k ll laserstein russisches maedchen mit puderdose 1928 0Serie: LOTTE LASERSTEIN. VON ANGESICHT ZU ANGESICHT, Städel Frankfurt vom 19. September bis 17. März, Teil 1

Claudia Schulmerich

Frankfurt am Main (Weltexpresso) – Recht hat er, Städeldirektor Philipp Demandt, der am 1. Oktober zwei Jahre im Amt ist, mit seiner Bemerkung, daß der Name Lotte Laserstein so modern klingt, daß diese Alliteration suggeriert, es handele sich um ein käufliches Produkt, etwas, was eingängig sein soll – und es auch ist. Dabei ist es „nur“ der Name einer deutschen Malerin (1898-1993) des 20. Jahrhunderts, die ohne die Nazis heute etwa so bekannt wäre wie etwa Gabrielle Münter (1877–1962 oder Paula Modersohn-Becker(1876-1907).

Und wenn wir nicht mehr Malerinnen nennen, liegt das auch daran, daß es nicht viel mehr gibt, nicht mehr weibliche Maler, die in höheren Sphären zugelassen wurden, denn zu malen, war sehr lange ein rein männliches Geschäft. Und wenn Frauen dann doch malten, wurde halt kein Geschäft daraus. Anders bei Lotte Laserstein, die als eine der ersten Malerinnen die Ausbildung an der Berliner Akademischen Hochschule 1921 aufnahm und 1927 mit Auszeichnung abschließen und in Folge von ihren Gemälden leben konnte – denken wir daran, daß derzeit im Historischen Museum Frankfurt eine Ausstellung an (erst) 100 Jahre Frauenwahlrecht erinnert und eine zweite an 50 Jahre Frauenbewegung, die nach 1968  für die im Grundgesetz garantierte Gleichberechtigung auch im wirklichen Leben stritt. So war es für Frauen nach dem ersten Weltkrieg schon eine gewaltige Tat, sich in Männerberufen durchzusetzen. Doch dazu noch mehr. Erst einmal ist Philipp Demandt dran, der auf der Pressekonferenz zu dieser wichtigen und schönen, von ihm persönlich initiierten Ausstellung sich als interessanter Geschichtenerzähler zeigte, konnte er doch die Tatsache seiner Bestellung als Städeldirektor (davor leitete er ab Januar 2012 die Alte Nationalgalerie in Berlin, wohin ihn seine Tätigkeit als Mitarbeiter der Kulturstiftung der Länder seit 2004 führte) direkt auf sein Engagement für Lotte Laserstein zurückführen.

Das ist wirklich spannend und setzt fort, was 2003 in Berlin als erste Wiederentdeckung dieser Malerin in Deutschland durch Anna-Carola Krausse im Ephraimpalais: Lotte Laserstein – Meine einzige Wirklichkeit in Gang gesetzt wurde, wo auch Philipp Demandt erstmals das Werk der 1937 nach Schweden emigrierten Malerin kennenlernte. Berlin/Deutschland hinkte übrigens hinterher, denn zum ersten Male wurde Lotte Laserstein international schon 1987 in London ausgestellt, noch mit ihrer Anwesenheit, aber dem folgte keine Aufbruchstimmung, nur ihre in Auktionen erwerbbaren Bilder wurden seither höher gehandelt. Demandt also war seit 2003 von der Bedeutung der Malerin überzeugt und gab uns einen kurzen Abriß seiner damaligen Überraschung von der Qualität dieser Malerin, die alles übertroffen hatte, was er erwartet hatte.

Und als guter Geschichtenerzähler unterbrach er sich selbst in der Darstellung, was das nun mit der Bestellung als Städeldirektor zu tun habe, und gab erst einen kurzen Abriß des Lebens der Malerin, den man natürlich ausführlich würdigen sollte, was wir später auch tun wollen, aber durch Philipp Demandt gelernt haben, daß es viel besser haften bleibt, wenn die Erzählung immer neu aufgenommen, immer ausführlicher wird. Die Kurzfassung. Aus einem Dorf in Ostpreußen, Vater krank, kam die Familie nach Bad Nauheim(!), Vater gestorben, Familie nach Danzig zur Großmutter, ab 1908 hatte sie Unterricht in der Malschule ihrer Tante, dann wie erwähnt die Berliner Akademie mit dem Meisterstudium. Gleich 1928 wurde sie durch die Frühjahrsausstellung der Preußischen Akademie der Künste bekannt und konnte unmittelbar ihr Gemälde IM GASTHAUS (1927) an den Magistrat der Stadt Berlin verkaufen. Reüssierte mit ihrer Malerei – Atelier in Wilmersdorf - , konnte davon gut leben und hatte ausgezeichnete Kunstkritiken.

