vogelkrutEin paar Zeilen über den Frühling im Garten

Kurt Nelhiebel

Bremen (Weltexpresso) - Dieses Jahr ging es im Garten während des Frühlings zu, wie bei der Echternacher Springprozession.

Kaum dass die Pflanzen sich ein paar Tage lang in einem warmen Luftstrom aus südlichen Gefilden gereckt und gestreckt hatten, gab ihnen kalte Luft aus polaren Breiten zu verstehen, dass es noch eine Weile hin sein dürfte bis zum endgültigen Abschied vom Winter. Den Schneeglöckchen konnte die strenge Botschaft aus dem hohen Norden nicht viel anhaben, die überstanden alljährlich ein ganze Reihe frostiger Nächte ohne Schaden zu nehmen.

Der hölzerne Rabe im Hochbeet hinter dem Haus ( Titelbild!) machte einer Osterglocke ganz schnell schöne Augen, sodass man meinen konnte, der alte Knabe habe sich die Blume hinters Ohr gesteckt, um dem heranwachsenden Storchenschnabel zu seinen Füßen zu imponieren. Vorerst gab die Winterheide mit ihren Abertausend violettfarbenen Blüten noch ihr Gastspiel, sehr zur Freude der ersten azaleeBienen, die benommen vom Winterschlaf durch den Vorgarten taumelten.

Einige Tage machten die Azaleen den Eindruck, als sei den jungen Blüten eine der frostigen Nächte schlecht bekommen, aber dann sorgten ein paar warme Tage dafür, dass sie den Schwächeanfall überstanden und in Konkurrenz zu den Fliederbüschen treten konnten. Unterdessen hat der Ginster seine optische Herrschaft im Vorgarten an einen rosafarbenen Azaleenstrauch abgetreten, während der Tulpenbaum seinen grünen Schatten gnädig über die verwesenden Reste seiner ehemals leuchtenden Blütenpracht gleiten lässt.

Der große Rhododendron hat Kälte und Trockenheit mit Bravour überstanden, aber es brauchte seine Zeit, bis die Knospen ein wenig von der Farbe ahnen ließen, die seine Blüten schließlich annehmen würden. Dann fiel die schützende Hülle aber auf einen Schlag und der Garten stand ganz im Glanz von vielen hundert rötlich getönten Blüten.

AzaleenWenn kein Blatt sich rührt und die Zeit still zu stehen scheint strömtt der Honigduft einer gelben Azalee wie der Atem einer gütigen Fee in unsere Lunge.

Frühmorgens, wenn die nahe Stadt noch schläft, tönt von weit her der lyrische Gesang einer Amsel in die Stille und lässt uns für einen glücklichen Moment alle Kümmernissen und Sorgen vergessen.

Fotos:
©Kurt Nelhiebel