hwk kunstv 8178Eine Kunstschau zur interkulturellen Woche in Fulda

Hanswerner Kruse

Fulda (Weltexpresso) - Am Samstagabend eröffnete der Fuldaer Kunstverein die Ausstellung „Vielfalt verbindet“, in der sich Kreative aus 20 Ländern mit künstlerischen Mitteln dem Thema annäherten. Mit dieser Vernissage begann die deutschlandweite „Interkulturelle Woche“ auch in Fulda.

So vielfältig wie das Thema sind die ausgewählten 46 Objekte der Künstler*innen des Vereins und von Nichtmitgliedern. Die Gemeinschaftsausstellung präsentiert erstaunliche Entdeckungen, etwa die großformatigen, fast dreidimensionalen Acrylbilder des Nordafrikaners Taoufik Bendi, der in Osthessen bis jetzt überhaupt noch nicht als Maler bekannt war.

hwk kunstv8279Die Künstlerinnen Veronika Zyzik mit Öl auf Leinwand und Tanja Abeln-Bil mit ihrer bekannten Mischtechnik (genähte Zeichnungen auf aquarellartig eingefärbten Stoffen) zeigen interessante Porträt-Serien. Beide beziehen sich unmittelbar auf das Thema, ohne es vordergründig politisch zu interpretieren. Eindrucksvoll dagegen jedoch auch die große Arbeit Maria de Mercés Brands „Begrüßung“. Grafisch leicht stilisiert sieht man afrikanische Menschen wie in einem Schaufenster ausgestellt, die von einem blonden Kind mit einem Apfel in der Hand betrachtet werden. Des Weiteren findet man in der Schau sowohl völlig abstrakte Bilder als auch plakatartige Grafiken.

Fantasien werden auch von Skulpturen angeregt, etwa durch die verrätselten Gipsbücher Jochen Burks ohne Titel, mit kleinen, darin verfangenen Figuren oder „Der Heilige Gral“ von Alexander Litwinow. Überaus interessant ist Martina Fuchs interaktive Installation „Konferenz“, in der kleine, extrem unterschiedliche Figuren zu einer Verhandlung zusammenkommen (müssen). Das Publikum kann auf einer Papierrolle Ratschläge und Kommentare abgeben. Zu diesen vielfältigen Kunstwerken kommen gemeinsam gemalte Bildbahnen oder eine Fotocollage von Fachschülern der Marienschule.

Ob nun alle in der Ausstellung gezeigten, mit kreativen Medien hergestellten Arbeiten „Kunst“ sind, ist für das Projekt nicht so wichtig. Die Aufgabe, sich mit dem Thema „Vielfalt verbindet“ auseinanderzusetzen, erlaubt möglicherweise die Erweiterung des Kunstbegriffs. Gerade, wenn nicht mit erhobenem Zeigefinger eindeutige politische oder moralische Botschaften verkündet werden, wie von manchen Objekten auf der aktuellen Documenta. Denn bei fast allen der ausgestellten Werke im Kunstverein bleibt der „unwägbare Rest“ (Adorno), sie gewähren ausreichend Raum zum Interpretieren und Nachdenken.

Eröffnet wurde die Schau mit der Begrüßung des Publikums durch Abdulker Demir, Vorsitzender des Ausländerbeirats. Der freute sich, wo, wenn nicht in der Kunst, könne man gemeinsam Interkulturelles unternehmen und erleben. Nadine Scholz sprach Grußworte für die Stadt Fulda. Die Musiker Alan Mustafa und Saleh Bero spielten orientalische Klänge, zu denen später sogar einige Besucher tanzten.


Fotos: Besucherinnen vor den vielfältigen Porträts Veronika Zyziks (Leiterin der Kunstschule der Kunststation Kleinsassen)
Die „Konferenz“ von Martina Fuchs (rechts), eine Besucherin schreibt ihren Kommentar,
Maria de Mercès Brand (2. v. links) mit Kolleginnen vor ihrem Bild „Begrüßung“ . ©Hanswerner Kruse

Info: 
„Vielfalt verbindet“ noch bis zum bis 8. 10. im Kunstverein Fulda Kanalstraße 52 (Nähe Gemüsemarkt). Am 24. 9. gibt es Kunstaktionen und Performances zum Thema am Bahnhofsvorplatz sowie am 8. 10. eine zweisprachige Finissage-Lesung mit Gedichten und Kurztexten aus vielen Ländern.