friends 3175Ausstellung der Kunststation als Antwort von Kunstschaffenden auf die documenta fifteen

Hannah Wölfel & Hanswerner Kruse

Kleinsassen/Rhön (Weltexpresso) - Eine faszinierende Vielfalt von Skulpturen, Gemälden, Installationen und anderen künstlerischen Gebilden erwartet die Besucher der Ausstellung „Make Friends AND Art“ – schließt Freundschaften UND macht Kunst:

Zwei identische Köpfe betrachten sich in Spiegeln, einer ist weiß, der andere dunkelhäutig. Wenn man um das Objekt herumgeht, wird das weiße Antlitz dunkler oder das dunkle heller (Foto oben). Von der Wand lachen zwölf Collagenporträts, die jeweils zugleich zwei extrem unterschiedliche Menschen - unter dem Motto "Gemeinsam" – zeigen (Foto unten). Ein "interkulturelles Mustertuch" präsentiert ein Patchwork aus Stofffeldern verschiedener außereuropäischer Regionen. 

Insgesamt 32 von der Station ausgewählte Kunstschaffende geben Antworten auf die umstrittene documenta fifteen des vergangenen Jahres. Die einst weltberühmte Kunstschau wurde nicht nur von antisemitischen Vorfällen, sowie dilettantischer und verantwortungsloser Kuratierung überschattet. Der Focus lag ohnehin nicht auf Kunst, sondern es ging um die Verwirklichung des Mottos „Make Friends not Art“: Also gemeinsam abhängen und sich anfreunden.

friends 3210Zwischen den aufgeregten Diskussionen und Fehlern aller Verantwortlichen ging die Kritik der Kunstlosigkeit dieser documenta unter. An ihrem Ende zitierte die Fuldaer Zeitung den Kunstwissenschaftler Harald Kimpel mit seinem verheerenden Urteil über den ästhetischen Wert: „Mein Hauptproblem ist die Entkunstung der documenta, von ausgestellten Kunstwerken kann keine Rede sein.“ Dagegen sind die Antworten der – endlich einmal gefragten - Kunstschaffenden in Kleinsassen bildhafte und skulpturale Statements mit diversen künstlerischen Mitteln!

Der bekannteste Teilnehmer ist Jonathan Meese, einer der bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart. Statt ein Kunstwerk zu liefern, verfasste er ein Manifest eigens für die Kunststation. Es beginnt mit den Worten "Kunst ist Respekt", diese Haltung begegnet einem in etlichen der ausgestellten Arbeiten. Denn "Make Friends AND Art" wurde von vielen Kunstschaffenden als Begegnung und Inspiration unterschiedlicher Kulturen interpretiert. Dem unsäglichen und oft unwissenden Gejammer über "kulturelle Aneignung" stellen viele das Lob der Vielfalt entgegen.

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Am radikalsten ist die Weiße Irena Paskali mit ihrem Performancevideo aus einem kleinen Dorf in Togo. Darin trägt sie ein indigenes Kleid und wird von Togolesinnen begeistert fotografiert (Foto links). Kritisch gemeint sind an einer Ausstellungswand menschengroße Socken aus PVC, die mit klassischen Kunstwerken - etwa Edvard Munchs „Der Schrei“ - bedruckt wurden. Viele Museen nutzen diesen „kulturellen Missbrauch“ zur notwendigen Finanzierung.

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Eine eindeutige ästhetische Position zeigt Frank Hiller mit seinem Ölbild „Ein Haus für alle“ (Foto rechts) ab, das Höhlenmalerei und hinduistische Momente enthält. Er postuliert, seine Kunst entspringe immer seinem eigenen Geist und werde von seinen Händen ans Licht gebracht: „Anstatt über kulturelle Aneignung zu streiten, sollte man doch eher einmal über GESPRÄCHSKULTUR nachdenken...“

Wir werden über die Ausstellenden noch ausführlicher berichten. 

Fotos:
Hanswerner Kruse





SERVICE

„Make Friends AND Art“ noch bis zum 17. September www.kunststation-kleinsassen.de

Zur Ausstellung erschien ein Katalog mit 40 Seiten, der Fotos aller ausgestellten Arbeiten mit Kommentaren der Kunstschaffenden enthält. Preis 2 Euro.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet das Projekt. Als nächstes präsentieren am 25. Juni die Künstlerin Ulrike Kuborn und die Musikerin Nirit Sommerfeld ihre Performance „Approach / Begegnung“.

Zeitgleich läuft die Studioausstellung „Im Schatten der Ereignisse“ von Mario Götze bis zum 21. Juli.

Rahmenprogramm Make Friendspng