Kunsthalle Wilhelmshaven 01Zur Ausstellung „Oh clouds, oh storms, oh winds…“ 

Hanswerner Kruse / Hannah Wölfel

 (Weltexpresso) - Die aktuelle Ausstellung „Kunst im Sturm“ in der Wilhelmshavener Kunsthalle überraschte uns sehr, doch wir fühlten uns durch den vorherigen Strandspaziergang im wilden Wind gut eingestimmt. Durch die stürmische Anordnung der Begriffe „Oh clouds, oh storms, oh winds…“ symbolisiert bereits das Plakat typografisch und optisch das Thema der Schau.

Flyer

Die friesischen Eingeborenen sprachen zwar von „Windstille“, aber die steife Brise wehte uns am Jadebusen fast vom Fliegerdeich. Nur die dort montierten eisernen Kunstwerke „Sturmwächter“ hielten dem Sturmgebraus stand. Ziemlich schnell stiegen wir bibbernd wieder ins Auto und düsten zur Kunsthalle. Dort empfing uns eine große heulende, pfeifende und zischende Installation im Eingangsbereich. Kleine und große linsenartige Objekte wurden brausend aufgeblasen, hüpften herum und entließen die Luft in zahlreiche flötenartige Gebilde. Die kommunizierten durch Blasen, Quietschen und Röhren miteinander, blubberten einsam vor sich hin oder überrumpelten uns durch stürmische Kakofonien.






IMG 2470„Howl“ hieß diese Installation – und wer weiß, ob sich dieses geniale Kunstwerk nicht auch ein wenig auf Allen Ginsbergs „Howl“ bezog: „…schluchzend & sich entkleidend, während die Sirenen von Los Alamos sie niederheulten, und die Wall Street runterheulten, und die Staten Island Fähre heulte auch…“

Eine (echte) Sturmsirene krisch los, wenn man vor ihr stehenblieb. 

Etwas weiter konnte man in einer elektronischen Klanginstallation, auf einem Podium liegend mit schwarzer Augenbinde, einen beginnenden und sich steigernden Sturm miterleben. Im benachbarten „Sturmkabinett“ ging es malerischer, aber nicht weniger dramatisch zu: Zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und andere abstrakte, realistische oder fantastische Bilder zeigten die verschiedenen Assoziationen zu Stürmen: 

IMG 2485Eine riesige, an die Wand projizierte, etwas unscharfe Seenlandschaft mit einer vom Wind zerrissenen Fahne, forderte eigene Schattenspiele oder Selfies am Meer heraus. Poetische Zeilen lockten:

Blaues Netzgewirke, / das im stürmischen Wind raschelt, / im Boden verankerte Plastikplane, / schwere Papiere in unterschiedlichen Farben, / die sich der Sonne hingeben wollen, / ein Windabdruck, Wellenmuster, / Sehnsucht nach einem Bild, das sich nie zeigen kann..."


Im regnerischen Garten konnte man noch eine Sturmglocke bimmeln lassen. Jedoch die übrigen Installationen im Freien bis zum fernen Strand, etwa die „Windskulpturen“ von Ursula Sax und andere windige Objekte, mussten aufgrund der heftigen Weihnachtsstürme allesamt abgebaut werden. Natürlich werden sie demnächst wieder aufgestellt. Zur Ausstellung gibt es ein ausführliches Begleitprogramm, das, so eine Mitarbeiterin der Kunsthalle, gerne angenommen wird.

„Kunst im Sturm“ ist eine lohnenswerte und spannende Ausstellung mit weiteren Überraschungen, die dem Thema mehr als gerecht wird. Und wo anders als in der stürmischen Jadestadt, sollte man diese Kunstobjekte von diversen regionalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern sonst aufbauen?

Zum Begleitprogramm

Fotos
© Hanswerner Kruse
außer oben Foto Kunsthalle = © Wikipedia & Plakat = © Kunsthalle Wilhelmshaven

Über die Kunsthalle:

Die Kunsthalle Wilhelmshaven ist ein Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst in Wilhelmshaven und die älteste Kulturinstitution der Stadt. Sie wurde im Jahr 1913 als Kaiser-Friedrich-Kunsthalle eröffnet. Die Gründung erfolgte auf Initiative des damaligen Chefs der Marinestation der Nordsee, Admiral Friedrich Graf von Baudissin, und sollte den Bewohnern der Stadt mit wechselnden Ausstellungen auch Bildende Kunst zugänglich machen. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zog die Kunsthalle zunächst in eine von der Militärregierung zur Verfügung gestellte Baracke, bevor sie 1968 ein neues Gebäude am Adalbertplatz bezog. Die Wilhelmshavener Architekten Harms und Sommerfeld verwirklichten einen sachlich nüchternen, an Bauhaus-Vorbilder angelehnten Bau mit Elementen des Brutalismus, in dem seitdem eine große Vielfalt an Ausstellungen zu sehen war. Erster Leiter nach dem Krieg war der Künstler.
(Auszug Wikipedia)

Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Februar 2024 geöffnet:
Dienstag bis Sonntag 11 - 17 Uhr, Donnerstag 11 - 20 Uhr
Eintritt 4 Euro, ermäßigt 2 Euro