Serie: Die anlaufenden Filme in deutschen Kinos vom 10. März 2016, Teil 1

 

Margarete Ohly-Wüst

 

Frankfurt am Main (Weltexpresso) - Nach dem Ende der letzten Eiszeit in Europa vor etwa 12000 Jahren kehrten nicht nur die Jahreszeiten zurück, sondern es entwickelten sich auch sukzessiv ausgedehnte Wälder, die von vielen Tier- und Pflanzenarten bevölkert wurden, z.B. Bären, Wölfe, Füchse, Luchse, Marder, Biber, Huftiere wie Hirsche oder Pferde, aber auch große Raub- oder kleine Singvögel, Reptilien und Amphibien leben dort.

 

Ab und zu zogen auch Menschen als Jäger und Sammler durch diese Wälder.

 

Im Laufe der nächsten Jahrhunderte veränderten sich die Wälder wenig. Die tierischen und pflanzlichen Populationen lebten im Gleichgewicht. Erst mit der Zunahme und Sesshaftwerdung der Menschen änderte sich das. Durch Rodung und Landwirtschaft wurden die Wälder immer weiter zurückgedrängt. Später wurden Straßen angelegt, die Wälder zur Jagd genutzt oder zur Gewinnung von Holz zum Schiffbau. Gleichzeitig wurden die Tiere in nützliche und schädliche eingeteilt. Dadurch wurden viele Tiere, besonders die großen Raubtiere, in unwegsamere Regionen wie das Gebirge abgedrängt, während sich andere an die neuen Gegebenheiten anpassten oder vom Menschen domestiziert wurden. Das Handeln der Menschen hat damit die Landschaft geprägt und dadurch die Lebensgemeinschaften von Tieren und Pflanzen verändert.

 

 

In der Naturdokumentation "Unsere Wildnis" zeigt Regisseur Jacques Perrin den Wandel des Waldes im europäischen Raum. Zusammen mit Jacques Cluzaud hat er auch das Drehbuch verfasst. Sie haben hier ebenso wie in ihren früheren Dokumentationen "Nomaden der Lüfte" (2001) und "Unsere Ozeane" (2010) wunderbare Bilder eingefangen.

 

Gefilmt wurde überall in Europa. So stammen z.B. die Aufnahmen von Wildpferden sowohl aus der Camargue als auch aus dem Oostvaardersplassenpark im niederländischen Lelystad. Bären wurden sowohl in den Pyrenäen, in der Region Auvergne-Rhône-Alpes als auch in Zărnești im siebenbürgischen Brasov gefilmt. Daneben wurde aber auch mit Tieren gearbeitet, die von Menschen aufgezogen wurden und so seit ihrer Jugend auf diese geprägt sind.

 

Der Kommentar des Filmes ist sehr zurückhaltend. So kann man über weite Strecken die Bilder und die großartige Filmmusik von Bruno Coulais genießen (auch wenn man dadurch nicht jedes Tier oder jede Pflanze erkennt). Im französischen Original wird der Kommentar von Jacques Perrin selbst gesprochen, der ja auch ein bekannter französischer Schauspieler ist, in Deutschland hat Sebastian Koch die Rolle des Erzählers übernommen.

 

An einigen Stellen wurde leider etwas zu stark auf das Publikum Rücksicht genommen, z.B. sieht man bei "Fressen und Gefressen werden" eigentlich keine Tiere, die töten oder getötet werden (natürlich fehlt im Abspann auch nicht der obligate Satz, dass für den Film keine Tiere zu Schaden kamen). Indem der Eingriff des modernen Menschen insbesondere durch Industrialisierung und Krieg dramatisiert wird, entsteht ein unrealistisch harmonisches Bild des Verhältnisses der älteren Jäger- und Sammlerkulturen zur Natur.

 

Der Film vereinfacht bewusst an einigen Stellen, z.B. wird bei der Entwicklung des Waldes nur auf die natürliche Vegetation eingegangen und die Sukzession, also die zeitliche Abfolge von Pflanzen-, Tier- oder Pilzgesellschaften, werden weggelassen. "Unsere Wildnis" ist trotzdem eine rundherum gelungene Dokumentation, die die Zuschauer zum Nachdenken bringt und absolut sehenswert ist.

 

Foto: Ein Luchs © Universum Film GmbH

 

Info:

Unsere Wildnis (Frankreich 2015)

Originaltitel: Les Saisons

Genre: Naturdokumentation

Filmlänge: 95 Minuten

Regie: Jacques Perrin

Drehbuch: Jacques Perrin, Jacques Cluzaud

Sprecher: Sebastian Koch

Verleih: Universum Film GmbH

FSK: ab 0 Jahren

Kinostart: 10.03.2016