1928 beteiligte sie sich am Wettbewerb „Das schönste deutsche Frauenporträt“, der von der Kosmetikfirma Elida mit dem Berufsverband der Maler ausgerufen worden war und kam bei 365 Einsendungen mit RUSSISCHES MÄDCHEN MIT PUDERDOSE in die Endrunde mit 25/26 Werken. Und dies Bild ist es nun, das mit Philipp Demandt und dem Städel zu tun hat. Denn er hatte frühzeitig mit Max Hollein und den zuständigen Kuratoren Kontakt aufgenommen und bei diesen großes Interesse an Gemälden von Lotte Laserstein gefunden, weshalb er dem Städel avisierte, wenn ein Lasersteingemälde auf dem internationalen Kunstmarkt angeboten wurde. Und „bei diesem Bild hat das Städel sofort angebissen“. Es hatte einen schwedischen Besitzer, nämlich die Gemeinde Nybro, und Demandt hat erst einmal selbst finanzielle Unterstützer aktiviert und einen Gewährsmann auf der Auktion in London 2014 bieten lassen. Aus dem relativ geringen Ausgangsbetrag wurde aber ein Meistbietendduell, das zwar das Städel gewann, aber doch um einen hohen Preis.

Und wie das Leben so spielt, hat Philipp Demandt bei einer Ausstellung des Bildes in Berlin wohl die mitbietende Gegenpartei kennengelernt, eine alte Dame, die vor dem Bild stehend, von ‚ihrem Bild‘ sprach. Der Erwerb aber festigte seine Beziehung zum Städel...dessen Direktor er seit zwei Jahren ist. Und – man glaubt es kaum – sein erster Ankauf eines Gemäldes für das Städel war dann ein weiteres Gemälde der Laserstein. „Das Kinderporträt JUNGE MIT KASPER-PUPPE (Wolfgang Karger) war die erste Neuerwerbung in meinem Amt als Direktor des Städel Museums“, sagt Demandt und fügt hinzu, was wir jetzt schon wissen, „auch generell begleitet mich das Werk Lotte Lasersteins persönlich und beruflich schon seit vielen Jahren. Um so mehr freut es mich, daß unsere Ausstellung die Chance bietet, einen neuen Blick auf die Arbeit dieser bedeutenden Malerin zu richten und sie einem größeren Publikum vorzustellen“.

Nun also hängen beide Lasersteins im Städel, was das Museum derzeit zu dem deutschen Museum mit den meisten Bilder der Lotte Laserstein macht, und für diese Ausstellung hängen sie unten im Graphischen Kabinett, wo diese nicht mal kleine, aber feine Ausstellung sehr lange, nämlich bis 17. März zu sehen ist.

Fortsetzung folgt.

Fotos:
© Städel

Info:
Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Prestel Verlag mit 192 Seiten und 159 Farbabbildungen. Mit Beiträgen von Valentina Bay, Alexander Eiling, Anna-Carola Krausse, Kristina Lemke, Annelie Lütgens, Maureen Ogrocki, Kristin Schroeder, Elena Schroll und Philipp von Wehrden. Deutsche / englische Ausgabe, 39,90 Euro (Museumsausgabe). Wir werden darüber berichten,

Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro; Sa, So, Feiertage: 16 Euro, ermäßigt 14 Euro; Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69- 605098-200 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erforderlich.

Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Für Mitglieder des Städelschen Museums-Vereins ist der Eintritt in die Sonderausstellung frei.

Überblicksführungen durch die Ausstellung: freitags 19.00 Uhr, sonntags 14.00 Uhr sowie Mi 3.10., Di 25.12., Mi 26.12., Di 1.1., 12.00 Uhr. Kosten: 5 Euro zzgl. Eintritt (Tickets ab zwei Stunden vor Führungsbeginn, sonntags ab 10.00 Uhr an der Kasse erhältlich)

Die Ausstellung wird von einem umfassenden Rahmenprogramm begleitet. Eine aktuelle Übersicht finden Sie unter www.staedelmuseum.de

Audiotour: Die Audiotour führt in deutscher und englischer Sprache durch die Ausstellung. Die deutsche Audiotour wird von der Schauspielerin und Sängerin Meret Becker gesprochen. Die Tour ist als kostenlose App im Android und Apple Store verfügbar und kann bequem von zu Hause auf das Smartphone geladen werden. Vor Ort im Museum kann der Audioguide zu einem Preis von 4,50 Euro (8 Euro für zwei Audioguides) ausgeliehen werden.