerin Michelle Yeoh wahrhaftig abbilden. Ob ästhetische Fragestellungen wichtiger sind als die filmissche Welt-Aufmerksamkeit für eine politische Frau, die zudem noch eine Zukunft vor sich hat, muß jeder für sich entscheiden.