estlandVortrag von Prof. Dr.–Ing. Sabine Bock, Schwerin, Montag, 14. Dezember 2020, 18 Uhr, als YouTube-Premiere

Felicitas Schubert

Berlin (Weltexpresso) - Wir finden die Einrichtung des Kulturforums, das mit vollem Namen Deutsches Kulturforum östliches Europa heißt, richtig gut. Es greift einerseits auf, daß deutsches Leben, deutsche Kultur dort einst zu Hause war, ja vom Osten her sich deutsche Kultur zum großen Teil konstituierte, und zeigt andererseits deutlich, daß dies der Vergangenheit angehört, aber inmitten der dortigen Gesellschaften von heute gepflegt werden sollte und gemeinsames Kulturgut ist, das auch im heutigen Deutschland  als Kenntnis wichtig bleibt. 

Gutsanlagen mit einem Herrenhaus im Zentrum prägten über Jahrhunderte den ländlichen Raum in den heutigen Staaten Estland und Lettland. Die meisten waren im Besitz des deutschbaltischen Adels, der ab der Zeit der Ordensritter ins Land gekommen war. Mit der Entstehung der Nationalstaaten Estland und Lettland nach dem Ersten Weltkrieg und der Agrarreform 1919/20 verloren die Gutsherren ihre privilegierte Stellung. Viele der Güter konnten nicht mehr gehalten werden. Mit der Umsiedlung der Deutschbalten im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes 1939 und der Besetzung Estlands und Lettlands durch die Sowjetunion endete die Zeit der Gutshöfe.

Thema des Vortrags ist die Weiternutzung der Gutshöfe und Herrenhäuser sowie die Erhaltung der historischen Bausubstanz. Bereits nach der Agrarreform, als gerade die großen Herrenhäuser nicht mehr gehalten werden konnten, gelangten viele in Staatsbesitz und wurden als Sanatorien, Schulen, Freizeiteinrichtungen, aber auch als Museen genutzt. Der Vortrag stellt an Hand von Beispielen verschiedene Nutzungskonzepte vor und zeigt, wie weit auch die historische Ausstattung mit einbezogen wird. Neben staatlichen Konzepten wird auch auf die von Vereinen und Privatpersonen eingegangen, ebenso auf die Vermittlung der Geschichte des jeweiligen Hauses.

Die Veranstaltung findet als YouTube-Premiere auf dem YouTube-Kanal des Kulturforums statt und kann dort auch nach der Premiere jederzeit abgerufen werden. Dafür wird kein YouTube- oder Google-Konto benötigt.

Foto:
 Großenhof/Suuremõisa, Estland, Besprechungszimmer, 2018. Das Herrenhaus wird heute als Berufsschule genutzt, in der u.a. Restauratoren ausgebildet werden.
© Thomas Helms, Schwerin.