nb Ali Al SayedWo man noch über IS und Sexismus lachen darf

Notker Blechner

Montreux (Weltexpresso) - Zu einem der größten Lach-Festivals hat sich das Montreux Comedy Festival entwickelt. Zahlreiche Comedians aus allen Kontinenten strömten auch dieses Jahr wieder in die Stadt am Genfer See. Besonders einzigartig ist die Verbindung mit den sozialen Medien.

Eine gelungene Mischung aus französischem und englischem Humor präsentierte das mehrtägige Festival. Drei Tage lang zeigten junge französischsprachige Talente, was in ihnen steckt. Der letzte Tag war für die englischsprachigen Comedians reserviert.

Da erklärte der Isländer Ari Eldjárn das schwierige Verhältnis zu den Dänen. "Wenn sie uns treffen, fragen sie, ob wir denn Straßen, Züge oder gar Handys haben." Dabei hätten die Dänen in Sachen Natur gar nichts zu bieten außer dem Meer. Ihr höchster Berg sei ein 100 Meter hoher Hügel, erzählte Eldjárn.


"IS hat gute Social-Media-Abteilung"

Ali Al Sayed - im Titel im Bild -  aus Dubai machte sich lustig über den IS. Die Islamisten hätten lediglich eine gut funktionierende Social-Media-Abteilung.

In Dubai darf Ali solche Witze nicht machen. Sich über die Religion lustig zu machen ist dort tabu. Im Emirat gebe es hierfür ein Anti-Diskriminierungsgesetz, erzählt er. Ali Al Sayed betreibt in Dubai eine Comedy-Schule. Der Humor im Emirat sei wegen der Einwanderer aus zahlreichen unterschiedlichen Ländern sehr international.

Der arabische Comedian kam mit einer großen Delegation an den Genfer See. Denn das Montreux Comedy Festival wurde bereits nach Dubai exportiert. Zum dritten Mal findet es im Februar 2018 statt - auf englisch, französisch und arabisch.


Ein Abend für "YouTuber"-Comedians

In Montreux liegt der Schwerpunkt noch auf dem französischsprachigen Humor. Die ersten drei von vier Tagen traten ausschließlich französischsprachige Künstler auf. Besonders in einem unterscheidet sich das Festival von anderen Spaß-Festivals: die Verbindung mit den sozialen Medien. Einen Abend lang war die Bühne ausschließlich für "You Tuber"-Comedians geöffnet. Auf Facebook und YouTube wurden live einzelne Sessions übertragen.

Höhepunkt des Festivals war die Fary-Wiesel-Gala am Samstag. Der Franzose Fary und der Schweizer Thomas Wiesel moderierten eine Show mit zahlreichen französischsprachigen Comedy-Künstlern. So zog der Belgier Alex Vizorek interessante Vergleiche zur Tierwelt. Ein Delphinbaby sei viel intelligenter als ein 15-jähriger menschlicher Teenie, meinte er. "Oder haben Sie schon mal ein Delphinbaby gesehen, das sich freiwillig tätowieren lassen will?"


"Afrika kommt Europa immer näher"

Die Französin Marina Rollman erklärte, warum es so einfach ist, einen Mann zum Orgasmus zu bringen, aber nicht die Frau. Und Lenni M'Bunga aus dem Kongo drohte dem Publikum, dass Afrika Europa immer näher komme. "Jedes Jahr bewegt sich der afrikanische Kontinent 2,4 Zentimeter Richtung Europa."

Bei den meisten Auftritten ging es um Liebe, Sex und Geschlechter-Klischees. Moderator Wiesel gab den zahlreichen Gästen im Stravinsky-Saal (Über-)Lebenstipps - zum Beispiel dass man beim Liebesakt nicht in die Vagina der Frau pusten soll. "Das ist lebensgefährlich."


Neues Konzept kommt gut an

Festival-Gründer Grégoire Furrer zeigte sich sehr zufrieden mit der Resonanz auf das geänderte Konzept des Festivals. Fast an allen Tagen seien die Shows ausverkauft gewesen, erklärte er gegenüber Weltexpresso. Das Publikum sei von weit hergekommen. Fast ein Drittel der Besucher seien aus Frankreich gewesen.

Künftig will das Montreux Comedy Festival noch internationaler werden. 2019 soll auch eine Comedy-Show in Deutsch angeboten werden. "Es gibt viele Deutsche und Deutsch-Schweizer, die rund um Montreux leben." Die wollen auch mal wieder in ihrer Muttersprache lachen!

Fotos:
© Veranstalter

Info:
Montreux Comedy Festival
http://www.montreuxcomedy.com/fr/